Monika Taubitz hat ihr neues Buch „Jakobs Gärten“ in Auszügen und im Gespräch mit dem ehemaligen SÜDKURIER-Kulturredakteur Siegmund Kopitzki im Vineum vorgestellt. Rund 90 Interessierte folgten Jakobs Geschichte, die, fiktiv verfremdet, die Geschichte von Taubitz‘ Vater und ihrer schlesischen Familie ist.

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Die Geschichte beginnt tragisch, mit dem Freitod der ersten Frau des Vaters, der in Wirklichkeit Josef hieß. Doch sie schildert nicht nur Einzelschicksale, sondern spiegelt, auf zwei Erzählebenen, die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder mit zwei Weltkriegen, Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung aus Schlesien. Dort, in Breslau, kam Taubitz, die 2018 als erste Frau zur Meersburger Ehrenbürgerin ernannt wurde, 1937 zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie, bis zur Vertreibung aus der Heimat 1946, in Markt Bohrau, Eisersdorf und Breslau. Ihr Vater, der Lehrer und Musiker war, starb, von den Nazis drangsaliert, bereits 1941, als Taubitz erst dreieinhalb Jahre alt war. Das Buch sei, so meint Kopitzki, „ein stückweit eine nachgetragene Liebeserklärung an den Vater.“ Was er dazu gesagt hätte? „Zuviel des Guten“, sagt Taubitz trocken. Und ihre Mutter? „Sie wäre sicher stolz auf mich, obwohl sie immer sagte: ‚Spiel lieber Klavier, Bücher gibt es schon so viele‘.“

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Nun, die Tochter hielt sich nicht an diesen Ratschlag. Zuviel erlebte und bewegt sie, das festgehalten werden will. Ihre Bücher hätten immer einen autobiografischen Hintergrund, erklärt Taubitz. Doch in allen bisherigen Werken habe sie „ein Problem aufgegriffen“, etwa über das Thema Vertreibung geschrieben oder einen einsamen, einen alten, einen behinderten Menschen. Zunächst habe sie gar nicht über ihren Vater schreiben wollen. Doch dann wurde ihr klar: „Ich wollte einmal einen Menschen schildern, den plötzlich so ein Unglück trifft und der mit drei kleinen Kindern allein ist.“

Den Ehrenbürgerbrief der Stadt Meersburg bekam Monika Taubitz vor großem Publikum in der Sommertalhalle von Bürgermeister Robert Scherer (rechts) und Peter Schmidt (links) als Vertreter des Gemeinderates überreicht. Im Hintergrund: Knabenmusiker, die die Veranstaltung umrahmten.
Den Ehrenbürgerbrief der Stadt Meersburg bekam Monika Taubitz vor großem Publikum in der Sommertalhalle von Bürgermeister Robert Scherer (rechts) und Peter Schmidt (links) als Vertreter des Gemeinderates überreicht. Im Hintergrund: Knabenmusiker, die die Veranstaltung umrahmten. | Bild: SK

Auch die Lebensläufe ihrer älteren Halbgeschwister verfolgt Taubitz: Käthe fällt der Euthanasie zum Opfer, Georg fällt im Krieg, nur Franz wird sehr alt. Angesichts dieses reichen Stoffs fragt Kopitzki Taubitz zugespitzt: „Bist du ein Profiteur deines Schicksals?“ Taubitz bejaht klar. Als ihre Mutter und sie nach der Vertreibung bei einer „bösen Wirtin“ in Nordenham untergebracht waren, war das Mädchen zum Stillsein verdammt. „Ich habe mich mit Schreiben durch die Zeit gebracht.“

Eine ergreifende Danksagung

Nach der Lesung meldet sich eine Frau aus Konstanz, Jahrgang 1939, die ebenfalls aus Schlesien stammt und deren Vater fiel, als auch sie dreieinhalb Jahre alt war. Mit tränenerstickter Stimme sagt sie: „Ich möchte mich einfach nur bedanken für diese Bücher, die auch mein Leben beschreiben. Ich wollte, ich könnte so schreiben.“