Eine lange und harte Saison liegt hinter Marcus Samsa aus Meersburg. Der 39-Jährige leitet den Biergarten auf der Haltnau. Der lange, heiße Sommer hängt ihm in den Knochen. Der Lohn monatelanger Arbeit wartet: Bali. Zusammen mit einigen Kollegen und Freunden, die ebenfalls in der Meersburger Gastronomie tätig sind, hat er im Urlaubsparadies ein Haus gemietet, um es sich acht Tage lang gut gehen zu lassen.

Der 39-Jährige geht ins Wasser – und kommt nicht mehr zurück

Es ist ein Traumurlaub mit Sandstrand, Füße hochlegen und zahlreichen Freunden. Alles scheint perfekt. Die Gedanken sind am vorletzten Tag bereits ansatzweise in der Heimat am Bodensee. Das Kofferpacken steht an. Marcus Samsa möchte noch einmal an den Strand und ins Meer springen. Zwei Freunde sind mit dabei. Es ist Montag, der 12. November. Und dann passiert das Unfassbare: Der 39-Jährige geht ins Wasser und kommt nicht mehr zurück.

Ein Rettungsschwimmer reanimiert ihn 15 Minuten lang

Kurze Zeit später sieht sein Freund Harald Kirmes, wie Marcus Samsa mit dem Rücken nach oben im Wasser treibt. Kirmes rennt zu dem 39-Jährigen und zieht ihn aus dem Wasser. Am Strand wird er von einem Rettungsschwimmer eine Viertelstunde lang wiederbelebt, bis der Krankenwagen eintrifft. Die Situation ist dramatisch, lebensbedrohlich, doch Marcus Samsa kommt wieder zu sich. Allerdings spürt er seine Arme und Beine nicht mehr.

Eine Welle zog ihn mit, er schlug mit dem Kopf auf den Grund auf

Was war passiert? Der Meersburger wollte durch eine Welle tauchen. Diese zog ihn allerdings mit. Dabei schlug er mit dem Kopf auf den Grund auf und brach sich mehrere Wirbel im Hals. „Mir blieb nichts anderes übrig, als Wasser zu schlucken“, erinnert sich Marcus Samsa später im Krankenhaus. Dort soll er unmittelbar operiert werden, was allerdings nicht möglich ist, da er wegen einer Vorerkrankung Blutverdünner nehmen muss. Er wird behandelt, sodass er vier Tage später, am Freitag, operiert werden kann.

Überlebenschance von unter 50 Prozent

„Es war dramatisch“, sagt seine Freundin Mandy Neumann, die ebenfalls mit auf Bali dabei ist. „Die Chance, dass er überlebt, lag bei unter 50 Prozent, haben die Ärzte gesagt.“ Doch Marcus Samsa war stark und schaffte es. Mittlerweile sind die meisten Freunde wieder am Bodensee. Mandy Neumann und Hubert Böttcher sind bei Marcus Samsa geblieben. Seine Schwester Sandra Frischhut ist mittlerweile auf Bali eingetroffen, um ebenfalls vor Ort zu helfen.

Nach der Operation eine Lungenentzündung

„Direkt nach der Operation ging es Marcus eigentlich ganz gut“, berichtet seine Freundin. „Dann bekam er plötzlich eine Lungenentzündung, weil er so viel Meerwasser geschluckt hat.“ Die Antibiotika, die der 39-Jährige bislang verabreicht bekommen hat, schlagen nicht richtig an, sodass er mittlerweile künstlich beatmet werden muss. „Es geht ihm momentan relativ schlecht“, sagt Mandy Neumann. Zurzeit gehe es darum, ihn durchzubringen. Die Gefahr, dass er bleibende Schäden in Form einer Lähmung haben wird, ist außerdem recht hoch. „Wir hoffen stündlich, dass das Antibiotikum anschlägt und wir ihn so schnell wie möglich nach Hause transportieren können.“ In der jetzigen Verfassung sei der Meersburger nicht transportfähig.

Allein die Operation hat 30 000 Euro gekostet

Hier liegt aber auch das nächste Problem: Marcus Samsa hatte im Vorfeld der Reise keine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Das bedeutet, dass alle Kosten selbst übernommen werden müssen. Allein die Operation habe mehr als 30 000 Euro gekostet. Jeder Tag im Krankenhaus lässt den Schuldenberg anwachsen. Und dann der Rücktransport. „Wir sind gerade dran, ein Flugzeug zu organisieren, das ihn ausfliegen kann, sobald er transportfähig ist“, sagt Mandy Neumann.

Freunde starten Spendenaktion im Internet

In Meersburg ist man derweil nicht untätig. Die Freunde haben seit Montag eine Spendenaktion im Internet eingerichtet, die innerhalb von zwei Tagen hohe Wellen geschlagen hat. „Es sind bereits mehr als 20 000 Euro eingegangen, was der absolute Hammer ist“, berichtet Melanie Böttcher, die die Aktion mitinitiiert hat. „Wir schätzen, dass wir alles in allem etwa 150 000 Euro benötigen, um Marcus wieder zurückzubringen.“ Das sei aber nur eine ganz grobe Schätzung, betont sie.

Hoffnung, dass Marcus Samsa bald nach Deutschland geflogen werden kann

„Wir sind überwältigt, wie viele bereits jetzt ihre Anteilnahme in Form einer Spende ausgedrückt haben“, sagt Mandy Neumann. „Wir hoffen, Marcus Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche nach Deutschland bringen zu können.“ Dort erwarte ihn vor allem eine bessere medizinische Versorgung. Außerdem wartet dort auch der 15-jährige Sohn von Mandy Neumann auf seine Mutter und seinen Stiefvater. Momentan kümmern sich seine Tante und seine Großmutter um ihn.

Wann lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung?

Wer ins Ausland reist, sollte immer genau prüfen, ob sich der Abschluss einer (zumeist sehr preiswerten) Auslandsreisekrankenversicherung lohnt.

  • „Selbst in den EU-Staaten und den Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, können Urlauber ganz oder zumindest teilweise auf ihren Kosten sitzen bleiben“, warnt die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite (www.verbraucherzentrale.de). Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale in Stuttgart, sagt im SÜDKURIER-Gespräch: „Kein Arzt im Ausland kann gezwungen werden, die Europäische Krankenversicherungskarte zu akzeptieren.“ Wenn der Arzt seinen Patienten als Privatpatienten behandle, müsse dieser jede Behandlung sofort bezahlen. Für Privatversicherte treffe das in jedem Fall zu. Da könnten schnell mehrere 1000 Euro zusammenkommen.
  • Der Rücktransport aus dem Urlaubsland gehört, so die Verbraucherzentrale, nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur über eine private Auslandsreisekrankenversicherung könnten diese Kosten ersetzt werden. Allerdings solle das Kleingedruckte sorgfältig gelesen werden. So spiele zum Beispiel beim Rücktransport eine entscheidende Rolle, dass „die Kosten bereits für einen medizinisch sinnvollen und nicht erst bei einem medizinisch notwendigen Rücktransport“ übernommen werden.
  • Auch wenn durch den Einsatz einer (goldenen) Kreditkarte der Bank eine Auslandsreisekrankenversicherung eingeschlossen oder auch eine Reiserücktrittsversicherung Bestandteil des Versicherungsschutzes ist, lohnt es sich, „immer ganz genau hinzuschauen“, sagt Peter Grieble. Grundsätzlich solle sich jeder ins Ausland Reisende seine Versicherungsunterlagen vor einer Reise genau anschauen und überprüfen, ob alle ihm wichtigen Leistungen abgesichert sind.
  • Für Reisen, die länger als sechs oder acht Wochen dauern, und für Langzeitreisen über mehrere Monate, müssen Versicherungen abgeschlossen werden, die deutlich teurer sind. Grundsätzlich sollten bei einem Preisvergleich auch die Leistungen bewertet werden, die versichert sind. (urr)