In Markdorf gibt es ein neues Unternehmen: Es heißt Musik-Treff am Gehrenberg und ist eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft. Geleitet wird sie von Reinhard Nedela. Und ihr Geschäft ist die Musik – genauer der Musikunterricht. Doch will der Musik-Treff Gehrenberg keineswegs in Konkurrenz zur vorhandenen Musikschule in der Schulgasse 2 treten, wie Nedela erklärt. Nedela ist auch der Vorsitzende des Vereins Musikschule Raumschaft Markdorf, der die Musikschule seit ihren Anfängen trägt.

Gemeinden wollten Finanzierungsgerechtigkeit

Dass Nedela nun den Musik-Treff gründen musste, hat politische Gründe. Denn die vier Gemeinden, die die regelmäßigen Defizite der ja nicht in kommunaler Trägerschaft stehenden Markdorfer Musikschule Jahr für Jahr ausgleichen, haben ihr vor etwas mehr als einem Jahr ausgehandeltes Finanzierungsmodell an Bedingungen geknüpft. Seit Dezember 2019 werden die jeweils unterrichteten Jahreswochenstunden in den beteiligten Gemeinden abgerechnet. Beteiligt sind neben Markdorf noch Bermatingen, Oberteuringen und Deggenhausertal.

Zeigen sich im Dezember 2019 zufrieden mit der zwischen den Gemeindeverwaltungsverbandsgemeinden und der Musikschule getroffenen Förder-Vereinbarung: Gerhard Eberl, Ralf Meßmer (Bürgermeister Oberteuringen), Hans Jörg Walter, Georg Riedmann (Bürgermeister Markdorf), Fabian Meschenmoser (Bürgermeister Deggenhausertal), Reinhard Nedela und Martin Rupp (Bürgermeister Bermatingen, von links). Das war die Grundsteinlegung für die neue Firma.
Zeigen sich im Dezember 2019 zufrieden mit der zwischen den Gemeindeverwaltungsverbandsgemeinden und der Musikschule getroffenen Förder-Vereinbarung: Gerhard Eberl, Ralf Meßmer (Bürgermeister Oberteuringen), Hans Jörg Walter, Georg Riedmann (Bürgermeister Markdorf), Fabian Meschenmoser (Bürgermeister Deggenhausertal), Reinhard Nedela und Martin Rupp (Bürgermeister Bermatingen, von links). Das war die Grundsteinlegung für die neue Firma. | Bild: Jörg Büsche

Seither bestehe eine gerechte Kostenverteilung zwischen diesen vier Gemeinden, so hat jüngst Michael Lissner, der Markdorfer Kämmerer bei einer Gemeinderatssitzung erläutert.

Absage an Unterstützung der auswärtigen Schüler

Die neue Finanzsicherheit für die Musikschule ging aber einher mit dem Abschied von der bisherigen Gleichheit ihrer Schüler. Inzwischen wird unterschieden zwischen Kindern und Jugendlichen einerseits und andererseits den erwachsenen Schülern. „Wobei das Erwachsenenalter bei uns erst mit 27 erreicht wird“, erklärt Gerhard Eberl, der Direktor der Musikschule. Erwachsene zwischen 18 und 27 zählen also weiterhin als Jugendliche.

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Dies sei insofern wichtig, als das Land Baden-Württemberg den Musikunterricht für Unter-27-Jährige bezuschusst, ältere aber nicht. Und für die Älteren wollten die vier Gemeinden, damit dem Modell des Landes folgend, keine Unterrichtszuschüsse mehr bezahlen. Ebensowenig möchten sie sich an den Unterrichtsgebühren von den auswärtigen Schülern beteiligen, also denjenigen Jugendlichen und Kindern, die weder in Markdorf noch in Bermatingen, Oberteuringen oder dem Deggenhausertal wohnen, sondern aus Immenstaad, Salem, Kluftern oder einem anderen Ort kommen.

Der Erwachsenen-Unterricht des Musik-Treff Gehrenberg findet in den Räumen der Musikschule statt.
Der Erwachsenen-Unterricht des Musik-Treff Gehrenberg findet in den Räumen der Musikschule statt. | Bild: Jörg Büsche

Gebührenerhöhung abgewendet

„Uns ist eine Übergangsfrist von zwei Jahren eingeräumt worden, um alles Notwendige zu organisieren“, erklärt Eberl. Die Bürgermeister der vier genannten Gemeinden hatten nämlich verlangt, dass der Abmangel der Musikschule reduziert werde. Deshalb sei es auch zur Musik-Treff-Gründung gekommen.

Den Erwachsenen-Unterricht übernehmen die Lehrer der Musikschule nun unter dem organisatorischen Dach des Musik-Treffs.
Den Erwachsenen-Unterricht übernehmen die Lehrer der Musikschule nun unter dem organisatorischen Dach des Musik-Treffs. | Bild: Jörg Büsche

„Wir mussten also die Unterrichtsgebühren für die erwachsenen Schüler erhöhen“, so Musikschul-Vereinsvorsitzender Reinhard Nedela. Die Folgen schildert Direktor Eberl. „Ich bekam Briefe, in denen es hieß: Bei weiteren Gebührenerhöhungen kommt die Abmeldung vom Unterricht.“ Das galt es den Lehrkräften aber unbedingt zu ersparen, erklärt Eberl.

Musikschullehrer müssen nun Miete zahlen

Weniger Schüler bedeutet weniger Unterricht, in der Regel auch geringere Honorare. Die Musikschule stand unter Handlungsdruck. „Wir haben uns umgesehen, wie es andere Musikschulen in nicht-kommunaler Trägerschaft machen“, so Eberl. Die Lösung war die Gründung einer Firma, die, anders als die Musikschule, keine Sozialabgaben mehr für die Musikschullehrer zahlt, die ihnen aber die Räumlichkeiten zum Unterrichten zur Verfügung stellt.

Harmonisch im Zusammenspiel: das aus drei Schülerorchestern gebildete Gesamtorchester bei seinem Auftritt in der Stadthalle im Sommer 2019.
Harmonisch im Zusammenspiel: das aus drei Schülerorchestern gebildete Gesamtorchester bei seinem Auftritt in der Stadthalle im Sommer 2019. | Bild: Jörg Büsche

Ihre Versicherungs- und Rentenbeiträge wickeln die Lehrkräfte für ihre den Erwachsenen und Auswärtigen erteilten Unterrichtsstunden über die Künstler-Sozialkasse ab. Und die Lehrkräfte zahlen für ihren Unterricht im Musikschulgebäude Miete – an den Musik-Treff. Der wiederum gibt das Geld an die Stadt Markdorf weiter. 6300 Euro für die restlichen Monate dieses Jahres, hatte Kämmerer Lissner den Räten vorgerechnet.

Arbeit auf die Lehrkräfte verteilt

Unterm Strich hätten die Lehrkräfte keine Honorareinbußen, versichert Eberl. Und den Erwachsenen sei die sonst nötige Gebührenerhöhung erspart geblieben. „Das war uns ganz, ganz wichtig“, erklärt der Musikschulleiter. Dass das neue Modell kostensparender ist, liege auch daran, so Musik-Treff-Geschäftsführer Nedela, „dass bei uns im Musik-Treff die Lehrenden ihren Unterricht selber organisieren und abrechnen“. Somit fallen die Verwaltungskosten der Musikschule weg.

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Musikschulleiter Eberl rechnet nicht damit, dass das neue Konzept mit Nachteilen beim Anwerben neuer Lehrkräfte verbunden ist. Es würde niemanden abschrecken, eine Anstellung in der Musikschule einzugehen. Am Ende überwögen aus Sicht der Musikschule ohnehin die positiven Aspekte. „Durch die Vereinbarung mit den vier Gemeinden ist unsere Existenz auch längerfristig gesichert.“ Es sei auch gar nicht anderes übrig geblieben, als den politischen Willen der betreffenden Kommunen umzusetzen.