Sandra Feiner ist es wichtig, positiv zu bleiben. Mit dem Café „Marktgeflüster„ in der Marktstraße, das sie gemeinsam mit ihrer Tochter Larissa betreibt, hat sich die 52-jährige Markdorferin einen Traum erfüllt. „Träume sehen manchmal anders aus, als sie das Leben dann vorgibt. Aber dann muss man drumherum bauen“, sagt sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER in ihrem gemütlichen Café. Dieses ist zur Mittagszeit gut besucht, noch können die Gäste draußen sitzen.

Das könnte Sie auch interessieren

„Das versuchen wir – solange das Wetter mitspielt – aufrecht zu erhalten und mit Kissen und Decken entsprechend hinzubekommen“, so Feiner. Aber auch im Café sei genügend Platz, die Betreiberinnen haben entsprechend den Abstandsregelungen den Innenraum eingerichtet und Nischen geschaffen, wie zum Beispiel die Fensterinsel, wo man gemütlich und mit ausreichend Platz sitzen kann.

Der Dekotisch im Marktgeflüster war zunächst als Abstandstisch gedacht, nun passt er perfekt ins Ambiente.
Der Dekotisch im Marktgeflüster war zunächst als Abstandstisch gedacht, nun passt er perfekt ins Ambiente. | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Wir waren sehr dankbar, als wir Anfang Juni eröffnen durften und hatten auch einen guten Start“, ist Sandra Feiner zufrieden. Die Wochen der Zwangsverschiebung, eigentlich war die Neueröffnung auf April datiert, haben sie für neue Ideen und zum Testen von Rezepten genutzt. Seit das Café eröffnet ist, läuft der Betrieb unter Einhaltung der Corona-Verordnungen. „Wir kennen es ja nicht anders“, sagt Feiner.

Für die kommenden Wochen und Monate gilt es „gut durchzuhalten“

Dazu zählen Maskenpflicht für Sandra Feiner und ihr Team sowie für die Gäste, wenn sie ihren Sitzplatz verlassen, Einhaltung der Abstandsregeln, Ausfüllen der Kontaktformulare. „Hier muss ich mich auf meine Gäste verlassen können“, sagt Feiner. Für die kommenden Wochen und Monate gelte es „gut durchzuhalten“ und zu hoffen, dass weitere Beschränkungen nicht noch mehr zulasten der Gastronomiebetriebe gehen.

Sandra Feiner hat eine sehr gemütliche Atmosphäre geschaffen.
Sandra Feiner hat eine sehr gemütliche Atmosphäre geschaffen. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Im „Ambasadorka“ werden aus großen Plänen kleine

Das hofft auch Magdalena Linnig. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael Linnig führt sie das „Ambasadorka“ in der Ulrichstraße. Die Eröffnung war für Ostersamstag, den 11. April geplant gewesen. Doch Corona machte dem Ehepaar einen Strich durch die Rechnung, eröffnet haben sie das Café und die Weinbar dann am 21. Mai. „Wir wussten damals ja nicht, wie lange die Verzögerung dauern wird“, so Linnig. Sie hatte große Pläne, wollte neben dem Café- und Bartrieb Veranstaltungen, Weinproben und Kochabende anbieten und die Räumlichkeiten für Geburtstags- und Familienfeiern zur Verfügung stellen.

Dieses Bild entstand im April: Magdalena und Michael Linnig im „Ambasadorka“ vor einem Regal, in dem Weine präsentiert werden, sobald der Gastrobetrieb eröffnet werden kann.
Dieses Bild entstand im April: Magdalena und Michael Linnig im „Ambasadorka“ vor einem Regal, in dem Weine präsentiert werden, sobald der Gastrobetrieb eröffnet werden kann. | Bild: Ganter, Toni

Allerdings lasse sich derzeit schlecht planen, die Verordnungen änderten sich zu kurzfristig, so Magdalena Linnig. „Wir reagieren so, wie der Kunde kommt“, lautet die Devise. Das Repertoire an Möglichkeiten haben sie zurückgefahren, es gilt von Woche zu Woche zu entscheiden, was angeboten werden kann und was nicht. Ein Konzert, eine Lesung und einen Kochabend haben sie jeweils relativ kurzfristig veranstaltet – das jeweilige Ergebnis: ausgebucht.

Magdalena Linnig: Vertrauen zwischen Gästen und Betreibern wichtig

Der Neu-Gastronomin ist es vor allem wichtig, dass sich die Gäste bei ihr in einem gepflegten Ambiente sicher fühlen und ein angenehmes Zusammensein genießen können. Es müsse laut Linnig ein gegenseitiges Vertrauen zwischen Gästen und Betreibern bestehen. Sie sagt: „Wir müssen in die Normalität übergehen, der Virus verschwindet nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Dass das Ehepaar mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg sei, spüren sie an den positiven Rückmeldungen der Gäste und dass sich in kurzer Zeit bereits eine Stammkundschaft herauskristallisiert habe. „Das gibt uns die Kraft weiterzumachen“, sagt Linnig. „Einfach kann jeder.“ Wie es ohne Corona hätte sein können, daran mag Magdalena Linnig nicht denken. „Wir müssen das Beste aus der Situation machen“, sagt sie. Einen Plan B gebe es nicht, es gehe darum, das Ganze zu überstehen.

Café Ludwig: Hasan Sakiz mit Resonanz zufrieden

Das Ganze überstehen und sein Geschäft am Laufen halten, möchte auch Hasan Sakiz, der das Café Ludwig im Proma übernommen hat. Der 30-Jährige hatte sich mit April ebenfalls ein ungünstiges Eröffnungsdatum ausgesucht, auch ihn hatte der Lockdown getroffen. „Wir hatten alles soweit am Start und haben dann gewartet, bis wir loslegen konnten“, so Sakiz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit dem Verlauf der vergangenen Monate ist er zufrieden, auch wenn alle geplanten Partys auf Eis gelegt worden sind und der Eventraum, der auch privat gemietet werden kann, kaum benutzt wird. Bei den privaten Veranstaltungen, die stattgefunden haben, hat er darauf geachtet, dass alles reibungslos gelaufen ist und alle Beteiligten ihre Kontaktdaten hinterlassen haben.

Nadine Luksch und Hasan Sakiz vor dem Eventraum im Proma.
Nadine Luksch und Hasan Sakiz vor dem Eventraum im Proma. | Bild: Christiane Keutner

Änderung der Sperrstunde oder Alkoholverbot wäre problematisch

Er hofft vor allem, dass es im Bodenseekreis nicht zu einer Änderung der Sperrstunde oder einem Alkoholverbot kommt. Anders als im „Marktgeflüster„ und im „Ambasadorka“ hat das Café Ludwig am Wochenende bis 3 Uhr morgens geöffnet und Hasan Sakiz generiert in diesen Abend- und Nachtstunden wichtigen Umsatz.

Hasan Sakiz betreibt seit Mai im Proma das Café Ludwig. Er freut sich über die gute Resonanz seiner Gäste.
Hasan Sakiz betreibt seit Mai im Proma das Café Ludwig. Er freut sich über die gute Resonanz seiner Gäste. | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Wenn so etwas kommen würde, würden wir Probleme bekommen“, sagt Sakiz, bei dem vier Mitarbeiter angestellt sind. Gerade überlege er, wie er im Winter die Terrasse weiter betreiben kann, ob und welche Investitionen sich lohnen. „Da sind wir gerade am Planen, mehr möchte ich aber noch nicht verraten“, so der 30-Jährige. Denn das Planen sei in Zeiten von Corona so gut wie unmöglich geworden.