Es herrscht wie immer ein reges Einkaufstreiben bei Edeka Sulger in Markdorf an diesem Dienstagmittag. Auf den Parkplätzen stehen viele Autos, Kunden schlendern durch die Gänge des Supermarkts. Vor den Kassen lange Schlangen. Theoretisch darf man das alles seit Anfang April wieder ohne Abstandsregeln und Mund-Nasen-Bedeckung. In der Praxis bedecken Masken jedoch noch immer die Gesichter vieler Kunden.

Die Landesregierung hatte der neuen Coronaverordnung eine Empfehlung zum eigenverantwortlichen Weitertragen einer medizinischen Maske angehängt, da sie immer noch maßgeblich zum Schutz einer Infektion beiträgt.

Theoretisch darf man beim Einkauf nun wieder auf Abstandsregeln und eine Mund-Nasen-Bedeckung verzichten. Tatsächlich haben aber auch in ...
Theoretisch darf man beim Einkauf nun wieder auf Abstandsregeln und eine Mund-Nasen-Bedeckung verzichten. Tatsächlich haben aber auch in Markdorf noch viele Kunden die Maske auf, wenn sie einkaufen gehen. | Bild: Leonie Georg

Knapp zwei Jahre lang gehörte die Maske zum Einkaufsalltag wie das Portemonnaie oder der Haustürschlüssel. Doch ändert sich das nun? Verzichten immer mehr Menschen auf die Maske, verschwinden die Ängste allmählich oder bleiben die Menschen noch vorsichtig?

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Marktleiterin: Hälfte der Kundschaft trägt noch Maske

Die stellvertretende Marktleiterin Corinna Gindele schätzt die Anzahl der Kunden, die noch mit einer Maske den Laden betreten, auf noch immer fast die Hälfte. „Es ist sehr durchmischt“, sagt sie. Auch zwischen den Altersgruppen lassen sich da nicht unbedingt Unterschiede erkennen. Viele haben dem Ende der Maskenpflicht entgegengefiebert, doch es gebe auch Einige, die darin noch keine Notwendigkeit sehen.

Bei Jochen Schüle ist eher das Gegenteil der Fall: „Ich trage noch die Maske, weil ich die ganze Situation noch nicht einschätzen kann. Meine Frau arbeitet in der Schule, meine Tochter geht zur Schule und auf einmal ist alles weg mit der Maskenpflicht. Daher bin ich noch ein wenig vorsichtig.“ Damit ist Schüle zwar nicht alleine, aber nicht bei der Mehrheit. Etwa jeder Zweite, der den Supermarkt betritt, tut dies ohne Maske.

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Ohne Maske macht Einkaufen mehr Spaß

Für Judith Schneider hat das auch etwas mit ihrer Befindlichkeit zu tun: „Ich mache das eher aus Bequemlichkeit. Es war jetzt lang genug, dass wir eine Maske tragen mussten. Man fühlt sich jetzt freier und man kann auch einfach besser atmen beim Einkaufen.“

Edeka-Kundin Judith Schneider entscheidet sich gegen die Maske, aus Bequemlichkeit und aus Freiheitsaspekten, wie sie sagt.
Edeka-Kundin Judith Schneider entscheidet sich gegen die Maske, aus Bequemlichkeit und aus Freiheitsaspekten, wie sie sagt. | Bild: Leonie Georg

Dem stimmt auch Philip Weiß zu, der mit seiner Frau Constance den Supermarkt ebenfalls ohne Maske betritt: „Es ist auf jeden Fall wieder angenehmer, wenn man mal wieder ohne Maske einkaufen geht. Ich fand, gerade wenn man einfach so mal shoppen gehen wollte in einem Einkaufszentrum, dann hat es mit Maske einfach keinen Spaß gemacht und deswegen haben wir das auch nicht mehr gemacht.“ Constance Weiß ergänzt: „Es ist auch schön, den Leuten wieder ins Gesicht schauen zu können.“

Constance und Philip Weiß finden es schön, Menschen wieder in ihre unbedeckten Gesichter schauen zu können.
Constance und Philip Weiß finden es schön, Menschen wieder in ihre unbedeckten Gesichter schauen zu können. | Bild: Leonie Georg

Freude einerseits, Bedenken auf der anderen Seite

Andere empfinden die Maske nicht als Einschränkung und sind weiterhin auf ihre Sicherheit bedacht. So auch Karl Wiest. Als Senior halte er es durchaus für sinnvoll, in geschlossenen Räumen weiterhin eine Maske zu tragen: „Ich behalte sie auf, einfach aus Sicherheitsgründen“, sagt er. Draußen im Freien sei es nicht so tragisch, aber beim Einkaufen, beim Kaffee trinken und bei größeren Menschenansammlungen trage er so gut es gehe weiterhin Maske. Die FFP2-Maske will er aber demnächst durch eine medizinische Maske ersetzen.

Kunde Karl Wiest trägt die Maske noch aus Sicherheitsgründen.
Kunde Karl Wiest trägt die Maske noch aus Sicherheitsgründen. | Bild: Leonie Georg

Szenenwechsel: Vor dem Eingang des Discounters Lidl in Markdorf steht noch immer eine Hygienestation, an der man sich an Desinfektionsmitteln und Tüchern bedienen kann. Viele der Kunden nutzen die Station, um ihre Einkaufswagen zu desinfizieren. Nicht alle von ihnen tragen wiederum eine Maske.

Die Hygienestation ist vor dem Lidl in Markdorf noch weiterhin aufgebaut, auch wenn alle Corona-Vorschriften weggefallen sind.
Die Hygienestation ist vor dem Lidl in Markdorf noch weiterhin aufgebaut, auch wenn alle Corona-Vorschriften weggefallen sind. | Bild: Leonie Georg

Rico Schreiber ist Postbote und muss bei seiner Arbeit weiterhin eine Maske tragen. Beim Einkaufen entscheidet er sich dann allerdings dagegen. „Wo es eine Pflicht gab, habe ich natürlich meine Maske getragen und ich bin auch immer noch für die Maßnahmen. Aber wenn es jetzt keine Pflicht mehr gibt, dann denke ich auch nicht mehr dran.“ Die Maske an sich habe ihn allerdings nie gestört, doch dort wo es jetzt möglich sei, verzichte er gerne auf sie.

Rico Schreiber muss als Postbote weiterhin Maske tragen. Beim Einkaufen entscheidet er sich sich gegen sie.
Rico Schreiber muss als Postbote weiterhin Maske tragen. Beim Einkaufen entscheidet er sich sich gegen sie. | Bild: Leonie Georg

Auch hier im Lidl trägt etwa die Hälfte der Kundschaft weiterhin eine Maske. Tatjana Hößler entscheidet sich bewusst dafür: „Ich trage eigentlich nur beim Einkaufen eine Maske, weil die Leute mir hier zu nahe kommen. Ich hatte selbst schon Corona und bin drei mal geimpft, aber ich möchte es nicht noch einmal bekommen.“

Tatjana Hößler hatte nach eigener Aussage schon Corona und möchte sich vor einer erneuten Infektion unter anderem auch mit der Maske ...
Tatjana Hößler hatte nach eigener Aussage schon Corona und möchte sich vor einer erneuten Infektion unter anderem auch mit der Maske schützen. | Bild: Leonie Georg

Hohe Zahlen, keine Maske? Verwunderung über die Politik

Daniela Müller sieht das ähnlich: „Bei der Arbeit muss es eigentlich sein und in Geschäften, wo so viele Leute sind, da mache ich es einfach, weil die Zahlen sind ja noch höher als zu Beginn der Pandemie und da war alles ja ganz penibel.“ Der Mund-Nasen-Schutz störe sie nicht wirklich: „Man hat sich ja eh schon daran gewöhnt. Also, ich finde es jetzt nicht schlimm, wenn ich in ein Geschäft gehe und für eine viertel oder halbe Stunde eine Maske aufhabe.“

Lidl-Kundin Daniela Müller trägt weiterhin beim Einkaufen eine Maske, da ihr die Menschen dort für ihr Empfinden zu nahe kommen.
Lidl-Kundin Daniela Müller trägt weiterhin beim Einkaufen eine Maske, da ihr die Menschen dort für ihr Empfinden zu nahe kommen. | Bild: Leonie Georg

Dem Streichen der Maßnahmen kann sie nicht viel abgewinnen: „Wenn es irgendeinen Sinn haben sollte mit den Masken, dann ist es ja fast schon unsinnig, wenn man jetzt bei den höheren Zahlen sagt, man brauche keine mehr. Dann warte ich lieber noch eine Weile bis die Zahlen weiter unten sind.“