Gemeinsam mit der Markdorfer FDP und den Freien Wählern hat die Interessengemeinschaft Pro Südumfahrung am Himmelfahrtstag einen Traktoren-Korso auf der innerstädtischen B 33 durchgeführt. Ziel der von 16 bis 18  Uhr angesetzten Aktion sei es gewesen, „das alltägliche Verkehrschaos zu simulieren“, dem sich die Anwohner der Ravensburger Straße ausgesetzt sehen, hatten die Initiatoren im Vorfeld wissen lassen.

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Als „vollen Erfolg“, wertet Rainer Zanker, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, die von zahlreichen Zuschauern begleitete Aktion. „Uns haben sogar Autofahrer applaudiert“, erklärt Zanker. Auf der innerstädtischen B 33 gilt eine Tempo-30-Beschränkung. Doch die erreicht der in Hanomag-Blau lackierte Schlepper mit dem Transparent auf dem Hänger längst nicht. Anfang der 50er Jahre gebaut, bringt es sein 16-Pferdestärken-Motor auf lediglich 19 Kilometer pro Stunde. Wobei es am Donnerstagnachmittag ruhig auch etwas langsamer sein darf.

Elf Trecker ziehen mit ihren Transparenten an den Zaungästen entlang der Straße vorbei

Den elf Fahrern, die mit den Oldtimer-Treckern am Korso teilnehmen, geht es darum, dass die Menschen am Straßenrand Zeit finden, die Transparente auf den Hängern der Landwirtschaftsgefährte zu lesen. Vor allem aber geht es um Entschleunigung.

Mit Maske und Abstand wird für die Südumfahrung demonstriert.
Mit Maske und Abstand wird für die Südumfahrung demonstriert. | Bild: Jörg Büsche

Der nachmittägliche Feiertagsverkehr sollte sich ins übliche Chaos verwandeln. Ins dicht-an-dicht der Stoßstangen, unter dem die Anwohner der Ravensburger Straße Tag für Tag leiden. Und dem noch in diesem Jahr ein Ende bereitet werden könnte, wenn sich der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am Dienstag gegen den Antrag der SPD sowie der Grünen wendet. Der grün-rote Wunsch: Dass die geplante Ortsumfahrung nur dann gebaut werden darf, wenn die Stadt Markdorf zuvor zustimmt. In seiner Resolution vom März hatte sich der Markdorfer Gemeinderat mehrheitlich für diese Anhörung ausgesprochen.

Unverständnis für Resolution

„Dass sich unser Bürgermeister zu dieser Resolution hat breitschlagen lassen“, bringt Martin Widmann auf. Wie so viele, die beim Trecker-Korso zuschauen, wohnt und arbeitet der 57-jährige Heizungsbauer-Meister direkt an der Ravensburger Straße. „Wir haben die Nase voll von Gestank und Feinstaub“, erklärt Widmann. Der Bau der Südumfahrung sei längst beschlossene Sache, verweist er auf die bestehenden Verträge. Deren Rechtsgültigkeit übrigens auch Bürgermeister Georg Riedmann nicht bezweifelt. „Da hat diese Resolution doch nur eine weitere Verzögerung gebracht“, ärgert sich Widmann. Dabei sei es aus seiner Sicht höchste Zeit, die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten.

Klare Ansage an Autofahrer bei der Trecker-Aktion in Markdorf.
Klare Ansage an Autofahrer bei der Trecker-Aktion in Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

Die Kreistagsfraktionen von Bündnis90/Die Grünen und SPD argumentieren, dass sich der Markdorfer Gemeinderat zuletzt im Mai 2008 mit den Kosten fürs Umfahrungsprojekt befasst hat. Die beliefen sich damals für die Stadt auf 2,7 Millionen Euro. Inzwischen rangieren sie bei 8,5 bis zehn Millionen. Es bedarf also einer Beteiligung des Gemeinderats. Die sei aber nicht erfolgt, als der damalige Bürgermeister Bernd Gerber und Landrat Lothar Wölfle den Vertrag für die Südumfahrung schlossen.

Maria Babina und Albert Weber machen sich für die Südumfahrung stark.
Maria Babina und Albert Weber machen sich für die Südumfahrung stark. | Bild: Jörg Büsche

Stadtrat Dietmar Bitzenhofer verweist beim Pressetermin auf die Gründe, warum die Südumfahrung nun teurer wird, als vor 13 Jahren geschätzt. Neben der allgemeinen Kostensteigerung im Bausektor führt er die baulichen Ergänzungen an, die das Projekt nicht zuletzt umweltverträglicher werden lassen.

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Die Mehrkosten seien aus Bitzenhofers Sicht jedoch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Der Fraktionschef der Freien Wähler wendet sich gegen das Argument der Südumfahrungsgegner, mit der neuen B 31 komme es zu einer Verkehrsentlastung. Das treffe nur für den Personenverkehr zu. „Ohne eine Ortsumfahrung werden die Lastwagen von heute 2000 täglich auf 2400 ansteigen“, so die Prognosen laut Bitzenhofer.

Gegen Lärm, gegen Stress und gegen Feinstaub wenden sich nach eigenen Aussagen die Treckerfahrer auf der Ravensburger Straße.
Gegen Lärm, gegen Stress und gegen Feinstaub wenden sich nach eigenen Aussagen die Treckerfahrer auf der Ravensburger Straße. | Bild: Jörg Büsche

Kommunalpolitiker unterstützen die Straßenbefürworter

Unterstützt wird diese Argumentation von Martin Rupp, Bürgermeister in Bermatingen und für die Freien Wähler im Kreistag. „Die neue B 31 bündelt und entlastet, macht die Ortsumfahrung aber nicht überflüssig.“ Schützenhilfe bekommt die Interessengemeinschaft Pro Südumfahrung auch von der FDP. Für den FDP-Ortsverband fordert dessen Vorsitzender, Rolf Haas, eine Entlastung der Innenstadt. Der FDP-Landtagsabgeordnete Klaus Hoher bietet an, bei der Straßeneröffnung das Band zu durchschneiden, „wenn ich dann noch im Amt bin“.

Die Anwohner entlang der B-33-Ortsdurchfahrt machen sich auch Sorgen um ihren Nachwuchs. Der Transitverkehr soll raus aus der Stadt, fordern sie.
Die Anwohner entlang der B-33-Ortsdurchfahrt machen sich auch Sorgen um ihren Nachwuchs. Der Transitverkehr soll raus aus der Stadt, fordern sie. | Bild: Jörg Büsche