In Markdorf muss es eine Person geben, die Bürgermeister Georg Riedmann nicht unbedingt wohlgesonnen ist und die ihm offenbar wesentliche Befähigungen für sein Amt abspricht. Anders lässt sich die skurrile Anzeige, die jüngst im Staatsanzeiger Baden-Württemberg veröffentlicht wurde, kaum erklären. In der Anzeige, über die man auch in den Markdorfer Parteien und Fraktionen spricht, wird ein „MacherIn mit Sachverstand, kreativ und zuverlässig“ als Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 27. Juni in Markdorf gesucht.

In der Anzeige im Staatsanzeiger wird ein „MacherIn mit Sachverstand, kreativ und zuverlässig“ als Bürgermeister für Markdorf gesucht.
In der Anzeige im Staatsanzeiger wird ein „MacherIn mit Sachverstand, kreativ und zuverlässig“ als Bürgermeister für Markdorf gesucht. | Bild: SK

Die Kleinstadt im Bodenseekreis, heißt es in der Anzeige, die anonym abgefasst ist und eine Chiffre-Nummer als Kontakt angibt, warte „auf den richtigen Kandidaten oder die richtige Kandidatin“. Liest man sich den Anzeigentext durch und nimmt man die Attribute, die dort ein Bewerber für seine Kandidatur mitbringen sollte, als Eigenschaften, die der Inserent dem jetzigen Bürgermeister abspricht, dann ist das durchaus harter Tobak. Was steht in der Anzeige?

Sammlung an Attributen, die der Inserent Riedmann offenbar abspricht

„Wie ein Rathaus funktioniert, ist Ihnen vertraut? MitarbeiterInnen können Sie zu einem gut gelaun­ten und motivierten Team zusammenschweißen? Auf Ihr Wort kann man bauen, und Sie sind ein Vorbild an Verlässlichkeit und Offenheit? Für neue Ideen sind Sie aufgeschlossen, Eigeninitiative gehört zu Ihrem Naturell? Arbeit bedeutet für Sie auch Freude und Erfüllung, und wo man gemeinsam feiert, fühlen Sie sich wohl? Dann passen Sie zu uns! Dann haben Sie beste Chancen, unseren bisherigen Bürgermeister abzu­lösen.“

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Mit Markdorf warte ein „lebendiges Städtchen mit hoher Lebensqualität, sehr guter Infrastruktur, geordneten Finanzen und einer aufgeschlossenen, engagierten Bürgerschaft“. Die Aufgabe des Kandidaten sei es, das auf dieser „hervorragenden Basis“ Geschaffene zu erhalten und die Zukunft zu gestalten.

Im Städtchen wird jetzt munter spekuliert

Im Städtchen wird nun munter spekuliert. Personen des öffentlichen Lebens, die man anspricht, reagieren entweder überrascht oder verschwörerisch wissend, je nach Couleur. Nur gewesen sein will es niemand. Noch hat sich der unbekannte Anzeigeninserent nicht geoutet.

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Sollte er dies tun, so könnte man ihn darauf hinweisen, dass sich in seine Anzeige zumindest ein faktischer Fehler eingeschlichen hat: Die Bürgermeisterwahl in Markdorf findet am 27. Juni statt – nicht wie im letzten Satz der Anzeige angegeben: „Wahltermin im Juli dieses Jahres“.

Chiffre 126: Der Inserent der Anzeige bleibt anonym

Sollte sich jemand bemüßigt fühlen, sich zu bewerben: Unter Chiffre 126 an den Staatsanzeiger könnte er dies tun und so auch herausfinden, wer der ominöse Anzeigeninserent ist – vorausgesetzt, dieser antwortet auch.