Am Samstag, 17. April, startete die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Markdorf am 27. Juni. Eine Bewerbung liegt im Rathaus bereits auf dem Tisch von Hauptamtsleiter Klaus Schiele. Es ist die des Amtsinhabers: Georg Riedmann hat seine Bewerbung an jenem Samstag, dem ersten Tag der Frist, eingereicht – um 10 Uhr vormittags, wie er berichtet. „Manche lassen sich ja um 0.01 Uhr nachts ja noch fotografieren, mit der Bewerbung in der Hand“, sagt Riedmann, „darauf habe ich aber bewusst verzichtet“.

Hauptamtsleiter Schiele korrekt: Ohne Einwilligung kein Name des Bewerbers

Nichtsdestotrotz sei es für ihn aber eine Selbstverständlichkeit gewesen, seine Bewerbung sofort mit Fristbeginn einzureichen. „Es wäre ja unsinnig, da noch ein paar Wochen ins Land streichen zu lassen, zumal ich ja bereits vor dem Jahreswechsel meine erneute Kandidatur schon öffentlich gemacht hatte“, sagt er.

Am 30. Juni 2013 wurde Georg Riedmann im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister von Markdorf gewählt. Er hatte sich in der Neuwahl gegen den aus Markdorf stammenden Europa-Referatsleiter der SPD-Bundestagsfraktion, Robert Ernecker, durchgesetzt. Einer der ersten Gratulanten, der Riedmann und dessen Ehefrau Christiane am Wahlabend beglückwünschte, war Amtsvorgänger Bernd Gerber (links).
Am 30. Juni 2013 wurde Georg Riedmann im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister von Markdorf gewählt. Er hatte sich in der Neuwahl gegen den aus Markdorf stammenden Europa-Referatsleiter der SPD-Bundestagsfraktion, Robert Ernecker, durchgesetzt. Einer der ersten Gratulanten, der Riedmann und dessen Ehefrau Christiane am Wahlabend beglückwünschte, war Amtsvorgänger Bernd Gerber (links). | Bild: Andreas Lang

Dass Riedmann auf Anfrage des SÜDKURIER seine Bewerbung selbst öffentlich macht, liegt nicht zuletzt an der korrekten Verschwiegenheit seines Amtsleiters: Eine Bewerbung gebe es bereits, hatte Schiele im vorigen Telefonanruf zu Protokoll gegeben. Ohne ausdrückliche Freigabe des Bewerbers dürfe er aber Name und Kontaktdaten nicht preis geben, gab sich der Hauptamtsleiter behördlich korrekt.

Riedmann hatte im SÜDKURIER am 29. Dezember seine erneute Kandidatur öffentlich gemacht

Dass Riedmann wieder kandidieren würde, war seit dem 29. Dezember um 12.59 Uhr klar: Zu diesem Zeitpunkt ging die Berichterstattung des SÜDKURIER online, in der der 54-Jährige in einem Interview zum Jahreswechsel seine Ambition auf eine Wiederwahl erstmals öffentlich machte. Seit September 2013, als er sich im zweiten Wahlgang gegen Robert Ernecker durchgesetzt hatte, ist Riedmann Bürgermeister von Markdorf.

Knapp unterlegen: Am Ende fehlten Robert Ernecker 781 Stimmen auf Georg Riedmann. Im Sitzungssaal des Rathauses verfolgte der SPD-Referatsleiter mit seiner Familie die Auszählung des Wahlergebnisses.
Knapp unterlegen: Am Ende fehlten Robert Ernecker 781 Stimmen auf Georg Riedmann. Im Sitzungssaal des Rathauses verfolgte der SPD-Referatsleiter mit seiner Familie die Auszählung des Wahlergebnisses. | Bild: Stefanie Noßwitz

Amtsmüde nach noch nicht einmal acht Jahren sei er keineswegs, im Gegenteil, betonte er in dem Interview. „Ich würde mich freuen, weitere acht Jahre diese Arbeit machen zu dürfen, weil sie mir viel Freude bereitet“, hatte er damals geantwortet. Und auf die Frage nach seiner Motivation sagte er: „Wir haben die wesentlichen Projekte, um die wir einige Zeit gemeinsam gerungen haben, aus den Startlöchern gebracht.“

Riedmann über seine Motivation: „Die begonnenen Projekte zu Ende bringen“

Riedmann bezog sich dabei auf die Turnhalle an der Gretser-Schule, die Grundschulentwicklung, aber auch auf die Rathaussanierung. Diese und weitere Großprojekte wolle er gerne weiter begleiten und als Bürgermeister auch zu Ende bringen, hatte Riedmann in dem Interview betont.

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Betont hatte er seinerzeit auch, dass er keine Angst vor einem oder mehreren Gegenkandidaten habe. „Ich scheue den Wettbewerb nicht“, hatte er damals gesagt. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert: „Das ist ein offener Wettbewerb, es kann sich jeder bewerben, und diesen Wettbewerb nehme ich gerne an“, sagt Riedmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Bürgermeisterwahlkampf und Corona: Große Veranstaltungen wird es nicht geben können

Eines steht allerdings fest: Angesichts der aktuellen Corona-Lage wird es keine größeren Wahlveranstaltungen geben können. Und auch über der geplanten Kandidatenvorstellung der Stadt in der Stadthalle am 15. Juni steht noch ein mehr als dickes Fragezeichen. Das weiß auch Riedmann. „Den klassischen Wahlkampfabend in den Nebenzimmern der Gaststätten wird es in diesem Jahr nicht geben können“, sagt er. Auch diesbezüglich werde man „auf Sicht fahren“ müssen.

Ein Bild, das es bei der Bürgermeisterwahl im Juni so nicht geben wird: Hunderte Bürger waren am 30. Juni 2013 auf den Markdorfer Rathausplatz geströmt, um mitzuerleben, wer zu ihrem neuen Rathauschef gekürt wird.
Ein Bild, das es bei der Bürgermeisterwahl im Juni so nicht geben wird: Hunderte Bürger waren am 30. Juni 2013 auf den Markdorfer Rathausplatz geströmt, um mitzuerleben, wer zu ihrem neuen Rathauschef gekürt wird. | Bild: Stefanie Noßwitz

Vielleicht werde er kleine, auf wenige Personen beschränkte Spaziergänge durch die Quartiere der Stadt anbieten können. Ansonsten setze er auf direkte Gespräche mit den Bürgern, auf die Medien und etwaige digitale Formate. „So viel wie möglich draußen anbieten, weil drinnen nichts gehen wird“, sei die Losung im Bürgermeisterwahlkampf zu Corona-Zeiten.