Er ist seit einem halben Jahr im Amt und ist seither immens gefordert: Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf und in dieser Eigenschaft Chef des Pflegeheims St. Franziskus, legte am Dienstagabend dem Gemeinderat seinen ersten Sachstandsbericht vor. Im Zentrum: Natürlich Corona und dessen Auswirkungen. Eine große und belastende Rolle spielt aber auch nach wie vor der finanzielle und buchhalterische Scherbenhaufen, der den Spitalfonds in den Jahren 2016 und 2017 tief in die roten Zahlen riss und den Scharbach, wie schon seine Interims-Vorgänger, mit externer Unterstützung noch immer aufarbeiten muss.

Unmut über den Abschluss 2017

Die Stadträte hatten in der Sitzung auch über den Rechnungsabschluss 2017 zu befinden, der aus diesen Gründen erst jetzt vorgelegt werden konnte und der ein Minus von 300.000 Euro ausweist. Die späte Vorlage sorgte für erheblichen Unmut im Gremium.

Lisa Gretscher (UWG): „Bitte jetzt Gas geben bei den anderen Abschlüssen. Der Abschluss 2017 kommt viel, viel zu spät. Wir müssen auch die Zukunft abschätzen können.“
Lisa Gretscher (UWG): „Bitte jetzt Gas geben bei den anderen Abschlüssen. Der Abschluss 2017 kommt viel, viel zu spät. Wir müssen auch die Zukunft abschätzen können.“ | Bild: SK

Das Problem: Solange auch die weiteren Jahresabschlüsse noch nicht vorliegen, lässt sich nur schwierig in die Zukunft planen. Nun soll der Abschluss 2018 bis Mai, der für 2019 bis zum Sommer vorgelegt werden, sagte Scharbach. Der Wirtschaftsplan 2021 soll bis Mai erstellt werden.

Stadtkämmerer Michael Lissner und Bürgermeister Georg Riedmann wiesen angesichts der harschen Kritik der UWG-Rätinnen Christiane Oßwald und Lisa Gretscher mehrfach darauf hin, dass die Versäumnisse in der Amtszeit von Scharbachs Vorgängerin geschehen waren, Scharbach selbst dafür also nicht verantwortlich gemacht werden könne.

Corona-Krise trifft das Pflegeheim hart

Zunächst einmal hatte die Corona-Krise auch beim Betrieb des Pflegeheims für Mehrkosten gesorgt. Es mussten Hygieneartikel angeschafft werden, es wurden weniger Essen verkauft, das Heim selbst war geringer belegt. Knapp 150.000 Euro hat der Spitalfonds 2020 dafür als Kompensation aus der Rettungsschirm-Hilfe des Bundes bekommen.

Mitarbeiter des DRK-Ortsverbandes Markdorf hatten das Pflegeheim-Team in den Wochen des Corona-Ausbruchs unterstützt.
Mitarbeiter des DRK-Ortsverbandes Markdorf hatten das Pflegeheim-Team in den Wochen des Corona-Ausbruchs unterstützt. | Bild: Grupp, Helmar

Doch Corona hatte bekanntlich auch ganz konkret das Heim betroffen. 31 Bewohner hatten sich im Frühjahr infiziert, außerdem zehn Pflegekräfte und neun Bewohner des betreuten Wohnens. Am oder mit dem Virus waren sieben Bewohner verstorben.

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Inzwischen ist der Corona-Ausbruch überstanden, allerdings mit Folgen: Die unmittelbar vor dem Ausbruch geplanten Impfungen mussten verschoben werden und werden nun bis März nachgeholt. Geimpft werden können dann laut Scharbach aber nur jene Personen, die nicht infiziert waren. Für die Mehrheit der Bewohner und Mitarbeiter käme eine Impfung Stand jetzt frühestens in sechs Monaten wieder in Sichtweite.

Besuche im Pflegeheim nur mit Schnelltest

Auch über die Auswirkungen auf Besucher informierte Scharbach. Die müssen inzwischen verpflichtend auf das Virus getestet werden. Der Zutritt ins Pflegeheim ist nur noch mit einem negativen Schnelltest möglich. Die Bewohner selbst dürfen pro Tag zwei Besucher empfangen. Von einem Freiburger Institut, so Scharbach, habe man untersuchen lassen, ob vor dem Ausbruch eventuell Fehler bei den Hygienemaßnahmen gemacht worden seien. Nach einem Vor-Ort-Termin und einer Sichtung der Unterlagen hatte das Institut dem Pflegeheim bescheinigt, vor und während des Ausbruchs „strukturiert gehandelt und alle notwendigen Maßnahmen ergriffen“ zu haben. Die Analyse des Instituts legte Scharbach dem Gemeinderat vor.

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Abseits von Corona und Finanzen spielte die künftige Entwicklung im Spitalfonds und vor allem des Pflegeheims dennoch auch eine Rolle. Scharbach zeigte sich erfreut, dass seit 2019 keine teuren Fremdkräfte mehr beschäftigt werden müssen.

Riedmann dankt dem Pflegeheim-Team

„Mit den eigenen Mitarbeitern haben wir nun mehr Ruhe im Haus“, sagte er. Zudem habe sich vor allem während des Corona-Ausbruchs gezeigt, dass sich die eigenen Festangestellten außerordentlich für das Haus engagieren würden, in höherem Maße, als dies bei Fremdkräften der Fall sei. Riedmann wiederum dankte in der Sitzung ausdrücklich dem Personal für dessen hohen Einsatz in den vergangenen schwierigen Monaten.

Die Herausforderungen der Zukunft

Strukturell, so Scharbach, werde nun die Umsetzung der Landesheimbauverordnung, nach der alle Doppel- in Einzelzimmer umgewandelt werden müssen, eine „wesentliche Herausforderung“ sein. Damit würden sechs Plätze entfallen, so dass das Heim dann nur noch eine Kapazität von 34 Plätzen haben werde.

Spitalfonds-Geschäftsführer Ralf Scharbach: „Bei 80 Bewohnern könnte solch ein Heim auch wirtschaftlich betrieben werden. Die Frage bei einer Erweiterung lautet Neubau oder Anbau.“
Spitalfonds-Geschäftsführer Ralf Scharbach: „Bei 80 Bewohnern könnte solch ein Heim auch wirtschaftlich betrieben werden. Die Frage bei einer Erweiterung lautet Neubau oder Anbau.“ | Bild: Nosswitz, Stefanie

Auf Nachfrage mehrerer Stadträte thematisierte der Spitalfonds-Chef auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Mit 70 bis 80 Bewohnern könne das Heim in etwa kostendeckend betrieben werden. Dafür sei aber entweder eine Erweiterung im Bestand oder aber ein Neubau notwendig.

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Die Spitalverwaltung, so Scharbach, arbeite aktuell verschiedene Varianten dazu aus. Auch die sollen noch im Laufe des Jahres dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Digitalisierung für das Pflegeheim

Eine weitere Zukunftsaufgabe sei die Digitalisierung der Pflegeeinrichtung: W-Lan im Haus und Tablets für die Mitarbeiter nannte Scharbach als erste Ziele. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll daher ein Digitalisierungsplan erarbeitet werden, auch um einen dafür vorgesehenen Zuschuss zu erhalten.