Der Herbst hält dieser Tage spürbar Einzug. Mancher Gartenbesitzer stößt in diesen Tagen unter Laubhaufen oder in der Hecke auf einen Igel. "Gestern erhielt ich einen Anruf aus Mimmenhausen, ein winziger Igel sei im Garten gefunden worden", sagt Helga Weißkopf und wickelt über dem Wohnzimmertisch ein kleines Bündel aus einem angewärmten Tuch. "Raubtierfütterung", sagt sie lachend und hält das kuschelige Kerlchen in ihrer Handfläche. "Der Kleine war gestern Abend in einem ganz schlechten Zustand, ich wusste nicht, ob er die Nacht überlebt." So wurde für Helga Weißkopf die Nacht zum Tag. Alle zwei Stunden hat sie das Igelbaby mit der Pipette gefüttert.

Dies ist die Zeit, in der vermehrt kleine, nicht überlebensfähige Igel zu ihr nach Ahausen in die Igelstation des Tierschutzverein Markdorf kämen. "Das Tier wiegt gerade mal hundert Gramm", sagt die Igelmama, die genau weiß, wie die Jungtiere aufzupäppeln sind. "Mein kleinster Schützling Mogli war nur 52 Gramm schwer und gerade so groß wie ein Männerdaumen", sagt sie und deutet auf das Gehege im Garten, das für den Igel die nächsten Monate eine Heimat auf Zeit ist.

In diesen Tagen kommt erneut Leben in die Igelstation, die über den Sommer 23 Tiere beheimatet hat, von denen 17 gesund und wohlgenährt wieder ausgewildert werden konnten. "Wir rechnen damit, dass noch einige Igel bei uns Unterschlupf finden. Denn ein Igel, der jetzt nur hundert Gramm wiegt, hat keine Chance, den Winter zu überleben.

Vorsicht, bissiger Igel! Mogli, einst nur 52 Gramm schwer, war der kleinste Igel, den Helga Weißkopf je aufgepäppelt hat. Heute kann er ganz schön zupacken.
Vorsicht, bissiger Igel! Mogli, einst nur 52 Gramm schwer, war der kleinste Igel, den Helga Weißkopf je aufgepäppelt hat. Heute kann er ganz schön zupacken.

Mogli der Miniigel macht heute einen durchaus gefräßigen Eindruck. "Der kann ganz schön zubeißen", warnt Helga Weißkopf vor dem vermeintlichen Kuscheltier. "Jeder Igel hat seinen eigenen Charakter", antwortet sie schmunzelnd auf die Frage, wie sie die Tiere unterscheiden könne. Der kleine Neuzugang, der nach seiner ersten Nacht in trockenen Tüchern mittlerweile schon recht verwegen daherkommt? "Den werde ich Gipsy nennen, den kleinen Zigeuner."

Am 14. Oktober findet in der Stadthalle der TSVM-Bücherflohmarkt statt, wo auch über die Igelstation informiert wird.

SÜDKURIER-Aktion

Mit seiner Igelaufzuchtstation nimmt der Tierschutzverein Markdorf an der SÜDKURIER-Aktion "Vereinshelden" teil, bei dem das Medienhaus 5000 Euro Preisgeld für drei Vereine mit besonders unterstützenswerten oder tollen Projekten auslobt. Der obige Artikel ist ein Zwischenbericht, wie sich das Projekt der Tierschützer seit ihrer Bewerbung entwickelt hat. Teilnehmen an der SÜDKURIER-Aktion können Vereine aus Markdorf, Bermatingen und dem Deggenhausertal. Einfach eine kurze E-Mail mit ein paar Sätzen zum Projekt an markdorf.redaktion@suedkurier.de – die Redaktion meldet sich dann. Bewerbungsschluss ist der 30. September. Über die drei Preisträger lassen wir anschließend unsere Leser entscheiden. Neben dem Tierschutzverein haben sich auch der TC Markdorf, die Historische Narrenzunft Markdorf und die Bürgerhilfsgemeinschaft Jakab beworben. Weitere drei Bewerbungen liegen uns vor. Diese werden wir in den kommenden Ausgaben vorstellen. Morgen präsentieren wir Ihnen, mit welcher Idee sich das Mehrgenerationenhaus bei uns bewirbt.