Herr Schiffmann, man sieht Ihnen schon an, dass Sport für Sie ein Thema ist.

Oh ja, Sport ist ein Bestandteil meines Lebens, seit ich laufen kann.

Sie meinen, Sie haben schon von Kindesbeinen an trainiert?

Mein Vater hat Eishockey gespielt und so bekam ich schon früh Schlittschuhe angezogen und trainierte mit sechs Jahren in der Eishalle. Später wurde dieser Sport vom American Football abgelöst. Mit meiner Mannschaft den „Razorbacks“ war ich sieben Jahre ziemlich erfolgreich unterwegs und wir schafften es bis in die zweite Bundesliga.

Sie sprechen in der Vergangenheit?

2018 bin ich ausgestiegen, weil die Verletzungsquote nicht mehr im Verhältnis zur Bewegung stand und mir klar wurde, dass damit auch kein Geld zu verdienen ist.

Eishockey und American Football gelten als sehr harte Sportarten, bei denen es richtig zur Sache geht. Was ist momentan Ihre Alternative?

Für mich waren diese Sportarten immer eine Art erlaubtes Ventil und ließen mich im sonstigen Alltag sehr ruhig, entspannt und ausgeglichen agieren. Was meine Freundin übrigens manchmal in den Wahnsinn treibt. Im Moment habe ich das Brazilian Jiu-Jitsu für mich entdeckt, eine Art Kampfsport, und ich kann ihn in Kluftern ausüben.

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Sie sind im dritten Ausbildungsjahr zum Gesundheits- und Fitnesstrainer. Sie möchten mit Ihrer Leidenschaft zum Sport auch zukünftig Ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Das wäre ein großer Wunsch von mir, denn es macht mir Spaß, auch andere Menschen von Sport, Bewegung und gezieltem Training zu begeistern und ein Bewusstsein zum eigenen Körper zu bekommen.

Was treibt die Menschen in ein Fitnessstudio?

Ganz unterschiedlich und doch wiederholt es sich ständig: Es kommen Menschen mit gesundheitlichen Problemen und nach Verletzungen, die einen gezielten Trainingsplan sowie professionelles Begleiten zur Umsetzung benötigen. Es gibt die sogenannten „Pumper“, die durch Gewichte ihrem Körper etwas Konturen geben wollen. Dann kommen die Hochmotivierten zum Jahresanfang, die innerhalb kürzester Zeit eine Strandfigur haben wollen und dank Internet mit ganz konkreten Vorstellungen im Studio eintreffen. Diese haben allerdings nichts mit der Realität zu tun. Es kommen auch Menschen, die ihren Körper in Bewegung halten und ihre Fitness verbessern möchten.

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Klingt abwechslungsreich.

Ja, das ist es und ich habe den Anspruch, jeden in seiner Individualität als Person mit seinen Wünschen und Vorstellungen zu betreuen. Manchmal bedarf es einer professionellen Beratung und teilweise versuche ich Sportwillige wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Denn nur weil es im Internet möglich ist, in einem Monat bis zu 20 Kilo abzunehmen und dabei einen ausdefinierten Body zu bekommen, wird das in der Realität noch lange nicht gelingen. Ein Bewusstsein zu schaffen und Zusammenhänge im eigenen Körper dem Gegenüber verständlich zu machen, sehe ich als meine tägliche Herausforderung und Erfolg zugleich.

Wo sehen Sie den gesellschaftlichen Trend hingehen, was Körper und Bewegung angeht?

Es wird zum Glück immer eine gute Mitte geben, die sich ausreichend bewegt und sich ausgewogen ernährt. Allerdings auch einen zunehmend größeren Anteil von extremen Muskelprotzen, denen es auf Nachfragen hauptsächlich auf die Außendarstellung am Wochenende in den Clubs ankommt. Und es wird eine Zunahme an übergewichtigen Menschen geben, was meiner Meinung nach an der mangelnder Aufklärung liegt sowie an zunehmender Bequemlichkeit „dank“ technischer Hilfestellungen.

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Wie ist der letzte Punkt zu verstehen?

Mit mangelnder Aufklärung meine ich die fehlende Ernährungslehre samt Kochunterricht schon in der Schule oder zu Hause, bevor die jungen Erwachsenen ihren Lifestyle selber bestimmen müssen. Sowie bei Übergewicht die Erstellung und Beratung von Soll- und Ist-Wochenplänen, in denen Ess- und Bewegungseinheiten dokumentiert und bewusst gemacht werden. Mit zunehmender Bequemlichkeit ist zu verstehen, dass in der heutigen Zeit Rollläden, Heizungen, Fenster et cetera, alles vom Sofa aus mit dem Smartphone zu bedienen ist. Hinzu kommt die von mir scharf kritisierte Fertigessenindustrie, obwohl ich der jungen Fast-Food-Generation angehöre. Die Kritik ist sicherlich darin begründet, dass ich aus einer Gastrofamilie komme.

Was macht Ihnen am meisten Spaß in Ihrem Job?

Die Arbeit mit den unterschiedlichsten Menschen ist für mich sehr erfüllend. Trotz der Individualität haben in meinem Job alle einen gemeinsamen Schnittpunkt und das ist der Sport. Genau das, was mir Spaß macht.

Welche beruflichen Ziele haben Sie langfristig?

Ich würde gerne mit Leistungssportlern zusammenarbeiten und sie entsprechend ihrer Sportart gezielt im Kraftsport trainieren und betreuen. Ich möchte mit meiner Arbeit nicht reich werden, aber sie jeden Tag mit Freude verrichten und so viel Geld verdienen, dass ich eine finanzielle Gelassenheit in mir trage und mir irgendwann mal meinen Wunsch eines Israel-Urlaubs erfüllen kann. Eine Familie zu gründen ist jetzt mit 22 Jahren noch Zukunftsmusik, aber langfristig auf jeden Fall eines meiner Lebensziele.