Marion Hutzler geht leicht in die Knie und schaut durch das Loch in einer aufgestellten Scheibe hindurch auf ihr Ziel: ein kleines grünes Monster. Sie spannt den Bogen, geht erneut leicht in die Knie, zielt und schon surrt ein Pfeil auf die Figur im Gras zu. Beim zweiten Schuss gelingt ihr ein Treffer mitten ins Auge. Sie lacht, spannt den Bogen erneut und kommentiert: „Jetzt noch ins linke!“

Im neuen Parcours kann man auch auf Science-Fiction-Monster schießen.
Im neuen Parcours kann man auch auf Science-Fiction-Monster schießen. | Bild: Lena Reiner

Die Sonthoferin hat an diesem Sonntag nicht zum ersten Mal Pfeil und Bogen in der Hand, aber eine längere Pause hinter sich – durch die Pandemie seien das fast drei Jahre geworden. „Wir hatten eben eigentlich eine Radtour angefangen“, erklärt sie und deutet hinüber zu ihrem Mann. „Ich habe den Parcours hier gesehen und da musste ich einfach reingehen; sowas reizt mich immer“, erklärt sie. Seit rund acht Jahren sei das Bogenschießen ihr Hobby, dabei gehe sie am liebsten in die Natur. Umso begeisterter zeigt sie sich von dem Gelände mitten im Grünen: „Da sind einige tolle kreative Ideen dabei. Beispielsweise so aus dieser Höhe wie eben habe ich noch nie geschossen.“

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Anders sieht das ihr Mann Uli. Ihm liegt eben das Zielen mit festen Parametern mehr. „Ich schätze die Entfernung zum Ziel und dann rechne ich los. Sobald ich die Parameter kenne, dann treffe ich auch – und zwar mehrfach hintereinander“, schildert er seine Herangehensweise. Seine Frau hingegen, die müsse nur das Ziel anschauen und treffe es dann meist auch, ganz ohne die Entfernung und dergleichen zu kennen.

Ulli Hutzler benötigt im Gegensatz zu seiner Frau genaue Parameter, um die Zielscheibe zu treffen: „Sobald ich die kenne, treffe ...
Ulli Hutzler benötigt im Gegensatz zu seiner Frau genaue Parameter, um die Zielscheibe zu treffen: „Sobald ich die kenne, treffe ich auch mehrfach hintereinander.“ | Bild: Lena Reiner

Intuitiv nennt sich diese Art des Bogenschießens, die auch Arne Rehborn vermittelt. Er hat den Park, der kurz hinter dem Tennisplatz gegenüber des Abenteuerparks bei Immenstaad zu finden ist, am Sonntag eröffnet.

Arne Rehborn demonstriert die – hier übliche – Drei-Finger-Haltung am Bogen.
Arne Rehborn demonstriert die – hier übliche – Drei-Finger-Haltung am Bogen. | Bild: Lena Reiner

Von Drei-Finger- und Daumentechnik

Rehborn unterrichtet nicht nur die Drei-Finger-Technik, die die Hutzlers anwenden, sondern vermittelt auch die sogenannte Daumentechnik. Diese stammt aus der türkischen und arabischen Welt, wird dort besonders auch auf dem Pferd angewandt und generell in Bewegung. Der zugehörige Bogen ist deutlich kleiner, hat weniger feste Elemente, auch das „Verankern“ an der Wange fällt weg. Feste Größe ist dafür der Daumen, der den Pfeil stabilisiert.

Arne Rehborn demonstriert, wieso die Daumentechnik ihren Namen trägt.
Arne Rehborn demonstriert, wieso die Daumentechnik ihren Namen trägt. | Bild: Lena Reiner

Überhaupt lässt sich Rehborn aus aller Welt inspirieren: Mit den Texten zu den unterschiedlichen Zielscheiben könnten Besucher daher beinahe eine kleine Weltreise machen. Aktuell liegen sie noch auf laminierten Zetteln aus, bald sollen Tafeln mit den Beschreibungen folgen, damit die einzelnen Ziele auch in ihren Kontext eingeordnet werden können.

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Klein und schmal steht etwa eine Scheibe aus Bhutan im Hintergrund. Mitten durch die Wiese gegenüber der Scheibe zwischen Tennisplatz und Parcours führt ein schmaler gemähter Pfad bis ganz an den Zaun. „Von dort hinten kann man auf die Scheibe zielen, das sind dann 75 Meter“, erklärt Rehborn. Fasziniert zeigt er sich von der traditionellen Art des Bogenschießens: Sogar aus doppelter Entfernung werde im Ursprungsland der Zielscheibe auf sie geschossen und das nicht mit genormten Sportgeräten, sondern mit selbstgebauten Bögen: „Das ist schon beeindruckend.“

Informationen zum Bogen-Freizeit-Park

Im hinteren Teil des rund 5500 Quadratmeter großen Geländes befinden sich sogenannte 3D-Ziele, Figuren von Hasen, Wildschweinen und Hyänen als Übungsziele. Dabei sind die Abschussbereiche farblich gekennzeichnet, damit sich die Parknutzer nicht gegenseitig in die Quere kommen. Die Abschusslinie befindet sich auf dem gesamten Gelände – mit Ausnahme der Bhutanscheibe – auf derselben Höhe und ist somit leicht einzuordnen.

Es geht auch ums Loslassen

Bogenschießen kann auch eine therapeutische Wirkung haben, erklärt Rehborn. Doch auch ohne entsprechenden Rahmen oder eine Begleitung helfe der Sport beim Entspannen, sei gerade auch nach der Arbeit sinnvoll. Durch die Ruhe und Konzentration trete alles andere in den Hintergrund, auch das Loslassen des Pfeils und die offene Körperhaltung trage ihren Teil zur Erfahrung bei. Das bestätigt auch Marion Hutzler: „Es gibt für mich kaum etwas Schöneres als das, wie man sich dabei entspannt und erholt.“

Genau deshalb hat Rehborn nach eigenen Angaben hier keinen kilometerlangen Parcours angelegt, sondern tatsächlich ein relativ überschaubares Gelände mit allerdings nicht weniger Zielen als in einem großen Parcours. So sei es auch möglich, für eine Stunde nach Feierabend herzukommen und ein paar Pfeile zu verschießen.