Temperaturen von mehr als 20 Grad zum Start der Osterferien: Was für viele Tourismushochburgen normalerweise ein Grund zur Freude ist, könnte aus Sicht vieler Gemeinden in Zeiten der Corona-Krise zum Problem werden.

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Der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf erklärte nach mehreren Video-Konferenzen mit Bürgermeistern bekannter Ausflugsorte: „Aus allen Regionen im Land mit attraktiven Ausflugszielen höre ich die Sorge, dass dort am Wochenende zu viele Menschen hinkommen könnten“, sagte er. Ballten sich dort aber zu viele Menschen, könnten die wichtigen Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

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Als erste Stadt am Bodensee hat Überlingen am Donnerstag ein Betretungsverbot für die Promenade erlassen, das bis zum 20. April jeweils freitags ab 14 Uhr bis montags 9 Uhr sowie an den Sonn- und Feiertagen gilt. Die Stadt fürchtet einen Ansturm von Besuchern an den Osterfeiertagen. Werden auch im östlichen Bodenseekreis Promenaden und Uferbereiche gesperrt? Wir haben nachgefragt.

Zwei Beamte des Polizeireviers Friedrichshafen kontrollieren das wegen der Corona-Pandemie erlassene Aufenthaltsverbot in den Uferanlagen.
Zwei Beamte des Polizeireviers Friedrichshafen kontrollieren das wegen der Corona-Pandemie erlassene Aufenthaltsverbot in den Uferanlagen. | Bild: Cuko, Katy

Friedrichshafen regelt Verfügung neu

In Friedrichshafen gilt schon seit dem 18. März eine Allgemeinverfügung des Rathauses. Die regelt, dass man am Seeufer und an der Promenade spazieren gehen darf. Aber der Aufenthalt an bestimmten Plätzen ist verboten, also das Sitzen auf Bänken, Mauern und Stufen oder das Lagern oder Spielen auf Grünflächen. Diese Einschränkungen gelten auf dem Freizeitgelände Manzell und Weilermühle, im Uferpark, auf dem Ufergelände vor dem Graf-Zeppelin-Haus, auf der östlichen Uferstraße bis zum Ruderclub, auf dem Schlosssteg und auf dem Fildenplatz mit Musikmuschel in Fischbach – jedoch nicht an der Seestraße.

Gegen diese Verfügung liegt der Stadt inzwischen ein rechtlicher Widerspruch vor, bestätigt Stadtsprecherin Monika Blank. Was sagt das Rathaus dazu? „Die Stadt hält die Allgemeinverfügung für verhältnismäßig“, so Blank. Die Einschränkungen bezögen sich nur auf relativ kleine Flächen des Stadtgebietes. Angesichts der drohenden Gefahren für Leib und Leben sei das Verbot, zum Beispiel den Uferpark nicht zu betreten, sicher zumutbar. „Uns liegen aus der Bevölkerung kaum Beschwerden gegen die Allgemeinverfügung vor“, so Blank. Sinn und Notwendigkeit der Regelung würden also allgemein akzeptiert.

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Trotzdem hat die Stadtverwaltung am Freitag eine Neufassung dieser Allgemeinverfügung veröffentlicht – mit einer Klarstellung zur Nutzung der Parkbänke und zum Geltungsbereich.

In Immenstaad Sperrung das „letzte Mittel“

„Wir haben innerhalb der Seegemeinden in den vergangenen Tagen intensiv über die Frage der Sperrung von Uferbereichen diskutiert. Insgesamt ist die Sperrung im Sinne eines Verbots aus Sicht der Gemeinde Immenstaad – und anderer wie Hagnau, Meersburg und Uhldingen-Mühlhofen – das letzte Mittel, zu dem wir greifen wollen“, erklärt Bürgermeister Johannes Henne auf Anfrage.

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Zum einen sei es schwierig, einzelne Bereiche am See zu sperren und andere Wege und Bereiche in der Gemeinde wiederum nicht. „Wir gehen außerdem davon aus, dass es somit nur zu einer Verschiebung der Problematik kommen würde, wenn sich die Menschen dann alle die Wanderwege in den Reb- und Obstanlagen oder andere Bereiche für ihre Spaziergänge aussuchen und diese dann übermäßig stark frequentiert werden würden“, so Henne weiter.

Das herrliche Wetter lockt nach draußen – auch am Immenstaader Landungsplatz.
Das herrliche Wetter lockt nach draußen – auch am Immenstaader Landungsplatz. | Bild: Mona Lippisch

Zum anderen hätten die beiden vergangenen Wochenenden gezeigt, dass sich die Menschen trotz guten Wetters überwiegend an die Regelungen zur Kontaktvermeidung halten. Er appelliere für das bevorstehende Wochenende nochmals explizit an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein aller, die Regelungen des Landes einzuhalten. Bei einer kollektiven Nichteinhaltung der Regeln rücke ein generelles Ausgangsverbot näher – „ich denke, hierauf kann jeder und jede von uns verzichten“.

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Die Gemeinde werde am Wochenende verstärkt darauf achten, ob die Regeln eingehalten werden und die Zuwiderhandlung notfalls entsprechend sanktionieren. „Sollte es im großen Stile zu Problemen kommen, behalten wir uns selbstverständlich vor, ein Aufenthaltsverbot oder gar eine komplette Sperrung sämtlicher Bereiche und Wege, die als Anziehungspunkt gelten, vorzunehmen.“ Jede Gemeinde oder Stadt sei dabei individuell zu betrachten. An manchen Orten am See gebe es bereits eine große Notwendigkeit, mit Sperrungen zu agieren. „Bei uns ist dies wie oben dargestellt aber noch nicht der Fall.“

Verstärkte Kontrollen in Kressbronn angekündigt

Wäre eine Allgemeinverfügung wie in Überlingen auch in Kressbronn denkbar? Die Seegemeinde wird am Wochenende die Situation noch einmal beobachten. „Sollten wir mehrere Verstöße feststellen, werden auch wir ein Betretungsverbot der Uferbereiche für die folgenden Wochenenden aussprechen“, teilt Bürgermeister Daniel Enzensperger auf SÜDKURIER-Anfrage mit. Man appelliere daher an alle, die Kontaktverbote unbedingt einzuhalten und die See- und Uferbereiche nach Möglichkeit ganz zu meiden.

Daniel Enzensperger mahnt: „Es ist noch nicht vorbei“

Man werde Parkanlagen am See und weitere Treffpunkte auch verstärkt kontrollieren. In einem Pressetext hatte die Gemeinde bereits mitgeteilt, der Krisenstab sei sich einig, dass man eine komplette Sperrung der Seezugänge so lange wie möglich vermeiden wolle, dafür komme es aber auf die Einsicht der Bürger an. Zwar würden sich viele Menschen an die Kontaktbeschränkungen halten, leider aber nicht alle. „In den letzten Tagen wurde vermehrt festgestellt, dass sich wieder einige Gruppen – auch von außerhalb – am See treffen und zusammensitzen“, so die Gemeinde. Bürgermeister Daniel Enzensperger mahnt: „Es ist noch nicht vorbei.“

In Langenargen klappt‘s

In Langenargen funktioniere die bestehende Regelung, erklärt Bürgermeister Achim Krafft auf Nachfrage. Hier dürfen Grünanlagen schon laut Polizeiverordnung nicht betreten werden. Aber auch hier will die Gemeinde die Situation am Wochenende genau beobachten. „Je nach Erfahrung sind weitergehende Sperrungen möglich“, so Krafft.