Der Fildenplatz am Fischbacher Seeufer wirkt auf den ersten Blick menschenleer. Das Wetter an diesem Donnerstagnachmittag lädt nicht zum Draußensein ein. Es ist kalt, leicht neblig. Selbst auf dem fast spiegelglatten See tummelt sich kaum ein Vogel. Ein paar Schritte weiter erspähen Polizeikommissar Michael Deckwitz und sein Kollege Marcel Baur doch ein Pärchen, das auf einer Bank beim Stärr-Schorsch sitzt. Die beiden lassen den Blick über den See schweifen.

Die meisten Menschen zeigen Verständnis

„Wir müssen sie bitten weiter zu gehen“, sagt Michael Deckwitz freundlich. Das ältere Ehepaar schaut fragend auf. Der Polizist erklärt, dass die Stadt verfügt hat, dass die Leute in den Uferanlagen spazieren gehen können. Doch der Aufenthalt ist untersagt. „Ah, das wussten wir nicht“, sagt die Frau. Beide stehen auf, grüßen und gehen weiter.

Entspannt auf einer Bank am Seeufer sitzen ist derzeit leider nicht erlaubt. Die Polizisten wiesen auch dieses ältere Paar freundlich darauf hin.
Entspannt auf einer Bank am Seeufer sitzen ist derzeit leider nicht erlaubt. Die Polizisten wiesen auch dieses ältere Paar freundlich darauf hin. | Bild: Katy Cuko

„So ist es in den allermeisten Fällen“, sagt Polizeimeister Marcel Baur. Die Menschen zeigen Verständnis, akzeptieren die durch die Corona-Pandemie verursachten Beschränkungen und Verbote. Die Polizei ist – neben den Ordnungsämtern – dafür zuständig, die Einhaltung zu kontrollieren. Regelmäßig laufen die Beamten Streife, zeigen Präsenz. So wie an diesem Donnerstag.

Dieses Bußgeld hat nichts mit Corona zu tun

Weiter geht es zum Freizeitgelände in Manzell. Nichts los. Nur zwei Frauen gehen schnurstracks an uns vorbei in Richtung Uferweg. Die beiden Polizisten laufen das Areal vom Parkplatz bis zum MTU-Gelände ab, kehren um.

Die nächste Station ist der Uferpark im Stadtzentrum. Bis zum Antoniuseck gelten die Beschränkungen. Los geht der Rundgang am Graf-Zeppelin-Haus. Direkt davor fährt der Streife ein junger Mann förmlich in die Arme, der freihändig auf seinem Rad sitzt und laut mit dem Handy in der Hand telefoniert. Er muss absteigen und zur Kenntnis nehmen, dass für diese Ordnungswidrigkeit 55 Euro fällig werden. Dann übernehmen die Kollegen eines Streifenwagens die Aufnahme seiner Personalien. Am Ende des Streifgangs wird der Radfahrer der Einzige bleiben, der sich für sein unkorrektes Verhalten verantworten muss.

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Spazieren ja, sitzen nein

Die Uferanlagen im Stadtzentrum sind deutlich belebter als in Fischbach oder Manzell. Und doch treffen wir nur vereinzelt Spaziergänger an. Abgesehen von zwei Familien sind nie mehr als zwei Personen miteinander unterwegs – so wie es das Kontaktverbot verlangt. Auch hier weisen Michael Deckwitz und Marcel Baur einige darauf hin, dass sie die Sitzbank verlassen oder die Kaffeepause – stehend an der Balustrade am Seebalkon lehnend – beenden müssen. Keiner beschwert sich oder schimpft gar. Nur eine Frau, die am Hinteren Hafen mit ihrem Begleiter sitzt, fragt, ob sie nicht wenigstens ihre Cola austrinken darf. Ihr gibt Michael Deckwitz den Tipp, sich eine Bank an der Uferpromenade zwischen Hafenanleger und Antoniuseck zu suchen. „Da dürfen Sie sich auch aufhalten“, sagt er. Das Aufenthaltsverbot am Hinteren Hafen gilt vom Parkplatz bis zum Ende der östlichen Uferstraße. Hier müssen die Beamten auch einen Vater bitten weiterzugehen, dessen Sohn mit großem Vergnügen Steine ins Wasser schmeißt.

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Nach anderthalb Stunden Fußmarsch durch die Stadt haben die beiden Polizisten alle Bereiche kontrolliert, für die das Rathaus das Aufenthaltsverbot erlassen hat. „Das wird größtenteils eingehalten“, fasst Michael Deckwitz seine Erfahrungen zusammen. Eine Einschätzung, die sein Chef teilt. „Viele halten sich vorbildlich an die Vorgaben“, sagt Wolfgang Gerke. Der Polizeioberrat leitet seit Februar das Häfler Revier. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hätten die meisten mitbekommen, was derzeit nicht erlaubt ist. „Nur einen kleinen Teil weisen wir darauf hin“, sagt er.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Das gelte nicht nur für die Aufenthaltsbeschränkungen draußen, sondern auch für die Regelungen, die den Geschäften und Restaurants auferlegt sind. „Da gab es bisher nur ganz wenige Vorkommnisse in Friedrichshafen„, sagt Wolfgang Gerke. Und um diese Ausnahmen kümmere sich die Polizei. Wer sich dann nicht einsichtig zeige, müsse mit anderen Maßnahmen rechnen. Der Häfler Polizeichef hofft jedenfalls, dass die Vorgaben auch eingehalten werden, wenn bald das Wetter besser wird und es die Leute stärken nach draußen zieht.

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„Nach wie vor zeigen die Bürgerinnen und Bürger großes Verständnis für die einschneidenden Maßnahmen, die zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen wurden, und halten sich an die gesetzlichen Vorgaben“, sagt Polizeipräsident Uwe Stürmer laut einer Pressemitteilung vom vergangenen Mittwoch. Bis dahin hatte die Polizei binnen drei Tagen bei ihren Schwerpunktkontrollen in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und im Bodenseekreis erneut 57 Verstöße gegen die Corona-Verordnungen festgestellt und deswegen Bußgeldverfahren eingeleitet. In den meisten Fällen hatten sich mehr als die erlaubten zwei Personen draußen versammelt oder den Mindestabstand nicht eingehalten. Nur in einem Fall erhielt ein Gastwirt eine Strafanzeige, weil er in seinem Lokal mehrere Gäste an einem Tisch bewirtet hatte. Auch der Polizeipräsident appelliert an die Bevölkerung, die Beschränkungen weiter zu beherzigen.