Rund 100 Tage ist Felix Engesser als hauptamtlicher Feuerwehrkommandant inzwischen im Amt. Er kommt aus den eigenen Reihen der Häfler Feuerwehr, begann seine Laufbahn dort 2012 und übernahm zum 1. September 2021 den Posten von Louis Laurösch. Wie hat er die ersten drei Monate in der neuen Funktion erlebt?

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„Die Unterstützung innerhalb der Feuerwehr und vonseiten der Stadt ist riesig“, sagt Felix Engesser. Es freue ihn und mache ihn stolz, dass man so hinter ihm stehe. „Ich war mir natürlich im Klaren darüber, dass viele neue Aufgaben auf mich zukommen werden“, sagt der 34-Jährige, „meine Erwartungen wurden allerdings noch deutlich übertroffen. Es gibt ganz viele Themen, die uns derzeit beschäftigen.“

Auch die Corona-Pandemie stelle die Feuerwehr weiterhin vor Herausforderungen. Zum Schutz der Feuerwehrleute müsse man besondere Vorkehrungen treffen und gleichzeitig den Dienstbetrieb am Laufen halten. Auch die 20-monatige Corona-Zwangspause war für die Feuerwehr und ihre ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte ein Einschnitt. „Wir mussten fast alles auf Eis legen, es konnten keine Übungen mehr stattfinden, Schulungen waren nur noch online möglich“, nennt der neue Kommandant nur einige Beispiele.

Bild: Fabiane Wieland

In dieser Zeit sei einiges liegen geblieben, „was wir jetzt angehen müssen“. Die kommenden Wochen und Monate sind für Felix Engesser daher eng getaktet. Mit der Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans und der Einführung des Digitalfunks warten neben dem Tagesgeschäft gleich zwei große Projekte auf ihn. Auch die Dienstzeiten für die Feuerwehrkräfte sollen verbessert werden. Im November hatte der Finanz- und Verwaltungsausschuss vier weitere Stellen für hauptamtliche Kräfte bewilligt, damit mehr 24-Stunden-Dienste als Ersatz für Zwölf-Stunden-Schichten geschaffen werden können. Damit sollen Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit erhöht werden. Zuletzt hatten mehrere hauptamtliche Kräfte die Häfler Feuerwehr verlassen.

Bild: Fabiane Wieland

„In Friedrichshafen sind wir eine Freiwillige Feuerwehr mit einem starken Ehrenamt – darunter 300 aktive ehrenamtliche Feuerwehrleute – sowie 31 hauptamtlichen Kräften“, sagt Felix Engesser. Im Vergleich zu Berufsfeuerwehren sei man „ganz sicher keine schlechtere Feuerwehr, aber wir haben einen anderen Aufbau und können die Aufgaben nur gemeinsam bewältigen“, betont er.

Bei anderen Feuerwehren könnten etwa andere Schichtmodelle angeboten werden. Dort übernehmen Einsatzkräfte beim 24-Stunden-Dienst etwa acht bis neun Schichten pro Monat. In Friedrichshafen habe man hingegen eine 44-Stunden-Woche mit Zwölf- und 24-Stunden-Diensten. „Da muss jeder für sich entscheiden, was passt besser zu mir und meinem Lebensstil, was zu meiner Familie“, betont Engesser. Mit den zusätzlichen Stellen habe man aber nachjustiert, könne jetzt auch mehr 24-Stunden-Dienste anbieten und eine bessere Balance schaffen.

Video: Fabiane Wieland

Zudem werden im kommenden Jahr zwei Ausbildungsstellen angeboten. „Wir erhoffen uns, dass wir dabei Interessenten finden, die in der Region verwurzelt sind“, sagt Engesser. Denn der Bedarf an Fachkräften sei groß, bundesweit würden Feuerwehrleute gesucht und der Markt sei leer gefegt. „Wir sind optimistisch, dass geeignete Bewerber dabei sind.“

Im Ehrenamt ist man in Friedrichshafen laut Felix Engesser glücklicherweise gut aufgestellt. „Wir haben vor Kurzem einen Grundausbildungslehrgang für ehrenamtliche Feuerwehrkräfte abschließen können. Im Frühjahr folgt bereits der nächste Kurs. Dies ist notwendig, weil wir viele Quereinsteiger und Nachwuchskräfte aus der Jugendfeuerwehr haben“, berichtet der Kommandant und fügt hinzu: „Ich glaube, wir haben einen guten Weg gefunden, dass wir einen attraktiven Arbeitsplatz bieten können und auch die Motivation im Ehrenamt nicht verloren geht.“

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Die Aufgaben sind dabei vielfältig. Während die Häfler Feuerwehr normalerweise zu 800 bis 900 Einsätzen im Jahr gerufen wird, rückte sie in diesem Jahr bereits zu knapp 1200 Einsätzen aus. „Das waren viele Standardeinsätze, aber auch vier Flächenlagen durch Unwetterereignisse wie Stürme und Starkregen“, sagt Engesser.

Er geht davon aus, dass die Zahl der Unwettereinsätze künftig noch zunehmen wird. „Hitzeperioden, Stürme, Starkregen – mit diesen Themen setzen wir uns natürlich auseinander und erarbeiten gemeinsam mit der Stadtverwaltung entsprechende Notfallpläne“, sagt Engesser. Mit dem Bodensee, der Industrie, dem Flughafen und dem Tourismus habe man in Friedrichshafen zudem eine ganze Bandbreite an Sonderthemen, die andere Städte der Größenordnung sicherlich nicht haben.

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Das klingt vor allem nach viel Arbeit. Was macht für Felix Engesser dennoch den Reiz aus? Und worauf freut er sich in seiner Funktion als Feuerwehrkommandant besonders? „Ich freue mich momentan über ganz keine Dinge – etwa die Zusammenkünfte mit den Kameraden. Ich denke, da geht es mir wie vielen Menschen in der Pandemie“, sagt er. In seiner Funktion als Kommandant will er „das gute Niveau der Häfler Feuerwehr halten und noch weiter nach vorn bringen“.