Nachdem „gut Ding“ bekanntlich Weile haben will, dürfte die Umgestaltung des Rotachufers eine ziemlich tolle Sache werden. Weile hat die Planung des hochwassersicheren Ausbaus schließlich schon reichlich. Um genau zu sein: Einige der Gemeinderäte, die am Dienstagabend im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) weitere Beschlüsse dazu fassten, spielten eventuell am Flussufer oder waren noch gar nicht geboren, als andere sich bereits als Kommunalpolitiker damit beschäftigen.

Als SPD-Stadtrat Heinz Tautkus das Wort ergriff, schwang da zumindest eine gehörige Portion Ungeduld mit: „Seit 43 Jahren bin ich im Gemeinderat, seit 43 Jahren beschäftige ich mich mit dem hochwassersicheren Ausbau der Rotach und es ist faktisch noch nichts geschehen.“

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Dass sich das nun so langsam ändern soll, ist bereits beschlossene Sache. Der nächste große Schritt ist das Planfeststellungsverfahren. Zuvor steht unter anderem noch eine Bürgerbeteiligung, „gegebenenfalls online“, auf der Agenda. Das Planfeststellungsverfahren kann – sobald die Unterlagen eingereicht sind – bis zu zwei Jahre dauern, eventuell auch länger, wie Stadtbauamtsleiter Wolfgang Kübler ausführte. Liegt der Zulassungsbescheid dann vor, müsse der Baubeginn binnen fünf Jahren erfolgen.

Eine Parkanlage, wo bislang geparkt wird

„Es geht hier um einen Grundsatzbeschluss“, erklärte Bürgermeister Stefan Köhler auf allzu detaillierte Fragen hin. Dennoch: Im PBU ging es eher um Details, denn ums große Ganze. Eines dieser Details ist der Eco-Park, wobei die Frage nach dem Hintergrund des Namens unbeantwortet blieb und in den Ratsreihen die Namensvarianten Öko- und Rotach-Park Fürsprecher zu finden schienen.

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Sei es drum: Aus dem Parkplatz P7 zwischen Bundesstraße 31 und Rotach soll jedenfalls eine Art Park werden. Damit wird nicht nur notwendige Ausgleichsfläche geschaffen. Der Park, im Hochwasserfall zumindest in Teilen überflutet und sonst teils über Trampelpfade begehbar, soll auch die ökologische Wertigkeit der Rotach erhöhen. Klar ist: Für die wegfallenden Parkplätze, die aktuell von Messebesuchern und ZF genutzt werden, muss Ersatz her.

Links die Bundesstraße 31, rechts (außerhalb des Bildes) die Rotach, dazwischen im Moment: Parkplatz. Im Zuge des hochwassersicheren Ausbaus soll sich Letzteres aber ändern.
Links die Bundesstraße 31, rechts (außerhalb des Bildes) die Rotach, dazwischen im Moment: Parkplatz. Im Zuge des hochwassersicheren Ausbaus soll sich Letzteres aber ändern. | Bild: Christina Bömelburg

Der dem Ausschuss unterbreitete Vorschlag sah eine etwas mehr als die Hälfte umfassende Teilfläche dafür vor. Dem Antrag Philipp Fuhrmanns (Netzwerk für Friedrichshafen), als Variante letztlich den gesamten Parkplatz zu überplanen, schloss sich allerdings mit sieben weiteren Räte eine Mehrheit an.

Was der noch nicht gebaute Veloring in der Planung des Hochwasserschutzes zu suchen hat

Etwas weiter flussabwärts trifft das Projekt auf ein anderes „Ding“, das zumindest in seiner vollen Ausprägung voraussichtlich noch reichlich Weile haben wird: den Veloring. Im Bereich der Kleingartenanlage zwischen Bahnbrücke und Steinbeisstraße reicht der Platz aktuell nicht für Dämme zum Hochwasserschutz, Veloring und Baumerhalt aus.

Wer von der Steinbeisstraße aus rechts der Rotach entlangläuft, kommt im Moment noch an einer Kleingartenanlage vorbei. Auch hier sind Veränderungen vorgesehen.
Wer von der Steinbeisstraße aus rechts der Rotach entlangläuft, kommt im Moment noch an einer Kleingartenanlage vorbei. Auch hier sind Veränderungen vorgesehen. | Bild: Christina Bömelburg

Die Lösungsvariante, die letztlich die mehrheitliche Zustimmung des PBU fand: Der Hochwasserschutz soll in Form eines Erdwalls im Bereich der Kleingartenanlage realisiert werden, die Veloring-Trasse durch Anlage und eine neue Bahnunterführung führen. Den bisherigen Kleingarten-Pächtern wird also gekündigt. Zwar soll hier auch künftig Platz für Gartennutzung bleiben, neben klassischen Kleingärten könnte hier aber beispielweise ein Gemeinschaftsgarten entstehen.

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Und dann wäre da noch der vierte Beschlusspunkt. Wortwörtlich mag darin nicht die Rede davon sein, doch schwingt auch darin die Ahnung mit: Einiges an Weile dürften sowohl der hochwassersichere Ausbau der Rotach als auch der Veloring aber jedenfalls noch in Anspruch nehmen. „Die Umsetzung sinnvoller Abschnitte von Teil-Maßnahmen“ soll aber jedenfalls „insbesondere in Abhängigkeit der jeweils aktuellen Haushaltssitation erfolgen“.

SPD-Stadtrat Tautkus formuliert einen eindringlichen Appell

Worauf Heinz Tautkus hinwies: „Wir sind bei dieser Planung gerade mal bei ‚Maierhöfle‘, die Planunungsgrenze ist Gemarkung Oberteuringen. Und dazwischen ist noch nicht mal Planungsansatz vorhanden.“ Da bleibt zu hoffen, dass sich folgende Befürchtung des SPD-Stadtrates nicht bewahrheitet: „Das nächste Hochwasser wird uns so überraschend treffen, dass wir uns fragen müssen werden, was wir die Jahre über getan haben.“

Es gelte jetzt, die Planung zu forcieren und dabei auch nicht nach dem Geld zu fragen. „Es ist Hochwasserschutz, es ist ökologisch, es ist Klimaanpassung: All das, was wir wollen, ist in der Planung drin“, so Tautkus. „Lasst uns endlich anfangen.“

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