Obwohl Karl Josef Rosenstock abends seinen Arztkittel beiseitelegt, hat er eigentlich nie so richtig Feierabend. Freunde, Familie und Nachbarn fragen ihn oft nach Rat. In letzter Zeit, zum Ende der Sommerferien, stand das Telefon in der Praxis nicht mehr still.

Reiserückkehrer wollten wissen, wo und wie sie sich auf das Coronavirus testen lassen können. Oder sich einfach vergewissern, dass sie nur eine Erkältung mit sich herumschleppen.

14 Patienten am ersten Nachmittag in der Fieberambulanz

„Wir haben verstärkt testen müssen“, erzählt Rosenstock gelassen. Er neigt nicht zu großer Sorge oder Unruhe, dafür ist er zu erfahren. Und dafür weiß er, wie gut der Bodenseekreis in Sachen Corona-Mangement aufgestellt ist.

Gerade erst hat die Fieberambulanz ihren Betrieb in der Messe wieder aufgenommen. Und Rosenstock, der die Hygienemaßnahmen noch einmal überprüft und dann in seinen Schutzanzug schlüpft, übernimmt die erste Schicht. 14 Patienten sind an diesem Nachmittag angemeldet. „Es wird ruhig“, meint Rosenstock.

Seit Mittwoch ist die Fieberambulanz in der Messe wieder in Betrieb, diesmal ist sie nicht in Containern, sondern in den Nebenräumen der Halle A7 untergebracht.
Seit Mittwoch ist die Fieberambulanz in der Messe wieder in Betrieb, diesmal ist sie nicht in Containern, sondern in den Nebenräumen der Halle A7 untergebracht. | Bild: Daniela Biehl

„Die Fieberambulanz soll die Hausärzte und Schwerpunktpraxen ergänzen und entlasten“, sagt er. Und das gerade dann, wenn innerhalb kürzester Zeit größere Menschengruppen getestet werden müssen.

Deshalb gibt es auch zwei Untersuchungsräume, ein getrenntes Wegesystem – wer die Fieberambulanz verlässt, begegnet den Ankommenden nicht – sowie einen Warte- und Anmeldebereich mit versetzter Bestuhlung. An jeder Ecke stehen Hygienespender.

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Die erste Untersuchung beginnt planmäßig um 15 Uhr, um 14.45 Uhr wartet bereits die erste Patientin vor der Messehalle. Wäre gerade nicht die Interboot in den Hallen der Messe und die Security überall im Einsatz, wäre die Patientin am Eingang schon vom Sicherheitsdienst abgefangen worden.

„Die Einsatzleute sollen ab nächster Woche feststellen, ob jemand einen Termin bei uns hat“, sagt Rosenstock. Denn: Nur wer vom Hausarzt überwiesen wurde, wird in der Fieberambulanz auch untersucht. Die Hausärzte wiederum melden ihre Patienten beim Landratsamt (LRA) an und gibt die Daten an die Fieberambulanz weiter, die von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) betrieben wird.

Ein Abstrich, Fieber und Sauerstoffsättigung messen, Lunge abhören

Weil aber noch immer noch die Messe Interboot stattfindet, schleicht die erste Patientin, mehr oder weniger still, durch die Nebenräume der Halle A7. Container gibt es dieses Mal nicht. „Ist hier die Fieberambulanz?“, fragt die Patientin. Die zwei medizinischen Fachangestellten an der Anmeldung nicken.

Zwischen ihnen und an der Wand hängt ein Hygienespender. Die Frau desinfiziert ihre Hände, gibt ihre Versichertenkarte ab und erzählt, dass sie beruflich viel unterwegs sei. Jetzt habe sie Angst, sich angesteckt zu haben, weil sie die typischen Symptome aufweise. „Aber es wird Herbst“, meint sie. „Es könnte auch Richtung Erkältung gehen.“

Vom Wartebereich geht es für die Patientin weiter zu einem der zwei Untersuchungsräume. Dort wird nicht nur ein Abstrich genommen. „Es werden auch Fieber und die Sauerstoffsättigung in der Atemluft gemessen“, sagt Rosenstock. Und die Lunge werde abgehört. Das Messen der Sauerstoffsättigung sei wichtig, weil ein zu niedriger Wert „den Verdacht auf einen Corona-Infektion erhärtet“, sagt der Arzt.

„Wir haben Erfahrung und fühlen uns gewappnet für den Herbst“

Um das Ansteckungrisiko so gering wie möglich zu halten, wird die Fieberambulanz jeden Abend gut durchgelüftet und der Untersuchungs- und Wartebereich fachmännisch gereinigt. „Wir haben da schon Erfahrung und fühlen uns gewappnet für den Herbst“, meint Rosenstock.

Karl Josef Rosenstock bespricht mit den medizinischen Fachangestellten an der Anmeldung letzte Details. Eine Plexiglasscheibe und Abstandsmarkierung sollen sie von den Patienten trennen.
Karl Josef Rosenstock bespricht mit den medizinischen Fachangestellten an der Anmeldung letzte Details. Eine Plexiglasscheibe und Abstandsmarkierung sollen sie von den Patienten trennen. | Bild: Daniela Biehl

Zur Erinnerung: Schon während der Corona-Hochphase im März war eine Fieberambulanz, damals noch in Containern, in der Messehalle B5 untergebracht worden. Anfang Juli, als die Infektionszahlen gesunken waren, hatten LRA und KV die Ambulanz wieder geschlossen. „Uns war damals aber schon klar, dass wir im Herbst wieder öffnen werden“, sagt Rosenstock. Und so wurde im Hintergrund weiter geplant, Material besorgt, Räume angemietet, Personal gesucht.

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Aktuell sei man mit zwei medizinischen Fachangestellten und einem Arzt pro Schicht so aufgestellt, dass die Ambulanz jeweils montags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr öffnen könne.

„Bei Bedarf wird das Ganze aber auch verdichtet“, sagt Rosenstock und wird von einer englischsprachigen Durchsage unterbrochen, die von der Interboot herüberschallt. „Reduce your risk of infection by washing your hands often“, auf deutsch: „Reduzieren Sie das Infektionsrisiko, indem Sie sich häufig die Hände waschen.“ Die medizinischen Fachangestellten schmunzeln durch die Maske hinweg. „Man kann es nicht oft genug sagen.“

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