Die Spannung steigt: Ab Montag werden hunderte Schülerinnen und Schüler wieder die Schulen besuchen. Sie haben zum Teil ihren Urlaub in Risikogebieten verbracht, bringen Lücken aus dem vergangenen Schuljahr mit und starten mit ihren Lehrern in die kalte Jahreszeit, in der Lüften schwierig und eine Erkältung normal ist.

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„Es ist sehr spannend, einen Schulbeginn unter Pandemie-Vorgaben zu planen“, sagt Christine Waggershauser, Rektorin der Grundschule Fischbach. Der Rektor der Immenstaader Stephan-Brodmann-Schule, Burkhard Zapkau, ist optimistisch: „Unser Konzept hat sich bewährt, als wir in den drei Wochen vor den Sommerferien alle Kinder in der Schule hatten.“ Ihr Kollege Steffen Rooschüz, Rektor der Merianschule und geschäftsführender Schulleiter der Häfler Schulen, sagt: „Den Start werden wir gut hinbekommen, interessant wird es mit den Urlaubsrückkehrern und dann weiter in der kalten Jahreszeit.“

Den Musikraum hat die Grundschule Fischbach zum Betreuungsraum umfunktioniert.
Den Musikraum hat die Grundschule Fischbach zum Betreuungsraum umfunktioniert. | Bild: Corinna Raupach

Formular zum Gesundheitszustand ausgefüllt? Gymnasien planen Einlasskontrolle

Viele Schulen haben schon vor Schulbeginn ein Formular an alle Eltern verschickt, in dem Angaben zum Gesundheitszustand des Kindes und zum Aufenthalt in Krisengebieten abgefragt werden. Christoph Felder, Leiter des Karl-Maybach-Gymnasiums, sagt: „Wir haben uns mit dem Graf-Zeppelin-Gymnasium darauf verständigt, in beiden Schulen eine Einlasskontrolle zu machen. Wenn ein Formular nicht vorliegt, werden wir sofort die Eltern kontaktieren und den Schüler oder die Schülerin gegebenenfalls nach Hause schicken.“

Lüften, lüften, lüften: Dafür wurden sogar Fenstergriffe wieder montiert

Wenn im Herbst dann die Temperaturen sinken, könnte das Lüften zu Konflikten führen. „Wir werden weiter regelmäßig stoßlüften. Das muss man dann über die Kleidung regeln“, sagt Axel Ferdinand, Leiter des Graf-Zeppelin-Gymnasiums. In Immenstaad sollen die Kinder Mäntel und Jacken mit in die Klassenzimmer nehmen – auch, um Gedränge an den Garderoben zu vermeiden. Die Grundschule Fischbach ließ Fenstergriffe rückmontieren, um die Fenster wieder öffnen zu können – sie wurden vor Jahren abgenommen, damit kein Kind hinausfällt.

Schon am Eingang des Karl-Maybach-Gymnasiums wartet ein Desinfektionsmittelspender.
Schon am Eingang des Karl-Maybach-Gymnasiums wartet ein Desinfektionsmittelspender. | Bild: Corinna Raupach

Vorgaben für die Schulen

Auch bei Kälte bleibt Lüften das Mittel der Wahl. Die Anschaffung von Luftfiltern oder Messgeräten sieht zur Zeit keine Verwaltung vor. „Regelmäßiges Lüften der Unterrichtsräume – in der Regel in jeder Pause – gehört zum allgemeinen Hygienekonzept der Schulen“, begründet das eine Sprecherin der Stadt Friedrichshafen.

Isolation und ein Abholraum für kranke Schüler

Schwierig wird es, wenn jemand krank wird. Erkältungen, Grippe und Magen-Darm-Infekte sind im Winter häufig, auch ohne Pandemie. „Wenn ein Kind heftig hustet, wird es sofort isoliert. Wir rufen die Eltern an und das Kind bleibt unter Beobachtung im Verwaltungstrakt“, sagt die Fischbacher Rektorin Waggershauser. Im KMG werden kranke Schüler im Sanitätsraum untergebracht, bis sie abgeholt werden können, in Immenstaad setzt Rektor Zapkau auf intensive Kommunikation mit den Eltern. Steffen Rooschüz überlegt, für die Merianschule ein Thermometer anzuschaffen, mit dem bei jedem Kind an der Stirn die Temperatur gemessen werden kann. Ihm macht vor allem Sorgen, dass auch Lehrkräfte krank werden könnte: „Das wird schwierig. Wir sollen die Gruppen ja nicht mischen.“

Als Hygienemaßnahme hat die Schule Fischbach die Türen an den Toiletteneingängen ausgehängt – die Schüler müssen nach dem Händewaschen nichts mehr anfassen.
Als Hygienemaßnahme hat die Schule Fischbach die Türen an den Toiletteneingängen ausgehängt – die Schüler müssen nach dem Händewaschen nichts mehr anfassen. | Bild: Corinna Raupach

Grundsätzlich hoffen alle, dass die Schulen nicht wieder geschlossen werden. Bei einem neuerlichen Lockdown können sie jetzt auf Erfahrungen aus dem Frühjahr zurückgreifen. „Wir werden auch Papier vorhalten müssen“, sagt Rooschüz. Die digitale Versorgung werde schwierig, wenn an einer Schule keine Breitbandverbindung existiert oder Schüler keinen Internetanschluss zu Hause haben.

Lehrer wurden mitunter privat für digitalen Unterricht geschult

„Im digitalen Bereich hätten wir uns mehr Unterstützung gewünscht“, sagt Christoph Felder vom Karl-Maybach-Gymnasium. Es gehe nicht nur um die Infrastruktur. „Informationen über gute Erfahrungen mit Geräten, Programmen und digitalen Lehrinhalten sollten weitergegeben werden.“ Viele Schulen hätten auf private oder zufällig vorhandene Kenntnisse von Lehrern oder Eltern zurückgreifen müssen. „Wir hatten einen Vater, der hat privat Lehrer geschult und jede Menge Fragen beantwortet, auch in Videokonferenzen“, erzählt er.

Sofortprogramm der Bundesregierung

Die meisten Schüler wurden im Frühjahr erreicht – zum Teil mit viel Aufwand: Manche Schulen richteten Notbetreuungen ein, telefonierten den Schülern hinterher, verabredeten sich auf dem Schulhof oder besuchten sie zu Hause. „Es gibt immer Schüler, die nicht erreicht werden. Die erreicht man aber auch mit Präsenzunterricht nicht“, sagt GZG-Kollege Ferdinand. Er setzt für das kommende Schuljahr auf mehr individuelle Förderung, weiß aber, dass das personell an Grenzen stoßen wird. „Mathe wäre besonders wichtig, und da haben wir keine personellen Reserven.“ Grundschul-Chefin Waggershauser würde gern die Samstage für Förderunterricht nutzen, aber auch ihr fehlt dafür das Personal.

Im Hof der Schule Fischbach sorgen Linien und Absperrungen dafür, dass die Klassen auch in den Pausen unter sich bleiben.
Im Hof der Schule Fischbach sorgen Linien und Absperrungen dafür, dass die Klassen auch in den Pausen unter sich bleiben. | Bild: Corinna Raupach

Seit dem Lockdown hat jede Schule ein Hygienekonzept entworfen: gestaffelte Unterrichts- und Pausenzeiten, getrennte Eingänge, Toiletten und Pausenhofbereiche, Desinfektionsspender an den Eingängen oder vor den Klassenzimmern. Jede Schule hat eigene, oft kreative Lösungen gefunden. Der Musikraum wurde zum Betreuungsraum, um auch im Nachmittagsbereich die Gruppen trennen zu können. Die Eingangstüren zu den Toiletten sind ausgebaut. „So müssen die Kinder nach dem Händewaschen nichts mehr anfassen“, sagt Christine Waggershauser. In Immenstaad wurden Sofas und Leseecken aus den Klassenzimmern verbannt und die Gruppentische aufgelöst. Mit der Rückkehr zum Frontalunterricht können die Abstände eingehalten werden, wenn alle Kinder da sind.

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