Trister Anblick in Friedrichshafen: Verschmutzt, verschandelt und verstümmelt steht der Rumpf der „Landshut“ in der Halle am Bodensee Airport. Tragflächen und Leitwerk sind demontiert, das Innere ist schwer ramponiert. Seit fast einem Jahr ist die Boeing 737 unangetastet im Hangar. Die Restaurierung hat noch nicht einmal begonnen. Was ist los in Friedrichshafen, warum tut sich nichts?

Die neuste Hiobsbotschaft: Die Restaurierung verzögert sich ein weiteres Mal, die Ausstellung der Maschine im Dornier-Museum sei jetzt für 2022 vorgesehen, erklärt Museumssprecher Philipp Lindner. Dies sei die Einschätzung des wissenschaftlichen Beirats. Grund der Verzögerung sei die aufwendige Aufarbeitung eines tragfähigen Museumskonzepts.

Ein Blick ins Cockpit der Landshut.
Ein Blick ins Cockpit der Landshut. | Bild: Felix Kästle

Ausstellung nicht vor 2022

Lindner wirkt leicht resigniert, schließlich ist es nicht die erste Verzögerung, die er bekanntgeben muss. Als die in Einzelteile zerlegte „Landshut“ mit zwei Antonows im September vergangenen Jahres an den Bodensee geflogen wurde hieß es zunächst, mit einer Ausstellung sei 2019 zu rechnen. Vor wenigen Monaten musste Lindner zurückrudern, erst 2020 könnten Besucher den restaurierten Jet bewundern. Jetzt also 2022. Zwar fügt Lindner hinzu: „Wir hoffen natürlich, dass wir das Projekt bereits vorher realisieren können.“ Doch sonderlich hoffnungsvoll klingt das nicht.

Museumsdirektor David Dornier räumt ein, das Ausarbeiten eines Museumskonzepts sei „ein sehr aufwendiges Verfahren, das relativ lange dauert“. Dabei gehe es etwa um die Frage, wie die Maschine präsentiert werden soll: „Vollständig renoviert, komplett auf dem Stand von 1977? Oder lassen wir die Maschine wie sie heute ist? Schließlich handelt es sich um ein historisches Objekt.“

Lesen Sie auch

Zudem dürfe sich die Ausstellung nicht nur um das Flugzeug drehen. „Die Geschichte des Terrorismus und der Roten Armee Fraktion (RAF) muss aufgearbeitet werden.“ Das sei eben zeitaufwendig. Da sei die Restaurierung das „geringste Problem“, so Dornier. „Die Lufthansa hat gesagt, das schaffe sie in einem halben Jahr.“

Zwei Turbinen der  Landshut.  Die Rückholung der Maschine gestaltete sich zum Teil schwieriger als erwartet.
Zwei Turbinen der Landshut. Die Rückholung der Maschine gestaltete sich zum Teil schwieriger als erwartet. | Bild: Paulo Wagner

Allerdings: Der siebenköpfige wissenschaftliche Beirat hat seit seiner Konstituierung im April nicht wieder getagt. Eine Erklärung dafür geben weder das Museum noch das beteiligte Staatsministerium für Kultur und Medien (BKM) in Berlin. Die nächste Sitzung ist laut Museum für den Herbst vorgesehen. Nach entschlossenem Arbeiten oder gar Eile des Beirats sieht das nicht aus.

Die Entführung der Landshut

Blick zurück: Das Geiseldrama der „Landshut“ hatte Deutschland im Oktober 1977 in Atem gehalten. Palästinensische Terroristen brachten das Flugzeug mit 91 Menschen an Bord in ihre Gewalt. Sie wollten damit die RAF unterstützen, die Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführt hatte, um so in Deutschland inhaftierte Gesinnungsgenossen freizupressen. Fünf Tage dauerte die Odyssee, Schauplätze des Dramas waren unter anderem Rom, Dubai und Aden, wo Kapitän Jürgen Schumann erschossen wurde. Im somalischen Mogadischu erstürmte schließlich die Spezialeinheit GSG 9 das Flugzeug. Alle Geiseln wurden unversehrt befreit.

Lesen Sie auch

Wie es mit der Maschine jetzt weitergeht, wirft auch bei den Finanzen Fragen auf. Zwar übernehme die Bundesregierung die Kosten für die Restaurierung sowie für den Bau einer neuen Ausstellungshalle in Friedrichshafen, so das BKM. Auch die Erstellung des musealen Konzepts mit erheblichen Personalkosten finanziere Berlin. Alles in allem sei der Bund mit zehn Millionen Euro dabei. „Eine Beteiligung des Bundes an den späteren Betriebskosten ist nicht vorgesehen“, bescheidet BKM-Sprecher Walter Schmidt allerdings kühl.

Der Innenraum der vor 40 Jahren von Terroristen entführten früheren Lufthansa-Maschine, fotografiert während ihrer Demontage auf dem Flughafen in Fortaleza (Brasilien).
Der geleerte Innenraum der vor 40 Jahren von Terroristen entführten früheren Lufthansa-Maschine, fotografiert während ihrer Demontage auf dem Flughafen in Fortaleza (Brasilien). | Bild: Paulo Wagner

Doch gerade um die laufenden Kosten der „Landshut“-Ausstellung, für die das Museum aufkommen muss, geht es. Zwar hofft das Dornier-Museum auf einen deutlichen Besucheranstieg durch die „Landshut“, im vergangenen Jahr seien 125 000 Besucher gekommen. Doch Lindner räumt unumwunden ein, dass man versuche, „weitere Förderer und Unterstützer zu gewinnen.“ Mit deutlichem Blick auf die Stadt Friedrichshafen, meint der Museumssprecher, schließlich bedeute die „Landshut“ eine Bereicherung des musealen Angebots.

Neben der DO 24 von Iren Dornier steht nun der Rumpf der Landshut. Wann sie restauriert wird, ist noch unklar.
Neben der DO 24 von Iren Dornier steht nun der Rumpf der Landshut. Wann sie restauriert wird, ist noch unklar. | Bild: Kerstin Mommsen

Doch da winkt Oberbürgermeister Andreas Brand ab. „Das ist ganz klar eine nationale Aufgabe, keine kommunale“, lässt er verlauten. Tatsächlich ist die Stadt mit ganz anderen Vorhaben beschäftigt. Dabei geht es ausgerechnet um eine Erweiterung des Zeppelin Museums, das zweite große Museum zur Luftfahrt, das ebenfalls in Friedrichshafen beheimatet ist.

Da werde derzeit ein Konzept erarbeitet, im Herbst stehe ein Grundsatzbeschluss der Stadt an, so die Stadtsprecherin Monika Blank. In Sachen Zeppelin Museum scheint es vergleichsweise rasch voranzugehen. (dpa)