Sachte und durchsichtig, wie durch einen Nebel schleichen sich die ersten Töne ein. Mit einer beweglichen Folkmelodie wagt sich eine Geige aus der Deckung.

Dabei wippen und lachen die Musiker auf der Bühne

Auf dem Cello entsteht ein munterer Rhythmus, Bratsche und die andere Geige setzen Seufzer, später energische Akzente dazu. Fast unmerklich nehmen sie Fahrt auf, bis mit dem Quartett das ganze Zelt in Bewegung gerät. Dabei wippen und lachen die Musiker auf der Bühne, sie wirken entspannt und gut gelaunt wie in einem irischen Pub.

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Szenenapplaus für ein Bratschensolo, Mitklatschen bei einer Geigenmelodie, helle Juchzer aus dem Publikum beim Konzert eines Streichquartetts – „The Fretless“ aus Kanada begeistern im kleinen Zelt beim Kulturufer vom ersten Ton an. Sie verbinden tänzerische Leichtigkeit und leise Melancholie der schottischen und irischen Folklore mit hoher Virtuosität und Neugier auf Neues.

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Heraus kommt unerhört luftige, rasant vorwärtsdrängende und dabei immer liedhafte Musik, gespielt mit hoher Präzision und intensivem Miteinander. Die drei Geiger tauschen Geigen, Bratsche und Fiddle untereinander wie andere Menschen Kugelschreiber und beweisen, dass die Bratsche überaus leichtfüßig und die Geige ein Percussionsinstrument sein kann. Dazu trommelt, hüpft, flüstert oder singt das Cello.

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„Fretless“ heißt „bundlos“ und bezieht sich sonst auf Gitarren oder Bässe, die ohne Erhebungen auf dem Griffbrett geschmeidige Übergänge zwischen Tonhöhen ermöglichen.

Traditionelle Melodie mit modernen Harmonien

Entsprechend beweglich mischen die vier keltischen Fiddletunes mit allem, was ihnen gefällt: klassische Moderne, Jazz, Elektro oder eigenen Ideen. „Bird´s Nest“ etwa verflicht zärtlich eine traditionelle Melodie mit modernen Harmonien, „Dirty Harry“ startet mit einem Bratschenintro, das jeder Rockband Ehre machen würde, und „Maggies Set“ tanzt irische, schottische und kanadische Volksmusik direkt ins 21. Jahrhundert.

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„Hidden view“ erzählt die Geschichte von drei Wochen in Montana, als Cellist Eric Wright wegen eines Waldbrands das Ferienhaus nicht verlassen durfte. Geradezu plastisch entstehen Seen und Berge und verschwinden im Rauch, sehnsüchtig verlangt die Geige nach ihrer Freiheit, während das Cello mal ungeduldig, mal zuversichtlich den Takt angibt. Für unbändigen Beifall dankt „The Fretless“ mit dem seelenvollen „As we pray“.

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