„Der Seewald ist für uns nicht verhandelbar“ – mit diesen Worten eröffnete Jürgen Holeksa den Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung am Montag. Denn das Netzwerk hatte den Antrag gestellt, die Aufstellung des Bebauungsplanes zu revidieren, dem die Stadträte im letzten Jahr zugestimmt hatten.

Die beiden Firmen Liebherr-Aerospace und Aerospace Transmission Technologies (ATT) wollen ihre Standorte erweitern – ursprünglich sollte dazu ein 3,6 Hektar großes Stück des Seewaldes gerodet werden. Wie in der Sitzung nun aber klar wurde, prüfen die Unternehmen andere Optionen. „Das haben wir uns selber auferlegt, weil wir wissen, dass im Laufe von Verfahren wie diesem die Erarbeitung von Alternativen notwendig werden kann“, teilt die Geschäftsführung der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

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In der Sitzung konkretisierte Oberbürgermeister Andreas Brand, was damit gemeint sein könnte. Er zeichnete drei Optionen auf, die es neben der Teilrodung des Waldes geben könnte. Zunächst gebe es die Möglichkeit, auf dem vorhandenen Grundstück die nötige Erweiterung vorzunehmen, auch wenn das bedeute, deutlich in die Höhe zu bauen. Eine weitere Option sei es, auch auf das bereits reservierte Grundstück an der Flughafenstraße zu bauen, auch wenn dann die Standorte durch Bahnlinie und Straße getrennt seien. „Es gibt aber auch die Variante, Grundstücke in der Nähe zu akquirieren“, so OB Brand.

Bild: Grafik Südkurier

Welche das sind, sagte er nicht, offenbar gibt es aber bereits Gespräche. „Wenn man von einem Nachbarn ein Grundstück haben will, muss das Angebot so gut sein, dass es überzeugt“, meinte Brand und betonte, dass der Verwaltung klar sei, dass der Wald und die Kleingärten ein hochsensibles Thema seien. „Ich habe im Moment die nicht ganz unbegründete Hoffnung, dass das Ganze am Ende zu einem guten Ende führen könnte“, so der OB weiter. Doch derzeit sei noch nichts spruchreif – frühestens im ersten Quartal 2020 könnten Ergebnisse vorliegen.

Die Geschäftsführung von Liebherr will aber keine Details bekannt geben. „Diese Prüfung ist sehr komplex, umfangreich und somit sehr zeitintensiv. Jegliche Aussagen zu möglichen Alternativen sind somit verfrüht. Mit Blick auf das laufende Verfahren können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt zu Detailfragen nicht äußern“, heißt es seitens des Unternehmens.

Brigitte Chapelier, Heiko Loth, Martina Haas und Günther Plappert möchten ihre Kleingärten nicht einfach aufgeben.
Brigitte Chapelier, Heiko Loth, Martina Haas und Günther Plappert möchten ihre Kleingärten nicht einfach aufgeben. | Bild: Lena Reiner
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Über den Antrag des Netzwerkes, das gesamte Verfahren zu revidieren, wurde am Montag gar nicht abgestimmt. Dem Vorschlag der Verwaltung, erst die Ergebnisse aller Gespräche und Gutachten abzuwarten, bevor die endgültige Entscheidung bis spätestens Juli 2020 getroffen werde, fand eine Mehrheit. Zuvor hatten sich die Fraktionen noch positioniert. Während Grüne und die ÖDP eine mögliche Teilrodung des Seewaldes weiterhin kategorisch ablehnten, freuten sich CDU und FDP darüber, dass nun nach echten Alternativen gesucht wird. „Es gibt einen Zielkonflikt zwischen dem Erhalt der Natur und dem Erhalt von Arbeitsplätzen, daher wären mildere Mittel als die Rodung positiv“, sagte Achim Brotzer (CDU). Jochen Meschenmoser (Freie Wähler) führte aus, wie wichtig die Erweiterung für die Firmen sei.

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Jürgen Holeksa (Netzwerk), betonte, dass der Erhalt der Kleingärten und des Waldes oberste Priorität habe. „Dass Bäume für den Bau einer Kantine, von Parkplätzen und Bürogebäuden fallen sollen, kann nicht sein. Auch andere Unternehmen in Friedrichshafen kommen mit mehreren Firmenstandorten bestens zurecht.“