1,7 Millionen Euro hat die Stadt bisher in rund 1,7 Kilometer Veloring investiert, das erste Teilstück des breit ausgebauten Wegs für Schnellradler. Doch die lassen den Weg oft links liegen. Weil er so schlecht ausgelastet ist, hatte die Stadt Studenten der Zeppelin-Uni gebeten, clevere Konzepte zu entwickeln, wie man die Frequentierung erhöhen kann. So entstand das Start-up Bewelo.

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Für den Bermatinger Torsten Voigt, der täglich 40 Kilometer zur Arbeit bei ZF und abends wieder heim radelt, ist der Veloring derzeit nicht der Weisheit letzter Schluss. "Für mich ist das ein stinknormaler Radweg, der an allen Kreuzungen kreuzgefährlich ist", meint der 38-jährige Ingenieur. Denn eine klare Beschilderung, ob der Radler oder der Autofahrer am Zebrastreifen Vorrang hat, fehlt. "Ich erkenne da keine klare Strategie", bemängelt er. Also anhalten und Blickkontakt zu den Autofahrern suchen, um über die Straße zu kommen. "Die sind schon ziemlich rücksichtsvoll, aber es gibt einfach zu viele davon", witzelt Voigt. Wenn es wie jetzt im Winterhalbjahr zeitig dunkel werde, sei es doppelt gefährlich, bei dem Verkehrsaufkommen heil über die Straße zu kommen.

Das blaue Band am Rand markiert den Veloring. Der beginnt genau genommen erst hier in der Mühlöschstraße. Dabei ist die Aistegstraße für Radler extra ausgebaut worden.
Das blaue Band am Rand markiert den Veloring. Der beginnt genau genommen erst hier in der Mühlöschstraße. Dabei ist die Aistegstraße für Radler extra ausgebaut worden. | Bild: Cuko, Katy

Verwirrende Wegeführung am Kreisverkehr

Noch verwirrender ist die Wegeführung am Kreisverkehr beim neuen Sportbad. Hier endet derzeit der Veloring mit einem Stopp am Kreisel. Vorfahrt haben die Autos, wie das auf die Straße gemalte Piktogramm zeigt. "Jeder sucht sich seinen Weg", hat Torsten Voigt festgestellt, denn sonst gibt es weder Schilder noch Wegweiser. Geradeaus über den Zebrastreifen und weiter auf der "falschen" Seite der Straße in Richtung ZF-Werk 2 radeln? Oder rechts abbiegen und vor der Feuerwache über den Kreisel rauschen? Oder auf der Straße mit dem Autoverkehr um den Kreisel weiterfahren? "Geradeaus", sagt die Stadt, wenn keine Hinweise auf weitere Ziele vorhanden seien. Denn eine Wegweisung innerorts existierte zur Zeit noch nicht.

Wer hat Vorfahrt? Der Autofahrer, zeigt das Piktogramm auf der Straße. Der Radler muss warten. "Ohne Blickkontakt mit dem Autofahrer ist die Querung hier lebensgefährlich", meint Torsten Voigt.
Wer hat Vorfahrt? Der Autofahrer, zeigt das Piktogramm auf der Straße. Der Radler muss warten. "Ohne Blickkontakt mit dem Autofahrer ist die Querung hier lebensgefährlich", meint Torsten Voigt. | Bild: Cuko, Katy

Das sagt die Stadtverwaltung

Des Dilemmas ist man sich im Rathaus wohl bewusst. In Sachen Geschwindigkeit seien die Knotenpunkte für schnell fahrende Radler auf dem Veloring "nicht optimal", nimmt die Stadtverwaltung Stellung. Doch die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer habe oberste Priorität. Deshalb hat überall an den Kreisel-Querungen nicht der Radler Vorfahrt, sondern der Autofahrer. Deshalb sei auch keine durchgehende Furt markiert oder beschildert – auf Anordnung der Straßenverkehrsbehörde. "Mit Schnellweg hat das nichts zu tun, wenn ich ständig anhalten muss", sagt Torsten Voigt. "Ich erkenne an keiner Stelle wirklich den Willen, die Straßen durch die Förderung des Radfahrens zu entlasten", sagt der 38-Jährige.

Ratlosigkeit am Kreisverkehr beim neuen Sportbad. Hier endet der ausgebaute Abschnitt des Velorings. Geradeaus oder rechts um den Kreisel herum? Wie es für den Radfahrer sicher in Richtung ZF-Werk 2 weiter geht, erschließt sich nicht.
Ratlosigkeit am Kreisverkehr beim neuen Sportbad. Hier endet der ausgebaute Abschnitt des Velorings. Geradeaus oder rechts um den Kreisel herum? Wie es für den Radfahrer sicher in Richtung ZF-Werk 2 weiter geht, erschließt sich nicht. | Bild: Cuko, Katy

Diese Uneinigkeit zeigt sich am Beginn des Velorings am deutlichsten. Für eine knappe halbe Million Euro wurde die Aistegstraße als erster Teilabschnitt ausgebaut. Doch das "blaue Band" an den Rändern, das den Veloring sonst kennzeichnet, fehlt genauso wie überhaupt eine Radwegbeschilderung. Die Blaumarkierung beginnt erst in der Mühlöschstraße. Wer es nicht weiß, fährt auf der verkehrsreichen Flugplatzstraße bis zum Ehlerskreisel, um auf den Veloring zu kommen.

Laut Stadt sei angedacht, den Veloring künftig über das "blaues Band" hinaus noch besonders auszuschildern – vorläufig aber nur die Ziele Bodenseecenter und Sportpark. Künftig führe der Veloring dann auch zum Gewerbegebiet Nordwest sowie weiter bis zum Fallenbrunnen.

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Bild: Südkurier