Zeppelin: Der Name bewegt die Menschen bis heute. Es war jener Graf, der nach einer militärischen Karriere im Jahre 1900 die ersten lenkbaren Starrluftschiffe über dem Bodensee aufsteigen ließ und damit nicht nur als d e r Luftschiff-Pionier in die Geschichtsbücher einging. Auf Ferdinand Graf von Zeppelin und seinen Ideen von Mobilität geht die wirtschaftliche Entwicklung Friedrichshafens zurück – ohne ihn gäbe es die Zeppelinstadt am Bodensee, so, wie sie heute ist, nicht.

Auch wenn der Mann weltberühmt ist: Ein Teil seiner Persönlichkeit und manch historisches Detail blieb bis heute im Dunkeln. Das liegt daran, dass das Privatarchiv des Grafen, das sein Urenkel Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin auf Schloss Mittelbiberach verwaltet, bis heute auch privat ist, also öffentlich nicht zugänglich. Damit sind persönliche Briefe, auch geheime Geschäftskorrespondenz und vor allem seine Tagebücher nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Die Stadt Friedrichshafen und die Familie des Grafen haben bis dato keinen Weg gefunden, keine Einigung darüber erzielen können, wie dieser historisch überaus bedeutsame und wertvolle Schatz der Nachwelt zugänglich gemacht werden könnte.

Für den SÜDKURIER hat Brandenstein-Zeppelin unlängst die Türen aber zumindest einen Spalt breit geöffnet. Was in der „Zeppelin-Stube“ und im Dokumentenarchiv verwahrt wird, ist hier auf diesen Seiten ansatzweise zu sehen. Denn es ist unmöglich, die Fülle an Bildern, Erinnerungsstücken und Exponaten zu zeigen, die allein in diesem „Ausstellungsraum“ auf Schloss Mittelbiberach ausgewählte Besucher in Augenschein nehmen können. Ganz abgesehen von tausenden Dokumenten, die in einem Nebentrakt des Anwesens separat in über 100 Jahre alten Biedermeier-Archivschränken im Dunkeln liegen.

In der "Zeppelin-Stube" ist der Familienbesitz ausgestellt, den sich der Hausherr auch selbst immer wieder gern anschaut, zuweilen aber auch Besuchern zeigt.
In der "Zeppelin-Stube" ist der Familienbesitz ausgestellt, den sich der Hausherr auch selbst immer wieder gern anschaut, zuweilen aber auch Besuchern zeigt. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko

Freilich gibt es mannigfaltig Unterlagen, die zeigen und dokumentieren, was Zeppelin war: Visionär und Unternehmer in Person. Seine Geschichte und die der Zeppeline sind vor allem in „seinem“, in dem nach ihm benannten Museum in Friedrichshafen seit 25 Jahren in einmaliger Form dokumentiert und öffentlich ausgestellt, denn es verfügt über die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung zur Geschichte und Technik der Zeppelin-Luftschifffahrt. Unter dem Dach des Museums befindet sich aber auch das Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH mit Unterlagen aus dem Nachlass des Grafen sowie aus der Geschichte des 1908 gegründeten Unternehmens und seiner Tochterbetriebe.

Neben den Blaupausen und Bauplänen lagern in den Schränken auch Geschäftsberichte und die privaten Tagesbücher von Graf Zeppelin.
Neben den Blaupausen und Bauplänen lagern in den Schränken auch Geschäftsberichte und die privaten Tagesbücher von Graf Zeppelin. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko

Neben Akten, Plänen, einer Foto- und Filmsammlung sowie einer umfassenden Bibliothek zur Luftschifffahrt besitzt dieses Archiv auch Nachlässe von bedeutenden Personen der Zeppelin-Geschichte und eine Objektsammlung, die von der Postkarte bis zum Luftschiffpropeller alles enthält, was in einem Zusammenhang zur Luftschiff- oder Unternehmensgeschichte steht. Ein Bestand von derzeit rund 500 laufenden Metern Archivgut, das Quelle für all jene ist, die sich mit der Geschichte der Zeppelin-Luftschifffahrt beschäftigen.

Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin zeigt ein paar historische Schätze aus dem Privatarchiv seines Urgroßvaters.
Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin zeigt ein paar historische Schätze aus dem Privatarchiv seines Urgroßvaters. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko






 

Bilder aus dem Zeppelin-Privatarchiv

In diesen Biedermeier-Archivschränken lagern Tausende Dokumente, Korrespondenzen, Pläne, Geschäftsberichte und die Tagebücher des Grafen Zeppelin. Mit Leinen bespannte Türen sichern eine gute Luftzirkulation im Inneren.
In diesen Biedermeier-Archivschränken lagern Tausende Dokumente, Korrespondenzen, Pläne, Geschäftsberichte und die Tagebücher des Grafen Zeppelin. Mit Leinen bespannte Türen sichern eine gute Luftzirkulation im Inneren. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Ganze Dokumentenmappen liegen im Innern dieser Aktenordner, in denen die Korrespondenz aufbewahrt wird.
Ganze Dokumentenmappen liegen im Innern dieser Aktenordner, in denen die Korrespondenz aufbewahrt wird. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Ein übergroßes, in schweres Leder gebundenes Fotoalbum, das auf einem Podest liegt, zieht unweigerlich die Blicke jedes Besuchers der „Zeppelin-Stube“ an. Hier sind Originalaufnahmen aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eingeklebt und handschriftlich signiert, einige von Zeppelin selbst – darunter viele Aufnahmen, die die Öffentlichkeit bis heute nicht zu sehen bekommt.
Ein übergroßes, in schweres Leder gebundenes Fotoalbum, das auf einem Podest liegt, zieht unweigerlich die Blicke jedes Besuchers der „Zeppelin-Stube“ an. Hier sind Originalaufnahmen aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eingeklebt und handschriftlich signiert, einige von Zeppelin selbst – darunter viele Aufnahmen, die die Öffentlichkeit bis heute nicht zu sehen bekommt. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Ferdinand Graf von Zeppelin hatte von jedem Geschäftsbericht der „Luftschiffbau Zeppelin“ auch ein Privatexemplar.
Ferdinand Graf von Zeppelin hatte von jedem Geschäftsbericht der „Luftschiffbau Zeppelin“ auch ein Privatexemplar. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Pickelhaube und Schulterstücke von Graf Zeppelin, der eine militärische Karriere durchlief, bevor er sich dem Luftschiffbau widmete. In der Vitrine in der „Zeppelin-Stube“ liegen viele weitere Stücke aus dem Besitz des Grafen, die die meisten Menschen nur von Fotos kennen.
Pickelhaube und Schulterstücke von Graf Zeppelin, der eine militärische Karriere durchlief, bevor er sich dem Luftschiffbau widmete. In der Vitrine in der „Zeppelin-Stube“ liegen viele weitere Stücke aus dem Besitz des Grafen, die die meisten Menschen nur von Fotos kennen. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Sämtliche Briefe und damit die aus heutiger Sicht historisch überaus bedeutsame Korrespondenz des Grafen Zeppelin sind in dem privaten Dokumentenarchiv abgelegt und verwahrt. Historiker würden einiges dafür geben, solche Dokumente wie diesen Brief von Theodor Kober an Zeppelin studieren zu können.
Sämtliche Briefe und damit die aus heutiger Sicht historisch überaus bedeutsame Korrespondenz des Grafen Zeppelin sind in dem privaten Dokumentenarchiv abgelegt und verwahrt. Historiker würden einiges dafür geben, solche Dokumente wie diesen Brief von Theodor Kober an Zeppelin studieren zu können. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Drei Luftschiffhallen nebeneinander: Die Geschäftsbücher von Ferdinand Graf von Zeppelin sind voller Fotos, die nicht nur Zeppeline, sondern auch Flugzeuge, Werkstätten und vieles mehr zeigen.
Drei Luftschiffhallen nebeneinander: Die Geschäftsbücher von Ferdinand Graf von Zeppelin sind voller Fotos, die nicht nur Zeppeline, sondern auch Flugzeuge, Werkstätten und vieles mehr zeigen. | Bild: Privates Zeppelin-Archiv
Dieses Foto gehört zu den wenigen Raritäten, die in der Öffentlichkeit zumindest zeitweise zu sehen waren. Es zeigt Graf Zeppelin mit Dr. Hugo Eckener (links) und Korvettenkapitän Peter Strasser beim letzten Besuch des Grafen in Nordholz Ende 1916.
Dieses Foto gehört zu den wenigen Raritäten, die in der Öffentlichkeit zumindest zeitweise zu sehen waren. Es zeigt Graf Zeppelin mit Dr. Hugo Eckener (links) und Korvettenkapitän Peter Strasser beim letzten Besuch des Grafen in Nordholz Ende 1916. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Ferdinand Graf von Zeppelin auf dem Kutschbock eines Einspanners: Das Foto, das in der „Zeppelin-Stube“ auf Schloss Mittelbiberach im Bilderrahmen hängt, ist deshalb eine besondere Aufnahme, weil der Luftschiffpionier hier genau über das Grundstück fährt, auf dem später ein Motoren-Werk gebaut wurde.
Ferdinand Graf von Zeppelin auf dem Kutschbock eines Einspanners: Das Foto, das in der „Zeppelin-Stube“ auf Schloss Mittelbiberach im Bilderrahmen hängt, ist deshalb eine besondere Aufnahme, weil der Luftschiffpionier hier genau über das Grundstück fährt, auf dem später ein Motoren-Werk gebaut wurde. | Bild: Privates Zeppelin-Archiv
Wie populär Graf Ferdinand von Zeppelin war und ist, zeigt dieser uralte Nussknacker aus Holz, der seinem typischen Abbild nachempfunden wurde.
Wie populär Graf Ferdinand von Zeppelin war und ist, zeigt dieser uralte Nussknacker aus Holz, der seinem typischen Abbild nachempfunden wurde. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
1908 ernannte die Stadt Konstanz den Grafen zum Ehrenbürger. Die Original-Urkunde steht in der „Zeppelin-Stube“.
1908 ernannte die Stadt Konstanz den Grafen zum Ehrenbürger. Die Original-Urkunde steht in der „Zeppelin-Stube“. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko
Ein Brief von Graf Ferdinand von Zeppelin in seiner Handschrift.
Ein Brief von Graf Ferdinand von Zeppelin in seiner Handschrift. | Bild: Kerstin Mommsen/Katy Cuko