Geometrie oder organische Formen, Farbenspiel oder schwarz-weiße Strenge, Ahnungen von Personen oder bloßer Ausdruck – Abstraktion hat viele Ausdrucksmöglichkeiten. Marta Hoepffner fotografiert aufgeschnittenen Rotkohl oder Rillen im Sand, als seien sie gegenstandslos. Willi Baumeisters „Lebkuchenbild“ hat mit dem Gebäck die warmen Farben und die freundliche Sinnlichkeit gemeinsam. Die Formen aber ähneln denen, die Baumeister in alten Kulturen entdeckt hat.

„Wege in die Abstraktion“ ist bis zum 19. April zu sehen.
„Wege in die Abstraktion“ ist bis zum 19. April zu sehen. | Bild: Corinna Raupach

Die Suche der beiden Künstler nach neuen Darstellungsweisen dokumentiert das Zeppelin Museum in der Ausstellung „Wege in die Abstraktion„. Beide Künstler lebten eine Zeit lang am Bodensee, von beiden hat das Museum Werke in seinen Beständen, Baumeister würde 2019 seinen 130. Geburtstag begehen, Hoepffners Todestag jährt sich 2020 zum 20. Mal. „Wir wollen die gegenseitige Inspiration zwischen diesen unterschiedlichen Künstlern aufzeigen“, sagt Museumsdirektorin Claudia Emmert.

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Künstler lernten sich an Frankfurter Kunstschule kennen

Willi Baumeister war als Maler, Grafiker und Hochschullehrer ein bedeutender Künstler der Moderne. Marta Hoepffner ist eine zentrale Vertreterin der experimentellen Fotografie. Beide lernten sich an der Frankfurter Kunstschule kennen, als Hoepffner bei ihm studierte.

Intensiver Austausch

1933 verlor Baumeister seine Professur, seine Werke galten den Nationalsozialisten als „entartet“. Aus Solidarität verließ auch Hoepffner die Schule. Beide schlugen sich mit handwerklichen Tätigkeiten durch, arbeiteten aber im Verborgenen weiter an der Abkehr vom Gegenständlichen. Nach dem Krieg kam es zu einem intensiven Austausch.

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Ausstellung zeigt Entwicklungen der Künstler und Berührungspunkte

Die Ausstellung lädt ein, die Entwicklungen der Künstler und ihre Berührungspunkte zu erkunden. Baumeister stellt Zeitebenen dar, indem er einen Athleten vor dem Gerät, im Aufschwung und über dem Barren malt, Hoepffner belichtet Bewegungsabläufe mehrfach.

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Er lässt in Reliefbildern die Zweidemensionalität der Leinwand hinter sich, sie gestaltet Fotogramme – Bilder, die ohne Kamera direkt auf Fotopapier entstehen. Er schreibt ein Buch über „Das Unbekannte in der Kunst“, sie macht in Lichtobjekten das Unsichtbare sichtbar.

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Die Ausstellung ist vom 29. November bis zum 19. April im Zeppelin Museum zu sehen.