Herr Dupuis, im Juli eröffnen die Camphill-Werkstätten Deggenhausertal im Ortsteil Untersiggingen einen Bioladen. Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Der bisherige Standort in Obersiggingen ist sehr abgelegen und dadurch schlecht frequentiert. Das Gebäude ist alt und marode und zudem nicht barrierefrei – was äußerst wichtig ist. Weiterhin stand in Obersiggingen nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung. Nach langem Suchen ergab sich das Projekt mit Familie Drittenpreis hier in Untersiggingen.

Wie würden Sie die Philosophie des Ladens beschreiben?

Lebensmittel sind ein Teil des Lebens. Es geht nicht darum, nur einen vollen Magen zu haben, sondern dass Einkaufen und der Genuss zu einem Erlebnis werden. Im Vordergrund steht natürlich die Vermarktung der Lehenhofprodukte.

Was verbindet Sie mit dem Lehenhof?

Der Lehenhof stellt meinen unmittelbaren Lebensmittelpunkt dar. Ich lebe und arbeite hier mit meiner Familie. Genau dies verbindet mich auch. Hier ist ein ganzheitliches Leben möglich und es wird ein fairer und sozialer Umgang mit Mensch und Natur gelebt.

Wie sind Sie zum Lehenhof gekommen?

Die Aufgabe, den Bioladen zu planen, um diese Einrichtung zu unterstützen, hat mich zum Lehenhof geführt. Im Einklang mit mir, meinen Mitmenschen und der Natur leben zu können und dabei meine Fähigkeiten und Kompetenzen im vollen Umfang einsetzen und stetig erweitern zu können.

An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit dem neuen Geschäft?

Wir wollen tatsächlich alle Leute ansprechen, die hier leben oder Urlaub machen. Wir wollen niemanden ausschießen und niemanden bevorzugen.

Was für ein Sortiment haben Sie geplant? Wie unterscheidet es sich vom Biolanden in Obersiggingen?

Das Entscheidende ist, dass wir hier ein Bistro haben in dem wir kleine Speisen, feines Gebäck sowie hervorragende Kaffee- und Teespezialitäten anbieten können. Ein großer Unterschied zu Obersiggingen ist auch, dass wir eine fünf Meter lange Theke mit Bedienung haben. Hier werden wir Lebensmittel wie Käse, Wurst und Fleischwaren sowie Feinkost anbieten sowie Antipasti und Tofu. Ebenso wesentlich ist, dass wir hier eine viermal größere Fläche haben und sich dadurch unser Sortiment um das Dreifache vergrößert gegenüber Obersiggingen.

Welche Bedeutung hat der Bioladen für die Werkstätten der Camphill-Dorfgemeinschaft?

Eine sehr hohe Bedeutung. Kein anderer Bereich des Lehenhofs steht so sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der neue Bioladen ist das Schaufenster und zugleich Eingangstor zum Lehenhof.

Sehen Sie den Bioladen auch als eine Art Vehikel zur Stärkung des Lehenhofs, um das Angebot für die Dörfler dauerhaft zu sichern?

Ja, ich sehe den Bioladen als Vehikel zur Stärkung des Lehenhofs und zur Sicherung von Arbeitsplätzen für Menschen mit und ohne Behinderungen, die dort leben.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Bistro zu integrieren?

Wir haben hier ein rundes Konzept, das alles umfasst. Der Lehenhof macht alles von Anfang an. Wir sind die Hände, die das Korn in die Erde stecken. Wir ernten die Produkte und veredeln diese Produkte. Beispielsweise in der Käserei und in unserer Bäckerei. Und wir sind selber ein großer Verbraucher. Diese Kette wollen wir auch innerhalb dieser Teilbereiche schließen. Da bietet es sich an, auch einen Lebensmittel verarbeitenden Bereich zu schaffen.

Sehen Sie sich da als Wettbewerber zum Café in Wittenhofen und zur Tankstelle in Untersiggingen?

Nein, wir sehen uns eher als Ergänzung, als eine Bereicherung. Denn eine höhere Kundenfrequenz kommt allen in Untersiggingen und im Deggenhausertal zugute.

Die Neueröffnung findet zu einem ungünstigen Zeitpunkt statt. Wie beurteilen Sie die Sperrung der Brücke über die Aach bis vielleicht Ende Oktober und die Auswirkung auf den Geschäftsverlauf?

Leider ist das Problem da, aber wir können es uns nicht wegwünschen. Wir werden deshalb zunächst ein reduziertes Sortiment führen. Etwa ein Viertel weniger, als möglich wäre.

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