Schon seit es Städte gibt ist ein Marktplatz ein Treffpunkt. Und meistens steht dort auch das Rathaus. Das ist auch in Pfullendorf so. Das Rathaus ist eines der schönsten Gebäude der Stadt und wird im Rahmen der Serie „800 Jahre Pfullendorf“ noch extra vorgestellt. Was viele nicht wissen dürften: Das Rathaus stand ursprünglich auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes und war recht klein. Es hatte deshalb an der Ecke Platz, wo es hinunter geht in die Roßmarktgasse. Und direkt daneben stand auch noch der „Hexenturm“. Es wurde 1817 abgerissen und war offensichtlich nicht besonders ansehnlich. Vermutlich gibt es auch deshalb keine bildlichen Darstellungen.

Früher war das ehemalige Spital und spätere Gasthaus „Koloss“ nicht so schön wie heute.
Früher war das ehemalige Spital und spätere Gasthaus „Koloss“ nicht so schön wie heute. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Beliebter Platz für Märkte und Veranstaltungen

Bis zum Jahr 1821 stand am Marktplatz auch das Heilig-Geist-Spital, das im Besitz des Spitals (dem heutigen Spitalfonds) war. Dieses installierte in dem Gebäude eine Brauerei, die 1834 von Jakob Roßknecht gepachtet wurde. Sein Sohn Eduard eröffnete 1867 die Wirtschaft „Zum Koloß“, die 1871 dann in „Deutscher Kaiser“ umbenannt und bis 2018 als Restaurant betrieben wurde. Seitdem befindet sich in dem Gebäude ein Friseursalon und das Café „Stil & Genuss“ mit Außenbewirtung. Seinem Namen wird der Platz immer noch gerecht. Dienstags findet hier der Wochenmarkt statt, der sich wachsender Beliebtheit erfreut. Der Samstagsmarkt ist sehr geschrumpft und besteht nur noch aus einem Stand. Aber immerhin: Die Tradition wird beibehalten. Jahrhundertelang wurden auf diesem Platz Märkte abgehalten.

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Aus dem „Kaiser“ wurde das Café „Stil & Genuss“ mit der beliebten Außengastronomie neben dem Narrenbrunnen auf dem Marktplatz. Ein beliebter Treffpunkt auf dem Marktplatz.
Aus dem „Kaiser“ wurde das Café „Stil & Genuss“ mit der beliebten Außengastronomie neben dem Narrenbrunnen auf dem Marktplatz. Ein beliebter Treffpunkt auf dem Marktplatz. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Immer wieder gibt es hier Veranstaltungen und der jährliche Adventszauber mit Engelsabstieg lockt viele Besucher aus der ganzen Region an. Platzkonzerte gab es und auch die Stadtführungen starten auf dem Marktplatz. Der wird seit einigen Jahren durch den wunderschönen Narrenbrunnen aufgewertet. Hier beginnt auch die Fußgängerzone. Ältere Pfullendorfer erinnern sich noch daran, dass es hier sogar mal einen Zebrastreifen gab, weil hier noch Autos fahren durften.

Allerlei Geschäfte gab es früher schon rund um den Marktplatz.
Allerlei Geschäfte gab es früher schon rund um den Marktplatz. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Da wo heute Autokennzeichen verkauft werden, gab es leckere Wurst in der Metzgerei Jetter, später dann Mutschler und von einem Bürgerbüro war nichts zu sehen. Sogar einen Supermarkt gab es hier. Pulsierendes Leben ist heutzutage eher selten auf dem Marktplatz. Aber es gibt ein öffentliches WLAN und so sitzen hier Jugendliche und chillen.

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Demonstranten sterben symbolisch den Atomtod

Bundesweit bekannt wurde der Marktplatz im Juni 1981. Damals protestierten in Pfullendorf Hunderte bei einem Friedensmarsch von Grünen, Jungsozialisten und Friedensgruppen gegen den NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 und speziell gegen die Lagerung von Atomwaffen im Mottschießer Wald. Die Bevölkerung war verunsichert. Geschäfte und Gaststätten hatten geschlossen. Der damalige Bürgermeister Hans Ruck hatte zur Besonnenheit aufgerufen und empfahl, die Autos sicher zu verwahren. Es gab aber keine Beschädigungen und alles lief friedlich ab. Auch der „Die-In“ auf dem Marktplatz. Das war eine damals durchaus übliche Form des gewaltlosen Widerstands. Die Demonstranten warfen sich auf ein Sirenengeheul hin zu Boden und starben symbolisch den Atomtod.

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