Frau Röver, seit fast einem halben Jahr sind Sie in Vollzeit für die HSG Konstanz tätig. Was gab den Ausschlag, sich statt eines gut bezahlten Jobs bei einer Bank für einen Handball-Drittligisten als Arbeitgeber zu entscheiden?

Den Grundstein hierzu habe ich ja schon 2015 gelegt, als ich mich entschied, mein Masterstudium im Sport-, Event- und Gesundheitsmanagement zu machen. Hinzu kam, dass ich nach sechs Jahren in München wieder zurück in meine Heimat an den Bodensee wollte.

Die HSG Konstanz ist dabei die perfekte Wahl für mich: Hier kann ich mein Knowhow in den Bereichen Sport, Gesundheit und Event einbringen. Denn die HSG besteht nicht nur aus Sport: Wir haben die Kooperation mit der Philharmonie, den Sportgarten, die Turngala. Das sind Projekte, die nur wenige Vereine in dieser Fülle haben. Die Strukturen sind da. Jetzt geht es darum, sie zu vertiefen.

Inwiefern?

Ich habe sehr bald festgestellt: Die HSG Konstanz kann mehr als nur klassisches Sponsoring. Deshalb kümmere ich mich nun um die Geschäftsfeldentwicklung. Ich überlege: Welche Geschäftsbereiche haben wir? Wo lohnt es sich, zu investieren? Auf welche Geschäftsfelder kann man aufbauen, welche erweitern?

Die Gesundheitsförderung der Kinder ist uns besonders wichtig. Wir sind ein Teil der Gesellschaft und merken: Die Stadt gerät in diesem Bereich an ihre Grenzen. Die HSG Konstanz versteht sich als Dienstleister und möchte diese Dienstleistungen auch anbieten. Wir haben kompetente Leute bei uns, die für die Stadt gewisse Dinge schnell umsetzen können.

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Zudem wollen wir Netzwerke aufbauen und vertiefen. Neben der verlässlichen Ferienbetreuung bieten wir auch Social-Media-Schulungen für verschiedene Zielgruppen an.

Richten sich diese Schulungen auch an den Nachwuchs?

Ja, auch. Man muss Schülern klarmachen, die Medien richtig zu verstehen. Wir geben Tipps zu Social-Media-Profilen, zeigen, dass man dort die Möglichkeit hat, seine Stimme zu erheben und etwas zu gestalten. Man kann sogar Politik betreiben, ohne in einer Partei zu sein. Dies alles könnte man auch im Rahmen einer Politik-AG verbinden. Ich möchte aufrütteln, die Heranwachsenden mitnehmen und gemeinsam etwas entwickeln.

Wie vermitteln Sie Ihr zweites Spezialgebiet „Finanzielle Allgemeinbildung“?

Hier geht es um einfache Themen: den Unterschied zwischen brutto und netto. Was ist Inflation? Wie fülle ich eine Überweisung aus? Das wiederum passt perfekt in den Gemeinschaftskunde-Unterricht.

Gilt Ihr Angebot nur für Schulen oder auch für andere Vereine?

Wir gehen aktuell nicht aktiv auf die Vereine zu, dennoch wollen wir den gesamten Sport in Konstanz fördern. Ich habe neulich den schönen Satz gehört: Das größte soziale Medium sind die Vereine, das ist einzigartig in Deutschland. Deshalb ist es wichtig, mit den Vereinen vor Ort zu netzwerken. Meine Dissertation soll auch ein Leitfaden für andere Vereine werden. Im Gegensatz dazu gehen wir aktiv auf Schulen zu, und auch unsere Sponsoren freuen sich über zielgerichtete Impulsvorträge. Zum Beispiel: Strategisches Klubmanagement am Beispiel HSG Konstanz.

Was erhofft sich die HSG Konstanz von Ihrem Engagement?

Klar ist das Ziel, ein Geschäftsmodell daraus zu machen. Wir wollen damit am Ende Geld verdienen, aber natürlich auch andere Vereine nach vorne bringen. Viele müssen wieder erkennen, dass sie gemeinnützig sind. Der gesellschaftliche Auftrag steht für mich im Vordergrund. Wir sehen uns als Dienstleister für die Region, für andere Vereine, Sponsoren und die Stadt.