Nein, sie wollte keinen Lebensmittelladen, erzählt Ismihan Atmaca. Sie und ihr Mann Engin haben vor einem Jahr in der Aachstraße in Oberuhldingen ihren mediterranen Supermarkt eröffnet. Atmacas Vorbehalte bezogen sich auf ihre Erfahrungen mit ihrem verstorbenen Vater Ali. Er hatte bis 1998 einen türkischen Lebensmittelladen. „Ich habe gesehen, wie viel Arbeit so ein Laden macht, möchte man es denn ordentlich machen.“

Zunächst nicht von Supermarkt-Idee begeistert

So war sie nicht begeistert, als ihr Mann vorschlug, sich mit einem Supermarkt selbstständig zu machen. Das Paar stand damals vor einer lebensveränderten Weichenstellung. „Wir haben uns auch überlegt, uns in Trabzon anzusiedeln.“ Denn die Vorfahren beider kommen aus dieser Schwarzmeerregion. Doch für die gebürtige Überlingerin und überzeugte Uhldingerin kam das nach einer kurzen Probezeit nicht in Frage. So ging sie den Weg ihres Mannes Engin mit.

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Engin Atmaca kommt aus einer Handelsfamilie. In der Türkei sind seine drei Brüder selbstständig und leiten jeweils unterschiedliche Geschäftszweige mit Tankstellen, Logistik und Automotive. Seit einem Jahr gibt es nun auch einen Geschäftsbereich Märkte. Das Logo der Atmacas symbolisiert es eindrücklich: Habicht heißt ihr Name ins Deutsche übersetzt, dies würde durch die Flügel symbolisiert. Die vier Sterne darüber stehen für die vier Brüder mit ihren Familien. Dazwischen der Name des Geschäftsbereichs.

Obst einmal anders. Die kleinen grünen Pflaumen aus der Türkei wurden mit Schleifchen geliefert.
Obst einmal anders. Die kleinen grünen Pflaumen aus der Türkei wurden mit Schleifchen geliefert. | Bild: Mardiros Tavit

Humorvoll nimmt Ismihan Atmaca das Eröffnungsdatum. „Wir haben an einem Freitag, den 13., eröffnet. Wie sollte es danach sonst so kommen.“ Sie meint die Umstände um die Corona-Pandemie, die folgenden Lockdowns und erforderlichen Hygiene-Maßnahmen. Sie haben es dadurch schwieriger gehabt, urteilt die Geschäftsinhaberin. „Werbeanzeigen liefen dadurch ins Leere. Und noch heute gibt es Leute, die nicht wissen, dass es uns hier gibt.“ Diese würden aber weniger.

Getränke und Wasser, die von den Kunden des Supermarkt Atmaca nachgefragt werden (von links): Rooh Afza (eine indische Kräuterlimonade), Vimto (eine kohlensäurehaltige Beerenlimonade), Granatapfel-Sirup, Orangenblüten-Wasser, Rosenwasser und Kräuter-Matetee.
Getränke und Wasser, die von den Kunden des Supermarkt Atmaca nachgefragt werden (von links): Rooh Afza (eine indische Kräuterlimonade), Vimto (eine kohlensäurehaltige Beerenlimonade), Granatapfel-Sirup, Orangenblüten-Wasser, Rosenwasser und Kräuter-Matetee. | Bild: Mardiros Tavit

Vor allem bei der deutschen potentiellen Kundschaft sei noch eine unsichtbare Schwelle vorhanden. „Oft kommen Menschen wegen des Hermesshops rein und schauen sich danach erstmal im Markt um.“ Der Paketversender helfe, Kunden ins Geschäft zu locken. „Wenn sie einmal hier waren, sehe ich sie immer öfter im Laden.“

Plauschen und Lachen mit den Kunden gehört dazu

Sie führe ihr Geschäft sehr kundenorientiert und mitunter geht es zwischen Kundschaft und Marktleitung sehr familiär zu. „Dass wir uns so schnell mit den Kunden duzen, hätte ich nie gedacht.“ Ein Pläuschchen und das gemeinsame Lachen zusammen mit den Kunden sei eine Selbstverständlichkeit für sie.

Gut sortierte Gewürzregale sind ein Muss in einem orientalischen Supermarkt.
Gut sortierte Gewürzregale sind ein Muss in einem orientalischen Supermarkt. | Bild: Mardiros Tavit

„Mediterran genießen“ ist der Slogan, den sich die Atmacas für ihren Supermarkt gegeben haben. So finden ihre Kunden im Sortiment Produkte aus dem östlichen Mittelmeerraum bis hin zum Mittleren Osten. Schwerpunkt bilden Lebensmittel aus der Türkei. Aber auch Produkte aus Bosnien, Libanon und dem Iran stehen in den vollen Regalen. „Zu den Rennern gehören Gemüse und Fleisch“, zählt Atmaca auf.

Hezbullah Kakal leitet die Metzgerei im Supermarkt Atmaca. Bei seinem Namen nennt ihn niemand. Hier heißt er für alle nur Ingelab.
Hezbullah Kakal leitet die Metzgerei im Supermarkt Atmaca. Bei seinem Namen nennt ihn niemand. Hier heißt er für alle nur Ingelab. | Bild: Mardiros Tavit

Die Fleischabteilung leitet Hezbullah Kakal, der von allen nur Ingelab genannt wird. Er hat sein Handwerk im zentralanatolischen Kayseri gelernt. „Bei Halil Usta“, sagt er, also bei Meister Halil. Die türkische Provinzhauptstadt ist berühmt für ihre Wurstwaren wie Sucuk (Knoblauchwurst) und Pastirma (Dörrfleisch in Gewürzmantel). Adana Kepab und Sucuk gibt so auch im Markt frisch von ihm zubereitet.

Viele seiner Kunden kennen in der Zwischenzeit seinen Ausdruck für Kurzgebratenes. „Tschiss Biss“, sagt er zum Fleisch und dreht dabei seine Handfläche, als ob das potenzielle Schnitzel in der Pfanne gedreht wird. Alles Fleisch ist bei den Atmaca „halal“, es entspricht also den muslimischen Speisevorschriften.

Lammkoteletts gehören auf jede orientalische Grillplatte.
Lammkoteletts gehören auf jede orientalische Grillplatte. | Bild: Mardiros Tavit

Nicht nur das Fleisch ist halal. Die muslimischen Kunden setzten voraus, dass Produkte aus muslimischen Ländern halal sind. Weswegen zum Beispiel die Dr.-Oetker-Backzutaten und -mischungen aus der Türkei kommen. Alle Produkte seien wegen ihrer internationalen Herkunft mindestens doppelsprachig ausgeschildert.

Inhaberin Ismihan Atmaca am Dattelnstand. Datteln werden im Fastenmonat Ramadan bei den Muslimen nachgefragt. Mit einer Dattel beginnen sie abends das traditionelle Iftar (Fastenbrechen).
Inhaberin Ismihan Atmaca am Dattelnstand. Datteln werden im Fastenmonat Ramadan bei den Muslimen nachgefragt. Mit einer Dattel beginnen sie abends das traditionelle Iftar (Fastenbrechen). | Bild: Mardiros Tavit

Was im Supermarkt nicht zu finden ist, sind alkoholische Getränke. Dafür gibt es einen einen riesigen Kühlschrank mit den unterschiedlichsten Limonaden aus aller Welt. Der neue Marktleiter Faruk Erdem kennt sich in der Bloggerszene aus. „Die gehypten Produkte der Influencer kann man bei uns finden“, weiß der Pfullendorfer zu berichten.

Atmacas engagieren sich in Merkez-Moschee in Überlingen

Der Atmaca-Supermarkt hat nicht nur einen internationalen Aspekt, sondern auch auch einen religiösen. Die Atmacas sind Muslime und engagieren sich in der Merkez-Moschee in Überlingen. Ismihan Atmaca leitet dort auch die Frauenabteilung des Moscheevereins. Da die Muslime seit Dienstag im heiligen Monat Ramadan fasten, habe Atmacas auch die typischen Lebensmittel für das abendliche Fastenbrechen in großen Mengen vorrätig. „Mit einer Dattel brechen wir das Fasten“, erzählt Atmaca und zeigt auf die Palette verpackter Datteln.

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