„Ich bin jetzt seit Anfang November in Kurzarbeit und nicht mehr in der Küche tätig“, sagt der 41-jährige Markus Philippi. „Da wir komplett geschlossen haben, sitze ich seit dem zuhause.“ Philippi leitet normalerweise die Küche des Romantik-Hotels „Residenz am See“ in Meersburg. Es sei nicht einfach gewesen von „180 auf 0“ runterzufahren, wie er es selbst ausdrückt. Natürlich lese er trotzdem Kochbücher und mache sich Gedanken über neue Rezepte. „Ich habe auch schon neue Ideen“, sagt er. „Aber das Wichtigste fehlt einfach: die Umsetzung.“ Er vermisst das Arbeiten in der Küche.

Da kam die Anfrage von Ferdinand Knoblauch gerade richtig. Die Lebensgefährtin von Markus Philippi, die auch in der Gastronomie arbeitet, jobbt bereits seit dem ersten Lockdown bei Edeka Knoblauch in Oberuhldingen. Da der Edeka-Chef wusste, dass sie mit einem Sternekoch liiert ist und dieser momentan keine Arbeit hat, hat Ferdinand Knoblauch seine Chance genutzt und einfach mal gefragt, ob er nicht an der Metzgerei-Theke mit einem Minijob aushelfen möchte.

„Ich wusste, dass er aufgrund des Lockdowns Ende vergangenen Jahres nicht arbeiten konnte und wir haben für die Weihnachts- und Silvesterzeit durchaus Verstärkung gebraucht“, erinnert sich Ferdinand Knoblauch. „Außerdem wusste ich, dass er sich als Stammkunde bei uns gut auskennt und weiß, worauf er sich einlässt.“ Man sei sich auch sehr schnell einig geworden. „Es war eine klassische Win-Win-Situation“, kommentiert Ferdinand Knoblauch. „Jetzt hilft er uns weiterhin aus bis die Gastronomie wieder öffnen kann.“

„Ich habe mich echt gefreut, denn dadurch habe ich wieder eine Aufgabe in meinem Alltag.“
Markus Philippi

„Die Anfrage kam tatsächlich völlig überraschend“, gesteht Markus Philippi. „Ich habe mich echt gefreut, denn dadurch habe ich wieder eine Aufgabe in meinem Alltag.“ Natürlich hat der Sternekoch alles mit seinem Arbeitgeber abgesprochen. „Es ist wirklich toll, dass Manfred Lang diesbezüglich so offen ist und damit kein Problem hat“, betont Markus Philippi. „Er hätte das Engagement auch untersagen können.“

„Ich finde es gut, dass Markus Philippi in der Zeit des Lockdowns eine Aufgabe hat“, freut sich Manfred Lang. „Außerdem kann er so sein Wissen und seine Erfahrung direkt an den Endkunden weitergeben.“ Allerdings weiß er auch, dass Markus Philippi sofort wieder in der Küche stehen wird, wenn die „Residenz am See“ ihre Pforten wieder öffnet.

Manfred Lang, Chef der „Residenz am See“ (links), und sein Küchenchef Markus Philippi gemeinsam in der Küche – vor Corona.
Manfred Lang, Chef der „Residenz am See“ (links), und sein Küchenchef Markus Philippi gemeinsam in der Küche – vor Corona. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Mittlerweile genießt der 41-jährige Markus Philippi die Arbeit hinter der Metzgerei-Theke. „Auch wenn ich nur ein bis zwei Mal in der Woche aushelfe, ist diese Arbeit für den Kopf ganz wichtig“, erklärt er. „So bin ich wieder im Gespräch mit den Leuten und kann sogar hin und wieder ein paar Tipps geben.“ Und manchmal wird er im Edeka Knoblauch in Oberuhldingen sogar erkannt. Dann staunen die Kunden und sind im ersten Moment etwas irritiert, dass sie ihr Fleisch aus den Händen eines Sternekochs bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

„Neulich war mal ein Kunde da, der ein bestimmtes Stück Fleisch zum Schmoren haben wollte“, erzählt Markus Philippi. „Da wir es zu diesem Zeitpunkt nicht da hatten, habe ich ihm das Roast Beef empfohlen und ihm noch ein paar Tricks verraten und gesagt, worauf er achten sollte.“ Einige Tage später kam der Kunde wieder und sei hellauf begeistert gewesen. „Er zückte sofort sein Handy und zeigte mir voller Stolz seine Fotos, die er von dem fertigen Roast Beef gemacht hatte“, erzählt der Spitzenkoch. „So ein tolles Feedback ist einfach schön und macht richtig Spaß.“