Kabarettist Uli Boettcher, normalerweise glatt rasiert, trat am Freitagabend mit einem doch ansehnlichen Bart im Gesicht im Autokino der Alten Fabrik Mühlhofen auf. Vor dem Welterbesaal und vor etwa 90 Fahrzeugen präsentierte er ein Best of seiner Programme. Tags darauf gastierte Christoph Sonntag auf der Freilichtbühne.

Erstmals wieder auf der Bühne

Boettcher erklärte: „Ich stehe das erste Mal in einem Viertel Jahr auf der Bühne und dann auch noch auf einem Parkplatz.“ Den Bart hatte er sich zunächst einfach nur so stehen lassen, dann aber den Ehrgeiz entwickelt, sich erst wieder zu rasieren, wenn er wieder auftreten darf. Nun darf die Gesichtsbehaarung bleiben, bis die Bartprodukte aufgebraucht sind.

Obwohl Boettcher dies irritierend findet, führt er mit vielen Gesten durch ein Best of seiner Programme. Den Zuschauern, die über Kopfhörer zuhören und die Leinwand sehen, serviert er dabei allerlei Weisheiten.
Obwohl Boettcher dies irritierend findet, führt er mit vielen Gesten durch ein Best of seiner Programme. Den Zuschauern, die über Kopfhörer zuhören und die Leinwand sehen, serviert er dabei allerlei Weisheiten. | Bild: Santini, Jenna

Sein Publikum nahm er zuallererst mit in die Gedanken des Mannes 50 Plus. Hatte er seinen 50. Geburtstag und alles darauf folgende zunächst als quälend empfunden, kam ihm irgendwann aber doch der Gedanke, dass man auch „nach der 50 noch neue Dinge erleben kann“, berichtete Boettcher. Mit einer befreundeten Frauengruppe besuchte er zum Beispiel eine Show der Chippendales – strippende Männer.

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Etwas Neues war ebenso der Auftritt im Autokino. Der stellte sich als Herausforderung für einen Künstler dar, der auf die Reaktionen aus dem Publikum angewiesen ist – Lachen, Klatschen, Blicke. All das gab es am Freitagabend nur durch die Frontscheiben der großen und kleinen Fahrzeuge. Hupe und Lichthupe ersetzten teils die Kommunikation mit Boettcher. Auch wurden Fensterscheiben heruntergelassen, um dem Kabarettisten etwas zuzurufen.

Boettcher: „Eine sehr seltsame Sache“

Dennoch sagte Boettcher: „An diese Art der Kommunikation muss man sich erst mal gewöhnen.“ Und: „Das ist eine sehr sehr seltsame Sache, das muss ich schon sagen. Da könnt ihr auch nichts machen.“ Zudem kam die Leinwand durch den aufkommenden Wind kurzzeitig so ins Schwingen, dass er meinte: „Wenn‘s umfällt und auf mich drauf, dann waren Sie immerhin dabei.“

Trotz seiner Unsicherheiten genossen die Zuschauer Boettchers Auftritt, kam er dadurch doch so herrlich sympathisch rüber. Mit großen Gesten sowie auf und ab laufend erzählte er von seinen Fahrradtouren im knappen, neonfarbenen Leibchen, seiner streng katholischen Erziehung und seinem Lebenstrauma, kein guter Handwerker zu sein.

Beim Ausmessen für den Bau eines Regals sagte sein Schwager mal zu ihm: „Uli, wenn du es ein bisschen genau haben willst, musst du es wenigstens ungefähr wissen.“ Dieser Satz beinhalte die ganze Weisheit der Welt, fand Boettcher, weshalb er ihn auch auf Meterstäbe drucken ließ.

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Sich auf die nächste Panne freuen

Jedoch sollte dies nicht die finale Weisheit des Abends sein: Boettcher erinnerte noch an eine Art „Erweckungserlebnis“, als ihm „bei voller Fahrt“ auf der Autobahn ein Reifen am Fahrzeug platzte. „Es war meine Urangst, dass man so was nicht überleben kann“, verriet der Kabarettist.

Allerdings: „Man überlebt das locker“, auch wenn es „dich aus Zeit und Raum schleudert“. Ferner erwies sich der Pannendienst als besonders liebevoll gegenüber dem Verunfallten. Für Boettcher ein Zeichen, durch das Leben zu gehen und sich auf die nächste Panne zu freuen.

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