Der soziale Kleiderladen, den der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Uhldingen-Mühlhofen betreibt, ist nach über einem Jahr Corona-Zwangspause seit 21. Juni wieder geöffnet. Viele Kunden sind darüber sehr glücklich. Der Kleiderladen in Überlingen wird jedoch aus räumlichen und finanziellen Gründen nicht mehr aufgemacht.

Das berichteten, als sie jetzt das Konzept der Wiedereröffnung des Kleiderladens in Mühlhofen vorstellten, Karl-Heinz Jaekel, Leiter der Sozialarbeit im DRK-Kreisverband, Andrea Sinclair, die für dessen Kleiderläden in Mühlhofen und Friedrichshafen zuständig ist, und Lucia Dolch, eine der beiden hauptamtlichen Leiterinnen des Kleiderladens Mühlhofen. Ab März 2020 war er aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen gewesen. Das habe vor allem Familien mit Kindern hart getroffen, zumal ja auch sämtliche Kinderkleiderbasare ausgefallen seien, betonte Dolch.

Kleiderkammer Mühlhofen

2019 wurden 45.000 Artikel verkauft

Sinclair schätzt, dass im Juli rund 300 Kunden in den Laden gekommen sind. Im Juni – in dem der Laden an insgesamt fünf Tagen geöffnet war – hätten 84 Leute eingekauft. Im Juni 2019 hatte man rund 500 Kunden gezählt. Im gesamten Jahr 2019 hatte man rund 7000 Verkäufe registriert, wobei rund 45.000 Artikel über die Ladentheke gegangen waren.

Mitarbeiterin Lucia Dolch freut sich über die Wiedereröffnung des DRK-Kleiderladens in Mühlhofen, der vor allem für bedürftige Familien mit Kindern ein wichtiger Anlaufpunkt sei.
Mitarbeiterin Lucia Dolch freut sich über die Wiedereröffnung des DRK-Kleiderladens in Mühlhofen, der vor allem für bedürftige Familien mit Kindern ein wichtiger Anlaufpunkt sei. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Eigentlich wollte das DRK den Kleiderladen bereits ab März wieder aufmachen, doch aufgrund der Corona-Inzidenzwerte habe man das nochmals verschoben, erklärte Jaekel nun.

Der Standort Mühlhofen bietet zwei große Vorteile: Das Rote Kreuz verfügt dort über eigene Räumlichkeiten – der Laden ist in der Geschäftsstelle des Kreisverbandes angesiedelt – und er ist mit rund 100 Quadratmetern Verkaufsfläche groß genug, um die nötigen Corona-Auflagen zu erfüllen.

Maximal fünf Kunden dürfen rein

Ein- und Ausgang werden über ein Einbahnsystem geregelt. Maximal fünf Kunden können sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten. Ihre jeweilige Einkaufszeit ist auf 20 Minuten beschränkt. Man kann Kleider auch anprobieren, allerdings ist nur eine Umkleidekabine geöffnet. Und natürlich, unterstrich Sinclair, desinfiziere man regelmäßig alle Kontaktflächen, so etwa die Henkel der Einkaufskörbe.

Der Zutritt ist nur mit Schutzmaske gestattet. Ein Nachweis, dass man geimpft, genesen oder getestet ist, muss nicht erbracht werden. Ebenso wenig ist eine Kontaktverfolgung erforderlich. Viele Kunden, so Sinclair, hätten kein Smartphone und manche könnten auch gar nicht schreiben.

Für die Kleinen gibt es nicht nur Kleidung zur Auswahl, sondern auch Spielsachen wie Stofftiere.
Für die Kleinen gibt es nicht nur Kleidung zur Auswahl, sondern auch Spielsachen wie Stofftiere. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Im Kleiderladen dürfen alle einkaufen. Kleidungsstücke gibt es laut Jaekle schon ab etwa 40 Cent. Für Menschen mit geringem Einkommen werden die Preise zudem um 60 Prozent reduziert, wenn sie eine entsprechende Berechtigungskarte besitzen. Das kann etwa ein Tafelausweis oder ein kommunaler Sozialpass sein. Rund zwei Drittel der Kunden kämen mit so einem Nachweis.

„Uns reicht hier die schwarze Null“

Viel Gewinn lasse sich mit Second-Hand-Kleidung nicht erzielen, betonte Jaekle. Das Ziel des DRK-Kreisverbandes sei, eine so große Kostendeckung wie möglich zu erreichen: „Uns reicht hier die schwarze Null.“ In diesen Geschäftsbereich fallen, neben den Kleiderläden, vor allem die rund 70 Altkleider-Container, für die der DRK-Kreisverband im Bodenseekreis zuständig ist.

Rund ein Drittel von deren Inhalt komme in Mühlhofen an, zwei Drittel in Friedrichshafen. Nach der Sortierung landeten 30 bis 40 Prozent der Kleidung in den Läden, der größere Anteil geht laut Jaekel „an einen Recyclingpartner mit einer Recyclingquote von 90 Prozent“.

Überlinger Laden zu teuer und zu klein

Die schmalen Gewinnmargen seien auch ein Grund, warum der DRK-Kreisverband beschlossen habe, den bisherigen Kleiderladen in Überlingen, der in den vergangenen Jahren in Räumen der Methodistischen Kirche angesiedelt war, zu schließen. Allein die Miete koste eine fünfstellige Summe. Jaekel: „Da müssen wir bei unseren Preisen richtig was verkaufen“, um die Unkosten wieder herein zu wirtschaften.

Doch der Laden sei zu klein, um ein Hygienekonzept umzusetzen, der Termin für eine Wiedereröffnung so nicht absehbar, weshalb man ihn nun aufgegeben habe. Der DRK-Kleiderladen in Friedrichshafen hatte bereits Mitte Mai seinen Betrieb wieder aufgenommen.

Das könnte Sie auch interessieren