Besondere Kleinwagen und einzigartige Sportwagen der Nachkriegszeit von 1950 bis 1970 werden als Sonderschau erstmals im Auto- und Traktormuseum Bodensee in Gebhardsweiler gezeigt. Das Museum war coronabedingt die zurückliegenden sieben Monate geschlossen, hat seit Pfingsten aber wieder täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. „Es war ein Sch. . .jahr. Schreiben Sie das ruhig“, sagt Betreiber und Inhaber Gerhard Schumann im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Ein schwieriges Kapitel nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für unserer Mitarbeiter.“

Ein Mercedes-Benz 280SL, der im März 1963 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt wurde. Er sollte gleichzeitig die Typen 190 SL und 300 SL ersetzen. Wegen seines zusätzlich lieferbaren, nach innen gewölbten Hardtops erhielt er den Spitznamen Pagode.
Ein Mercedes-Benz 280SL, der im März 1963 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt wurde. Er sollte gleichzeitig die Typen 190 SL und 300 SL ersetzen. Wegen seines zusätzlich lieferbaren, nach innen gewölbten Hardtops erhielt er den Spitznamen Pagode. | Bild: Holger Kleinstück

2020 war man Mitte Februar nach den regulären Betriebsferien motiviert in die Saison gestartet. Nach vier Wochen musste bereits wieder geschlossen werden. Mitte Mai 2020 konnte das Museum wieder öffnen. „Leider endete die Saison dann bereits am 1. November“, bedauert Schumacher. Bis 22. Mai mussten das Museum und das angrenzende Restaurant Jägerhof erneut geschlossen bleiben – fast sieben Monate am Stück.

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2020 nur knapp die Hälfte der sonst üblichen Besucherzahl

In normalen Jahren zählt das Museum rund 100 000 Besucher jährlich, im Vorjahr waren es nur knapp die Hälfte. „Auch wenn die Sommermonate beziehungsweise Sommerferien recht gut waren, konnten wir auf das ganze Jahr gesehen leider etwa nur 50 Prozent unserer Besucher zählen.“

Guter Zulauf im Sommer, aber übers Jahr massive Einbrüche

Etwas geholfen habe der Individualtourismus, der im Corona-Sommer 2020 am Bodensee besonders stark war. „Wir rekrutieren unsere Besucher ja zu einem ganz großen Teil aus den Busgruppen, die im vergangenen Jahr ganz weggefallen sind“, erläutert der Inhaber. „Dafür sind viele Leute mit dem eigenen Fahrzeug angereist, weshalb wir in den Sommermonaten sehr zufrieden waren und sogar bessere Umsätze als sonst erzielt haben.“ Aber auf das gesamte Jahr betrachtet, habe man einen massiven Einbruch erlitten, „rund die Hälfte der Besucher mit entsprechenden Konsequenzen für das wirtschaftliche Ergebnis.“

Zwei BMW Isetta mit jeweils zwölf PS aus dem Jahr 1957 und alte Fahrräder. Zwischen 1955 und 1962 wurden 161 728 dieser „Motocoupés“ verkauft: Diese Zahl übertraf nur das Goggomobil.
Zwei BMW Isetta mit jeweils zwölf PS aus dem Jahr 1957 und alte Fahrräder. Zwischen 1955 und 1962 wurden 161 728 dieser „Motocoupés“ verkauft: Diese Zahl übertraf nur das Goggomobil. | Bild: Holger Kleinstück

Historische Vorführungen im Innenhof kommen gut an

Gut angekommen seien die historischen Vorführungen im Innenhof. „Wir hoffen, dass wir diese auch in diesem Jahr wieder durchführen dürfen. Die Zeichen sehen ja danach aus“, sagt Schumacher. Das im Vorjahr ausgefallene Patina-Treffen soll in diesem Jahr nachgeholt werden: Dann werden zwei Tage über 40 Jahre alte Fahrzeugen aller Art gezeigt, ohne Hochglanz und Chrom, sondern gebraucht, rostig, skurril und exotisch.

Neue Abteilung ist dem Leiterwagen gewidmet

Verhalten sei der Besuch seit der Eröffnung an Pfingsten gewesen, wie Schumacher berichtet. Er hofft daher auf eine erneut ordentliche Auslastung im Sommer. Dafür habe man einiges getan. Im Bereich der Traktoren habe man „einige kleine Korrekturen“ vorgenommen, wie der Betreiber erzählt.

Neu ist die Abteilung „Transportmittel des kleinen Mannes“, wo insbesondere Leiterwagen zu sehen sind: meist hölzerne Wagen mit Deichsel, deren Seitenwände die Form einer Leiter haben. „Die waren ja früher das Transportmittel überhaupt, sei es in der Landwirtschaft, sei es in der Kriegszeit bei den Flüchtlingen oder in der Nachkriegszeit bei den ersten landwirtschaftlichen Aktivitäten der Kleinbauern“, erläutert Schumacher.

Ein Blick in die neue Sonderschau des Auto- und Traktormuseums mit Automobilen der Nachkriegsjahre.
Ein Blick in die neue Sonderschau des Auto- und Traktormuseums mit Automobilen der Nachkriegsjahre. | Bild: Holger Kleinstück

Bei den Automobilen hat man sich der Nachkriegszeit verschrieben. „In dieser Zeit erfuhr das Automobil Quantensprünge in der Entwicklung“, schwärmt Schumacher. Neue Materialien und Fertigungsmethoden seien auf den Markt gekommen, „die Designer konnten sich grenzenlos austoben.“ Mit Beginn der 1940er und insbesondere in den 1950er Jahren seien die skurrilsten Kreationen entstanden. „Es gab hunderte von Herstellern in Deutschland, Frankreich und England und teilweise in Italien.“

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1950 wurden erstmals mehr als zehn Millionen Fahrzeuge produziert, mehr als das Tausendfache von 1900. „Seitdem ist die Automobilindustrie in vielen Industrieländern wie den Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland und Südkorea einer der bedeutendsten Industriezweige“, erläutert der Museumsinhaber. „1960 wurden rund 16,5 Millionen Fahrzeuge produziert. 1970 waren es dann bereits knapp 30 Millionen Fahrzeuge weltweit.“

Ein Alfa-Romeo aus dem Italien der 1960er Jahre. Das Unternehmen aus Mailand hat in einem Zeitraum von nahezu 100 Jahren Motorsportgeschichte geschrieben.
Ein Alfa-Romeo aus dem Italien der 1960er Jahre. Das Unternehmen aus Mailand hat in einem Zeitraum von nahezu 100 Jahren Motorsportgeschichte geschrieben. | Bild: Holger Kleinstück

Zweiter Schwerpunkt der Ausstellung über Sportwagen der Nachkriegszeit

Obwohl die Städte noch in Trümmern gelegen und sich die Menschen vorwiegend mit Leiterwagen bewegt hätten, habe Ferdinand Porsche bereits 1948 begonnen, Sportwagen zu produzieren. Deswegen liegt der zweite Schwerpunkt der Sonderausstellung auf Sportwagen der Nachkriegszeit. „Hier kann man die technische Entwicklung noch mehr verfolgen als bei den Kleinwagen“, weiß Schumacher. „Eine spannende Geschichte.“

Ein Blick in einen alten Tante-Emma-Laden.
Ein Blick in einen alten Tante-Emma-Laden. | Bild: Holger Kleinstück

Museum soll auch für Nicht-Autofans Interessantes bieten

Wie Gerhard Schumann sagt, müsse das Museum interessant sein für jeden, der zufällig vorbeikomme „und mit der Thematik nichts am Hut hat“. Er habe aber den Anspruch, dass auch Kenner und Profis von Oldtimern und Traktoren Neuigkeiten entdecken können. „Diese beiden Faktoren müssen wird unter einen Hut bringen“, erläutert Schumacher. Und der dritte Faktor: Die Exponate müssten auch ihm selbst gefallen.