Wie verlief einst der Weg vom Korn bis zum fertigen Brot? Wie wurde gedroschen? Wie gemahlen und gebacken? Das und vieles mehr konnten die Gäste des Auto- und Traktormuseums Bodensee am vergangenen Wochenende bei historischen Vorführungen erfahren. Denn jeweils samstags ist zurzeit von 11 bis 15 Uhr für zusätzliche Abwechslung vor dem Museum gesorgt.

Egon Wegmann aus Markdorf demonstrierte die richtige Handhabung eines Dreschflegels, mit dem er die Getreidekörner aus den Ähren drosch.
Egon Wegmann aus Markdorf demonstrierte die richtige Handhabung eines Dreschflegels, mit dem er die Getreidekörner aus den Ähren drosch. | Bild: Holger Kleinstück

„Es ist toll, das alles mal hautnah miterleben zu können“, meinte ein Rentner, der gemeinsam mit seinen zwei Enkeln in die Vergangenheit eintauchte. Er erfuhr, dass Getreideähren auf dem Feld einen langen Weg hinter sich bringen müssen, bis aus ihnen ein Laib Brot wird. „Und dieser Weg sah früher anders aus als heute“, erläuterte Martin Weishaupt, Technischer Leiter des Auto- und Traktormuseums, im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

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Die Zeitreise begann auf dem Dreschboden vor dem Eingang des Museums: Hier demonstrierte Egon Wegmann aus Markdorf die richtige Handhabung eines Dreschflegels, um das Korn aus der Ähre zu schlagen. Mit dem Stiel musste der gesamte Dreschschlegel so durch die Luft geschleudert werden, dass die vorne angebrachte Keule mit großer Kraft auf die am Boden liegenden Getreidebündel schlug.

Egon Wegmann erläuterte die Wirkungsweise eines Motorlokomobils mit Bandsäge aus dem Jahre 1897 des Herstellers F. Wichterle aus Proßnitz in Mähren.
Egon Wegmann erläuterte die Wirkungsweise eines Motorlokomobils mit Bandsäge aus dem Jahre 1897 des Herstellers F. Wichterle aus Proßnitz in Mähren. | Bild: Holger Kleinstück

Auf diese Weise entfernte Wegmann die Getreidekörner aus den Ähren – er drosch sie. Um dann „die Spreu vom Weizen“ zu trennen, musste man seinerzeit das ausgedroschene Getreide in den Wind werfen: Die schweren Körner fielen zu Boden und die leichten Anteile wie Stroh und Spreu wurden vom Wind über die Tenne hinweggefegt. Oder man gab das Getreide in eine Blähmühle (Getreideputzmühle), wie Weishaupt erläuterte.

Nachdem das Korn im Sieb vom Stroh getrennt wurde, konnten die Gäste die Spreu vom Weizen trennen, hier anhand einer Blähmühle, dem Mähdrescher von anno dazumal.
Nachdem das Korn im Sieb vom Stroh getrennt wurde, konnten die Gäste die Spreu vom Weizen trennen, hier anhand einer Blähmühle, dem Mähdrescher von anno dazumal. | Bild: Holger Kleinstück

Fortschrittlicher war bereits die Stiftendreschmaschine: Der gleiche Vorgang wie mit dem Dreschflegel erfolgte maschinell. Weishaupt erklärte: „Man musste das Stroh nur noch in die Maschine halten, wo das Korn anhand von Stiften aus der Ähre getrennt wurde. Das mühsame Schlagen mit der Hand fiel dadurch weg.“ Auf der gegenüberliegenden Seite war eine Schrotmühle aufgebaut, die verschiedene Mehlarten mit unterschiedlich großen Körnungen produzierte.

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Ein Müller wiederum zeigte diverse Getreidesorten und Mehle. Nebenan befand sich eine größere Knetmaschine. „Eine Besonderheit, weil sie mit einem Riemen betrieben wurde, die seinerzeit nur in größeren Bäckerei Verwendung fand“, so Weishaupt.

Anhand einer maßstabsgetreu nachgebauten Mühle erfuhren die Gäste, wie die Arbeit in einer solchen aussieht.
Anhand einer maßstabsgetreu nachgebauten Mühle erfuhren die Gäste, wie die Arbeit in einer solchen aussieht. | Bild: Holger Kleinstück

Anhand eines maßstabgerechten Nachbaus einer Mühle konnte beobachtet werden, wie die Arbeit in einer Mühle heutzutage aussieht. Hier erfuhren die Besucher, dass das Getreide vor der Vermahlung von verschiedenen Maschinen in mehreren Schichten sorgfältig gereinigt wird.

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So siebt etwa der Separator alles aus, was größer oder kleiner ist als ein gesundes Getreidekorn, während im Aspirateur leichtere Teilchen wie Stroh oder Staub im Luftstrom entfernt werden oder der Trieur alle Bestandteile aussortiert, die nicht die Form von Weizen- oder Roggenkörnern haben.

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Zuletzt wurde gebacken. Jedes Kind durfte sein eigenes Brötchen, Seele oder Dinnele in einem mit Holz beheiztem Brotbackofen backen. Im Einsatz war ferner eine Strohbindemaschine. Aus dem Stroh, das zuvor gedroschen wurde, fertigten die Mitarbeiter mithilfe einer Maschine Strohbänder an.

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Früher wurden mit diesen Strohbändern, die eigentlich ein Abfallprodukt darstellen, die Garben – Bündel aus Getreidehalmen – zusammengebunden, erläuterte Weishaupt. „Wir haben es natürlich für Damen entfremdet und ihnen ein Herzle gemacht“, sagte er schmunzelnd.

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Bereits am kommenden Samstag, 24. August, 11 bis 15 Uhr, gehen die Vorführungen weiter: An diesem Tag präsentiert das Team des Museums die Aktion „Von der Milch zur Butter“. Es beginnt mit dem Melken und zeigt den Besuchern die Herstellung der Butter. Kinder dürfen die Mitarbeiter dabei unterstützen. Die selbst gemachte Butter darf auch probiert werden.