„Für uns bedeutet die Schließung eine sehr bedenkliche Situation, da wir ja kein staatlich oder öffentlich getragenes Museum sind“, betont Gunter Schöbel, Direktor und Geschäftsführer des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen. Das Haus und das angeschlossene Forschungsinstitut finanzierten sich ausschließlich über Eintrittsgelder.

Blick vom See auf die Pfahlbauten in Unteruhldingen (Archivbild).
Blick vom See auf die Pfahlbauten in Unteruhldingen (Archivbild). | Bild: FEZE

Dasselbe gilt für das Auto- und Traktormuseum in Uhldingen-Mühlhofen, zu dem auch ein Restaurant gehört. „Da wir keine Zuschüsse erhalten, trifft es uns doppelt hart“, sagt Silvia Georgi, die als Assistentin der Museumsleitung unter anderem für die Kommunikation zuständig ist.

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Bleiben die Museen auch über Pfingsten geschlossen, geht ein Drittel des Jahresumsatzes verloren

Die Ungewissheit, wann sie wieder eröffnen können, zermürbt Georgi: „Eigentlich wäre die Winterpause jetzt vorbei. Mit den Osterferien wäre es wieder richtig losgegangen und wir hätten das Winterloch gestopft.“

„Müssen wir auch über Pfingsten schließen, verlieren wir fast einen Drittel unseres Jahresumsatzes.“
Silvia Georgi, Auto- und Traktormuseum

Das finanzielle Loch werde für das Museum noch größer, wenn es auch über Pfingsten geschlossen bleiben müsse. „Dann wird es richtig übel. Wir würden fast einen Drittel unseres Jahresumsatzes verlieren.“ Gunter Schöbel vom Pfahlbaumuseum rechnet mit ähnlich hohen Verlusten.

Blick in die Sammlung des Auto- und Traktormuseum in Uhldingen-Mühlhofen (Archivbild).
Blick in die Sammlung des Auto- und Traktormuseum in Uhldingen-Mühlhofen (Archivbild). | Bild: FEZE

Und auch wenn sie ab Juni oder Juli wieder öffnen könnten, dauere es wohl eine Weile, bis sich alles wieder normalisiert habe, sagt Silvia Georgi: „Es wird sich wohl nur zaghaft steigern, da die Menschen noch verunsichert sind oder es sich schlicht nicht mehr leisten können, am Bodensee Urlaub zu machen.“

Ausstellungen und Erweiterungsbau stehen auf dem Spiel

Verunsicherung herrscht auch im Zeppelin Museum in Friedrichshafen. „Dass wir nicht wissen, ob wir am 19. April wirklich wieder öffnen können, macht es für uns schwierig“, sagt Pressesprecherin Simone Lipski. Und das nicht nur aufgrund der großen Einnahmeverluste durch fehlende Besucher.

Das Zeppelin Museum an der Hafenpromenade in Friedrichshafen (Archivbild).
Das Zeppelin Museum an der Hafenpromenade in Friedrichshafen (Archivbild). | Bild: FEZE

Ob und wie lange etwa die aktuelle Kunstausstellung über Marta Hoepffner und Willi Baumeister verlängert werden könne, sei unklar. „Bei den Werken handelt es sich um relativ teure Leihgaben von Sammlungen und Museen mit hohen Versicherungssummen. Da können wir nicht einfach verlängern.“

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Simone Lipski, Pressesprecherin des Zeppelin Museums in Friedrichshafen.
Simone Lipski, Pressesprecherin des Zeppelin Museums in Friedrichshafen. | Bild: Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH

Für das Pfahlbaumuseum könnte die Schließung weitreichende Folgen haben, wie Direktor Gunter Schöbel betont: „Alle Projekte liegen nun auf Eis. Und auch die Erweiterungspläne für das Museum zum Weltkulturerbe sind jetzt in Gefahr oder müssen vielleicht verschoben werden.“

Gunter Schöbel, Direktor und Geschäftsführer des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen.
Gunter Schöbel, Direktor und Geschäftsführer des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen. | Bild: Martin Baur
„Auch die Erweiterungspläne für das Museum zum Weltkulturerbe sind jetzt in Gefahr.“
Gunter Schöbel, Pfahlbaumuseum
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Um wenigstens der Öffentlichkeit den Zugang zur Sammlung und den Ausstellungen zu ermöglichen, setzt das Zeppelin Museum auf seine digitalen Kanäle. „Auf unserer Internetseite haben wir eine digitale Sammlung angelegt und stellen auch unsere Ausstellungskataloge kostenlos online.“

„Das sind alles Einzelschicksale“: Sorge um Mitarbeiter treibt Museumsbetreiber um

„Alle, bei denen das geht, sind jetzt in Kurzarbeit. Wir sind nur noch zu zweit, die den Notbetrieb am Laufen halten“, sagt Silvia Georgi vom Auto- und Traktormuseum. Insgesamt seien 80 Mitarbeiter von der Schließung des Museums und des dazugehörigen Restaurants betroffen.

Bei rund 50 von ihnen handele es sich um sogenannte Minijobber. „Sie arbeiten vor allem an der Museumskasse und im Restaurant. Für sie gilt die Kurzarbeiterregelung nicht. Ihr Zusatzverdienst fällt ganz weg.“

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Das Pfahlbaumuseum hätte vergangene Woche eigentlich 20 bis 40 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Nicht nur das sei nun nicht möglich, sondern das Museum müsse auch 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, betont Gunter Schöbel.

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Beim Zeppelin Museum seien vor allem die mehr als 60 Personen betroffen, die in der Museumsaufsicht oder an der Kasse arbeiten, sagt Simone Lipski: „Das sind 60 Einzelschicksale. Wir versuchen, das nun zu überbrücken, durch Minusstunden und Urlaube. Und für die 450-Euro-Minijobber hoffen wir, dass wir ihnen mehr Arbeit geben können, sobald es wieder richtig losgeht.“

Jetzt bleibt nur noch das Hoffen auf Hilfe vom Staat

Von der Bundes- und Landesregierung erwartet Simone Lipski, dass sie die Kulturbetriebe und Kulturschaffenden genauso behandelt wie die großen Wirtschaftsunternehmen. „Denn wir tragen nicht nur zur Vielfalt der Gesellschaft bei: An Kulturbetrieben hängen auch Mitarbeiter, menschliche Existenzen.“

„An Kulturbetrieben hängen auch Mitarbeiter, menschliche Existenzen.“
Simone Lipski, Zeppelin Museum

Das betonen auch Gunter Schöbel und Silvia Georgi. „In Kurzarbeit erhalten unsere Mitarbeiter ja nur 60 Prozent ihres Nettogehalts. Gerade Alleinerziehende trifft das hart“, sagt Georgi. Sie hoffe, dass ihre Mitarbeiter jetzt möglichst schnell Kurzarbeitergeld erhalten. „Und wenn es Fördermittel von Bund und Land gibt, hoffe ich, dass das dann möglichst schnell und unbürokratisch geht.“

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