Der Verkaufsbeschluss steht: Das Alte Schul- und Rathaus soll privatisiert werden. Am heutigen Montag stellt Bürgermeister Edgar Lamm ab 18 Uhr im Welterbesaal die Konzepte zweier Kaufinteressenten vor. Er argumentiert, dass die Gemeinde für das Haus keine sinnvolle Verwendung mehr habe, Unterhalt und Sanierung zu teuer seien. Das Geld aus dem Verkauf – im Gespräch ist eine Million Euro – bräuchte die Gemeinde für andere Projekte wie zum Beispiel die Ufer-Neugestaltung in Uhldingen. Doch viele Uhldinger stemmen sich gegen diesen Plan, wollen das Haus als eins der letzten baulichen Zeugnisse der Ortsgeschichte nicht abgeben.

Für das Erbe einsetzen

Für Gunter Schöbel, Leiter des Pfahlbaumuseums, gibt es keine Notwendigkeit, „einen solchen heimatgeschichtlichen Edelstein ohne Not zu verkaufen“. Eine „Zukunftswerkstatt“ unter der Beteiligung aller Bürger könnte hier wie in anderen Gemeinden helfen, die beste Lösung zu finden. „Unsere Gemeinde wirbt mit dem Slogan ‚Kulturerbe am Bodensee‘, das steht auf dem Briefkopf und allen Gemeindefahrzeugen. Da sollte man sich doch auch für das Erbe einsetzen." Jetzt wäre die Gelegenheit, das alte Schul- und Rathaus für die Bedürfnisse der Zukunft zu planen. Dies könne im touristischen, kulturellen oder sozialen Feld geschehen. Möglich wäre ein Ort für die Darstellung der Heimatgeschichte und ihrer Entwicklung. Denn was Uhldingen-Mühlhofen als erfolgreiche Ufergemeinde heute darstelle, nahm genau hier den Anfang. „Hier liegen die Wurzeln der Fischer- und Pfahlbaugemeinde. An dieser Stelle wurden die Konzepte des beginnenden Tourismus entwickelt.“ Da der Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde das alte Ökonomiegebäude gegenüber in der Schulstraße 13 – das Haus des letzten Schiffers – erworben habe und es stetig renoviere, könnten beide Gebäude ein historisches Ensemble in Erinnerung an die dörfliche Gründerzeit um 1910 darstellen. „Dies wäre auch im Sinne der Denkmalpflege“, gibt Gunter Schöbel zu bedenken.

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Auch der Ortsverein der SPD fordert, das alte Schul- und Rathaus so stehen zu lassen und zu sanieren. Nicht nur, weil es ein strategischer Fehler sei, das Objekt jetzt zu verkaufen. Schließlich sei das Anwesen Schulstraße 12 eines der wenigen verbliebenen „Filetstücke“ des Grundstücksmarktes in der Gemeinde. Die Genossen könnten sich hier ein „Gründungs- und Innovationszentrum Alte Schule“ vorstellen, das als Startplatz für Firmengründungen und Start-Ups dient. So könne die Gemeinde dem Wunsch der Mehrheit der Bürger, das Gebäude zu erhalten und im Besitz des Grundstücks zu bleiben, nachkommen. Gleichzeitig würde aktiv die Ansiedlung von Arbeitsplätzen gefördert. In Sachen Trägerschaft seien mehrere Modelle möglich, und Fördermittel gäbe es für solch ein Projekt aus verschiedensten Programmen.

Pfahlbauten, Hafen, Mole: Der Ortsteil Unteruhldingen ist auf Tourismus ausgerichtet. Eine Art Bürgertreff täte dem Ort gut, meinen viele Uhldinger. Bild: Jürgen Gundelsweiler
Pfahlbauten, Hafen, Mole: Der Ortsteil Unteruhldingen ist auf Tourismus ausgerichtet. Eine Art Bürgertreff täte dem Ort gut, meinen viele Uhldinger. Bild: Jürgen Gundelsweiler | Bild: Gundelsweiler Jürgen

Die beiden SPD-Gemeinderäte Renate Eiberger und Wolfram Klaar bringen in dem Nutzungs-Konzept, das sie ihren Ratskollegen und der Verwaltung als Denkanstoß geliefert haben, noch einen anderen Aspekt ins Spiel. „Ein Verkauf würde die schon fortgeschrittene Gentrifizierung des Ortsteils als Folge von Grundstücksspekulationen weiter befördern“, meinen sie. Denn außerhalb der Saison sei Unteruhldingen schon weitgehend ausgestorben. Zwar müsse die Gemeinde in solch ein Projekt erst investierten. Langfristig trage sich das aber selbst „und erbringt einen beträchtlichen Mehrwert in Form von neuen, modernen Gewerbestrukturen, Arbeitsplätzen und letztlich Steuereinnahmen für die Gemeinde“, positioniert sich der SPD-Ortverein.

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Abgesehen davon könnte nach Ansicht der SPD das Konzept einer Wohnanlage, wie es am Montagabend vorgestellt werden soll, der Rechtslage widersprechen. Die Gemeinde hat bereits 1990 eine Satzung laut Baugesetzbuch erlassen, die die Schaffung von Wohneigentum in Unteruhldingen genehmigungspflichtig macht. Außerdem ist in dem Regelwerk klar formuliert, dass hier maximal vier Wohnungen pro Wohngebäude zulässig sind. Im Februar dieses Jahres, also einen Monat vor dem Verkaufsbeschluss des Alten Schul- und Rathauses, sollte der Gemeinderat über eine neue Fassung der Satzung beschließen, was wegen einer Änderung des Baugesetzbuches notwendig sei, stand in der Ratsvorlage. In der geänderten Satzung stand jedoch nichts mehr von der Begrenzung auf vier Wohnungen pro Haus. Allerdings wurde diese Neufassung vom Gemeinderat nicht beschlossen, weshalb die Ursprungsfassung von 1990 weiter gilt.

Widerstand gegen Verkauf

Nicht zuletzt der frühere Gemeinderat Bruno Bollin setzt sich dafür ein, das Alte Schul- und Rathaus zu erhalten. Schon 2014 war er dabei, den Widerstand gegen die Verkaufspläne zu organisieren. Vor vier Jahren reichten knapp 500 Unterschriften, um den Gemeinderat davon abzuhalten, das historische Haus im Gemeindebesitz preiszugeben. Damals versprach Bürgermeister Edgar Lamm, Konzepte für die öffentliche Nachnutzung des Alten Schul- und Rathauses zu prüfen.

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In diesem Sommer hatte Bollin sogar eine Petition beim Landtag eingereicht, um den Verkauf zu verhindern. Ohne Erfolg, denn der Petitionsausschuss teilte Ende Oktober mit, dass es Sache des Gemeinderates sei, über die Veräußerung von Gemeindeeigentum zu beschließen. Keine Verwendung für die Schulstraße 12? Bruno Bollin könnte sich hier einen Bürgertreff oder eine Bildungsstätte für Jugend- und Erwachsenenbildung sehr gut vorstellen.