„Jeder Gemeinde ihren Weiher! Jeder Gemeinde ihr Biotop!“ Etwas großspurig mag sich für Außenstehende dieser fast politische Slogan angehört haben, den Professor Peter Berthold schon vor mehr als einem Jahrzehnt formuliert hatte. Ja, der nimmermüde Ornithologe und ehemalige Leiter des Max-Planck-Instituts mag bisweilen deftige und kräftige Formulierungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Doch den Mund zu voll genommen hat er im Grunde nie. Dies bestätigte jetzt wieder einmal Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz-Sielmann-Stiftung, im Rahmen der offizielle Einweihung der neuen Weiherlandschaft nahe des Neuhofs bei Lippertsreute. Brickwedde warnte zwar gleich zu Beginn präventiv vor dem „ungestümen Ungetüm“ Peter Berthold. Um am Ende allerdings die Wirksamkeit von Bertholds Pionierleistung mit dem Biotopverbund Bodensee ganz aktuell zu unterstreichen.

Konzept wird auch in Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gefördert

Was der mittlerweile 81-jährige Billafinger Biologe Peter Berthold gemeinsam mit Inge und Heinz Sielmann in seinem Heimatdorf im Jahr 2004 als Initialzündung angestoßen hatte, strahlt längst nicht nur auf die Kreise Konstanz und Ravensburg aus. Erst vor Kurzem habe das Bundesamt für Naturschutz die Förderung dieses Konzepts in Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zugesagt, sagte Brickwedde erfreut.

Im Einsatz für die Artenvielfalt: Peter Berthold mit dem Stiftungsratsvorsitzender der Heinz-Sielmann-Stiftung, Fritz Brickwedde, und Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler (von rechts).
Im Einsatz für die Artenvielfalt: Peter Berthold mit dem Stiftungsratsvorsitzender der Heinz-Sielmann-Stiftung, Fritz Brickwedde, und Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler (von rechts). | Bild: Hanspeter Walter

Wegweisend nannte er insbesondere die Zusammenarbeit mit der Stadt Überlingen, wo nach dem Inge-Sielmann-Weiher bei Bonndorf, dem Eggenweiler Hof und im Nesselwanger Ried nun bereits die vierten Stillgewässer geschaffen wurden. Dazu kämen die Pflege der Hödinger Kulturlandschaft und die Streuobstwiesen an der Konstantinhalde bei Nußdorf.

Das könnte Sie auch interessieren

OB Zeitler: Gut gegen Artenschwund, für Landschaftsbild und Ökopunkte-Konto

Stolz auf diese Projekte zeigte sich auch Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler. Die gemeinsame Arbeit werde von der städtischen Abteilung für Grünflächen, Umwelt und Forst um Rolf Geiger unterstützt, der von Anfang an dem Kuratorium der Heinz-Sielmann-Stiftung angehörte. Mit den Trittsteinen, wie die Projekte auch genannt werden, schaffe man neue Lebensräume und wirke einer Verinselung der Biotope entgegen, sagte Zeitler. Sie seien nicht nur eine Maßnahme gegen den Artenschwund, sondern „tragen auch zur Verschönerung des Landschaftsbilds bei“. Diese Verankerung in der Öffentlichkeit zeige, dass die Biotope auch für die Menschen geschaffen seien. Dass sich die Stadt Überlingen mit der Finanzierung des Vorhabens zugleich 800.000 Ökopunkte als Ausgleich für künftige Bauprojekte gutschreiben konnte, wertete Zeitler als weiteren Gewinn. Dies belege: „Die Stadt Überlingen macht Ernst.“

Ein Teil der neuen Weiherlandschaft bei Lippertsreute. Die Erdarbeiten waren im Dezember abgeschlossen worden.
Ein Teil der neuen Weiherlandschaft bei Lippertsreute. Die Erdarbeiten waren im Dezember abgeschlossen worden. | Bild: Hanspeter Walter

Lange Vorgeschichte und zähe Verhandlungen mit dem Landratsamt

Peter Berthold erinnerte noch einmal an die lange Vorgeschichte des Vorhabens und die zähen Verhandlungen mit dem Landratsamt über die Entwicklung des sensiblen Gebiets. Mit seiner letzten Nutzung als Maisacker habe es bereits viel von einer ursprünglichen Qualität eines Moorbodens eingebüßt. Diese komme nun wieder zum Vorschein und sei „saumäßig schön“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kleiner Seitenhieb auf Planung der Gemeinde Owingen

Einen kleinen Seitenhieb auf seine Gemeinde Owingen konnte sich der Biologe nicht verkneifen. Naturräume zum Erhalt der Artenvielfalt seien mindestens ebenso wertvoll wie Gewerbegebiete, sagte Berthold und spielte damit auf die Owinger Überlegungen an, im Urstromtal Richtung Billafingen neue Bauflächen auszuweisen. Doch da war Regionaldirektor Wilfried Franke schnell mit einem Veto bei der Hand. Schließlich gehört auch er von Anfang an dem Kuratorium der Heinz-Sielmann-Stiftung für den Biotopverbund Bodensee an.