„Naturschutz geht nur mit den Menschen, nicht gegen sie“, sagt Michael Beier, Geschäftsführer der Heinz-Sielmann-Stiftung, und zitiert damit zugleich das Credo, das der bekannte Biologe, Naturfilmer und Namenspatron der Organisation über die Arbeit seiner Stiftung gestellt hat. 1994 von Heinz und Inge Sielmann gegründet, ist die Stiftung längst in der ganzen Republik aktiv, hat die Renaturierung alter Braunkohlereviere und die Umwidmung von großen Truppenübungsplätzen vorangetrieben und gefördert.

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2005 ging der Biotopverbund Bodensee an den Start

Ab 2005 hat die Stiftung unter Federführung von Peter Berthold mit der Entwicklung des Biotopverbunds Bodensee ein Modellprojekt gestartet, das inzwischen über 130 Einzelmaßnahmen an mehr als 40 Standorten umfasst. Ausgehend vom Bodenseekreis und vom Kreis Konstanz strahlt es inzwischen auch auf die Kreise Ravensburg und Sigmaringen aus. „Während wir im Norden viele große Flächen betreuen, ist hier die Kleinteiligkeit von Landschaft und Nutzung etwas ganz Besonderes“, sagt Michael Beier.

Zwei blaue Azurjungfern am Eisweiher bei Stockach.
Zwei blaue Azurjungfern am Eisweiher bei Stockach. | Bild: Hanspeter Walter

Bilanzsumme liegt inzwischen bei mehr als 50 Millionen Euro

Mit ihrer Strategie und ihren Konzepten ist die Heinz-Sielmann-Stiftung, die inzwischen mit einer Bilanzsumme von mehr als 50 Millionen Euro und über 40 Mitarbeitern auch eine beträchtliche wirtschaftliche Größe erreicht hat, sehr erfolgreich im Dienste des Arten- und Naturschutzes und wächst stetig. „Kommunikation und Dialogfähigkeit sind dabei sehr wichtig“, sagt Michael Beier und blickt auf eine Beobachtungsplattform mit Informationstafel in Frickingen.

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Bester Beleg für diesen Ansatz ist just die Keimzelle des Biotopverbunds Bodensee, die der Ornithologe Peter Berthold, langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts in Radolfzell-Möggingen, in seinem Heimatdorf gelegt hat. Vor 20 Jahren Heinz Sielmann von der Idee eines Biotopverbunds Bodensee und einem Engagement der Stiftung zu überzeugen, war für den Biologen wohl vergleichsweise leicht. Man könnte es „Der Widerspenstigen Zähmung“ überschreiben, was Peter Berthold anschließend bei den Bauern im feuchten Billafinger Urstromtal für den Arten- und Naturschutz zu leisten hatte.

Vogelzugforscher Berthold setzte auf Pragmatismus statt Dirigismus

Einem wie Berthold nahmen es auch die meisten Alteingesessenen ab, dass Arten- und Naturschutz Not tut. Schließlich hatte er seit den 1960er Jahren den Brutvogelbestand rund um sein Dorf kartiert und damit den dramatischen Aderlass dokumentiert. Der Wissenschaftler und renommierte Vogelzugforscher setzte auf Pragmatismus statt Dirigismus. So gewann er viele für sich, die zunächst alles andere als begeistert gewesen waren, obwohl sie den feuchten Flächen zuvor kaum etwas abgewinnen konnten. Heute weiden genügsame Wasserbüffel rund um den ersten Heinz-Sielmann-Weiher, der 2005 im Beisein des Naturfilmers vorgestellt wurde. Die Zahl der Brutvögel hat wieder deutlich zugenommen. Im Oktober 2006 starb Sielmann mit 89 Jahren und seine im Vorjahr verstorbene Frau Frau Inge machte die Stiftung anschließend zu dem, was sie heute ist.

Seinen Fachkenntnissen und seinen kommunikativen Fähigkeiten verdankt der Biotopverbund Bodensee seine erfolgreiche Entwicklung. Ornithologe Peter Berthold mit einem Laubfrosch am Olsenweiher bei Mühlhofen.
Seinen Fachkenntnissen und seinen kommunikativen Fähigkeiten verdankt der Biotopverbund Bodensee seine erfolgreiche Entwicklung. Ornithologe Peter Berthold mit einem Laubfrosch am Olsenweiher bei Mühlhofen. | Bild: Hanspeter Walter

Beim jüngsten Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ in Baden-Württemberg habe es am Dialog gemangelt, erklärte Geschäftsführer Michael Beier von der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Nachfrage bei einem Vor-Ort-Termin am Bodensee. In Bayern habe seine Organisation durch die vorausgegangene erfolgreiche Initiative zwar Oberwasser bekommen, sei inzwischen in drei Landkreisen aktiv und habe selbst die Landschaft rund um den Starnberger See in ihre Obhut bekommen. In Baden-Württemberg seien die Ansprüche und Forderungen der Verbände zu weit gegangen, betont Beier. „Das hatte teilweise mit der Realität oder dem Machbaren nichts zu tun.“

Von Anfang habe es an der Kommunikation gefehlt

Es sei wichtig für die Verbände, dass „man das Maß der Dinge auch trifft“. Als Beispiel nannte er unter die Flächenquote für biologischen Anbau. Von Anfang habe es an der Kommunikation gefehlt, sagt er und zeigt Verständnis für die grünen Kreuze der Bauern. In Frickingen zum Beispiel kooperieren Stiftung und Gemeinde eng mit den Bauern. Landwirt Thomas Kempter hat das Grünland rund um das neue Feuchtbiotop gepachtet und bewirtschaftet es mit seinen Rindern extensiv, ganz so wie es auch dem Artenschutz gut tue.

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Beier: Förderrichtlinien der EU müssen dringend geändert werden

In Stuttgart habe die Politik die Konsequenzen und die Brisanz des Volksbegehrens viel zu spät erkannt, sagt Landwirt Kempter. Selbst bei dem als Kompromiss gehandelten Eckpunkte-Papier der Landesregierung habe es keinen echten Austausch gegeben. Andre Baumann, bis Februar Staatssekretär im Umweltministerium und selbst promovierter Biologe mit Schwerpunkt Biodiversität, habe von Anfang an betont, ergänzt Landwirt Thomas Kempter, dass von dem vermeintlichen Kompromiss-Papier „nichts verhandelbar“ sei. „Das ist politisch einfach unklug.“ Über die Reaktion der Bauern brauche man sich da nicht zu wundern. Auf der anderen Seite müssten allerdings auch die Förderrichtlinien der EU dringend geändert werden, sagt Sielmann-Geschäftsführer Beier.

„Das hatte teilweise mit der Realität oder dem Machbaren nichts zu tun.“ Michael Beier, Geschäftsführer der Heinz-Sielmann-Stiftung über die Forderungen der Verbände bei der baden-württembergischen Initiative.
„Das hatte teilweise mit der Realität oder dem Machbaren nichts zu tun.“ Michael Beier, Geschäftsführer der Heinz-Sielmann-Stiftung über die Forderungen der Verbände bei der baden-württembergischen Initiative. | Bild: Hanspeter Walter