Wunder scheint es tatsächlich immer wieder zu geben. Oder: Ein Wunder kommt selten allein. Zunächst war da die völlig unerwartete und geradezu wundersame Rückkehr zweier Heiligenskulpturen, die vor mehr als 50 Jahren aus der St.-Jodok-Kirche entwendet worden und irgendwie nach Hamburg gelangt waren. Diese Überraschung war für den Verein Konzertreihe St. Jodok und die katholische Münstergemeinde Grund genug, einmal intensiver in Schubladen und Schränken zu stöbern. Was dabei alles auftauchte, überraschte nicht nur Ulrich Köberle, der sich seit vielen Jahren um das Wohlergehen der unauffälligen Pilgerkirche in der Aufkircher Straße kümmert. Auch Pfarrer Bernd Walter staunte nicht schlecht über manche Preziose, die wieder das Licht der Welt erblickte.

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Die Fülle der Funde war schließlich im Frühjahr Anlass für eine Ausstellung in dem gut versteckten Gotteshaus im Überlinger „Dorf“. Verbunden mit dem positiven Hintergedanken, auf diesem Weg für die einzelnen Objekte möglicherweise Paten zur Finanzierung einer Restaurierung von Schäden zu finden. Darunter war neben kleineren Figuren und liturgischen Gegenständen auch ein großes Leinwandgemälde mit der Gottesmutter Maria, das allerdings stark ramponiert ist. Experten schätzten den Aufwand auf rund 20 000 Euro. Kein kleiner Betrag, fürwahr.

Bei der Ausstellung an Ostern: Dieses stark lädierte Gemälde der „Schmerzensreichen Maria“ lag lange Zeit aufgerollt auf dem Speicher der St. Jodok-Kirche, ehe es schon seit gut zehn Jahren im Atelier der Restauratoren Barbara Lorenzer und Markus Heberle aufbewahrt wurde.
Bei der Ausstellung an Ostern: Dieses stark lädierte Gemälde der „Schmerzensreichen Maria“ lag lange Zeit aufgerollt auf dem Speicher der St. Jodok-Kirche, ehe es schon seit gut zehn Jahren im Atelier der Restauratoren Barbara Lorenzer und Markus Heberle aufbewahrt wurde. | Bild: Hanspeter Walter

Womit wir uns dem zweiten Wunder nähern. Wer hätte es damals für realistisch gehalten, für das in Mitleidenschaft gezogene Bild aus dem 18. Jahrhundert einen Sponsor für diese stattliche Summe zu finden. Bei Objekten, deren Aufarbeitungskosten im dreistelligen oder auch niederen vierstelligen Bereich lagen, war dies zumindest nicht ganz so überraschend. Auch wenn der Verein nach der Ausstellung nicht schlecht staunte, insgesamt 9600 Euro an Spenden in der Kasse zu haben.

Restaurierung kann bald starten

„Das hat uns Mut gemacht und beflügelt, nach weiteren Unterstützern zu suchen“, sagt Vorsitzender Ulrich Köberle. Da kam ihm die Erzbischof Hermann Stiftung des Bistums Freiburg in den Sinn, die bisweilen auch einen Zuschuss zu der Konzertreihe gibt, wie Köberle sagt. Sie fördere nach ihrer Satzung unter anderem „diözesan bedeutende Kulturprojekte“. Es gelang ihm schließlich, die Stiftung von dieser Bedeutung zu überzeugen. „Sie bezuschusst die Restaurierung des Gemäldes nun mit 10 000 Euro“, freut sich Ulrich Köberle über die „erlösende Nachricht“. Aus eigenen Beständen könne der Verein noch 6800 Euro aufbringen. Die Restaurierungsarbeiten könnten so mit gutem Gewissen bald in Angriff genommen werden.

Das großformatige Bild befindet sich inzwischen auch schon wieder in der Restauratorenwerkstatt von Barbara Lorenzer und Markus Heberle, die schon einigen Kunstobjekten aus St. Jodok neues Leben und neue Frische eingehaucht haben. Während Heberle Spezialist für die Holzskulpturen ist, hat sich Lorenzer das Gemälde schon auf den Behandlungstisch ihres Ateliers gelegt und unter anderem damit begonnen, die zahlreichen Wunden zu reinigen. Einen neuen Streifen Leinwand hat sie dem Gemälde als Umrandung verpasst, um es später besser aufspannen zu können. Größte Herausforderung wird unter anderem die Heilung eines großen Risses sein, der schon mal geflickt wurde. Mit einem Leinwandstück, das die Jahreszahl 1762 trägt. Ob damit das Flickwerk zugleich datiert ist, ist für Barbara Lorenzer allerdings nicht gesichert. Die Entstehung des Bildes im Barock des frühen 18. Jahrhunderts dagegen schon.

Das stark ramponierte Bild stammt vom Anfang des 18. Jahrhunderts.
Das stark ramponierte Bild stammt vom Anfang des 18. Jahrhunderts. | Bild: Hanspeter Walter

Diese unerwartete großzügige Zuwendung für die Restauration des Marienbildes krönt praktisch die anderen kleinen und größeren Spender von Paten der Objekte. „Wir können so voraussichtlich alle historischen Kunstobjekte überarbeiten und restaurieren lassen“, blickt Ulrich Köberle nach vorn und bereits zur nächsten Ausstellung. Wenn alles planmäßig laufe, wolle der Verein an Ostern 2022 seine letzte Ausstellung quasi noch einmal wiederholen, mit den instandgesetzten Skulpturen – und dem restaurierten Marienbild.

Ulrich Köberle vom Verein Konzertreihe St. Jodok: „Wir können so voraussichtlich alle historischen Kunstobjekte überarbeiten und restaurieren lassen.“
Ulrich Köberle vom Verein Konzertreihe St. Jodok: „Wir können so voraussichtlich alle historischen Kunstobjekte überarbeiten und restaurieren lassen.“ | Bild: Hanspeter Walter
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