Von außen erinnert es an einen Wasserfall oder einen rauschenden Fluss. Im Inneren des Parkhauses Stadtmitte verbirgt sich aber keine Naturgewalt. Nein, es sind nur Männer mit Hochdruckwasserstrahlen. Doch die Idylle könnte ferner nicht sein.

Bis zu 80 Dezibel an der Wiestorstraße

Seit Mitte September laufen im Parkhaus Stadtmitte Sanierungsarbeiten. Bis November 2023 soll das Gebäude nahezu komplett erneuert werden. Aktuell werden dort unter anderem Schäden im Beton manuell und mithilfe eines Roboters abgetragen. Die Arbeiten sorgen für eine Lautstärke von rund 80 Dezibel an der Wiestorstraße, wie Messungen mit einer App zeigen.

88 Dezibel lassen sich direkt vor dem Parkhaus messen.
88 Dezibel lassen sich direkt vor dem Parkhaus messen. | Bild: Cian Hartung

Seit Wochen sorgt das für strapazierte Nerven einiger Anwohner – so wie beispielsweise Elisabeth Roes.

Anwohnerin: „Arbeiten ist kaum möglich“

Die 63-Jährige ist Qualitätsmanagerin in der Klinikbranche und arbeitet täglich in ihrem Büro neben der Baustelle in der Kesselbachstraße. „Bei der Lautstärke ist das Arbeiten kaum möglich“, sagt sie. Der Boden habe zuletzt vibriert und sie habe sich kaum konzentrieren können. „Sogar in einer Videokonferenz haben mich Kollegen gefragt, was denn bei mir los sei.“

Anwohnerin Elisabeth Roes.
Anwohnerin Elisabeth Roes. | Bild: Cian Hartung

Anfang Oktober sei der Lautstärkepegel zwischen 9 und 18 Uhr unerträglich gewesen, sagt sie. Ruhepausen zur Mittagszeit würden nicht befolgt. „Ich habe meist früher mit meiner Arbeit aufgehört und den Rest von zu Hause aus gemacht.“

Anwohner fordert Stopp der Arbeiten

Ähnlich geht es auch Holger Schappeler. „Die Lautstärke ist jenseits der Schmerzgrenze.“ Mit einer Handy-App habe er nach eigenen Angaben Werte von bis zu 80 Dezibel vor seiner Haustür gemessen.

Anwohner Holger Schappeler.
Anwohner Holger Schappeler. | Bild: Cian Hartung

Er klagt nach eigenen Angaben bereits über Tinnitus-Symptome und sagt: „Ich erwarte umgehend einen Stopp der Arbeiten, solange der zugesagte Lärmschutz nicht effektiv gegeben ist.“

Stadtwerk verweist auf Schallschutz

Das Stadtwerk am See verteidigt auf SÜDKURIER-Nachfrage die Sanierungsarbeiten und verweist auf Lärmschutzmaßnahmen. „Wir haben nach den ersten Beschwerden als weitere Lärmschutzmaßnahme ein Gerüst aufgebaut und die Baustelle mit Schallschutzplatten eingehaust“, sagt Sprecher Sebastian Dix. Dies bringe etwa 20 Dezibel Minderung. Zusätzlich habe man mit Holzplatten Zwischenwände und die Rampenbereiche eingedeckt.

Sebastian Dix, Pressesprecher vom Stadtwerk am See.
Sebastian Dix, Pressesprecher vom Stadtwerk am See. | Bild: holldesign

Die damit entstandenen Kosten seien nicht unerheblich, so Dix. „Wir investieren insgesamt circa 200.000 Euro für den Schallschutz“, schreibt er. Die Baupausen, die man unter anderem mit Rücksicht auf die Anwohner einplane, kosteten das Stadtwerk 5000 bis 6000 Euro. Diese brächten zudem den Zeitplan unter Druck.

„Sind Anwohnern entgegengekommen“

Dix weist ebenso den Vorwurf der Anwohner zurück, dass Zeitregelungen und Ruhepausen nicht eingehalten würden. Laut Verwaltungsvorschrift seien in einem Gebiet wie an der Wiestorstraße tagsüber zwischen 6 und 22 Uhr höhere Werte möglich als nachts. „Wir haben auch hier veranlasst, dass insbesondere lärmintensive Arbeiten nur zwischen 7 und 17 Uhr gemacht werden – auch hier sind wir den Anwohnern entgegengekommen.“

Das Parkhaus Stadtmitte an der Wiestorstraße ist von einem Schallschutz-Gerüst umgeben. Weitere Holzplatten sollen an dem Gebäude für ...
Das Parkhaus Stadtmitte an der Wiestorstraße ist von einem Schallschutz-Gerüst umgeben. Weitere Holzplatten sollen an dem Gebäude für Lautstärkeminderungen sorgen. | Bild: Cian Hartung

Außerdem würden Bau- und Projektleitung nahezu täglich die Lautstärke überprüfen. „Im Container, der direkt neben der Baustelle steht, haben wir noch nie über 64 Dezibel gemessen.“ Verantwortliche seien zudem kürzlich bei Holger Schappeler vor Ort gewesen und hätten die Lautstärke gemessen. „Dabei haben wir während laufender Roboter-Arbeiten bei ihm im Hof circa 50 Dezibel gemessen“, so Pressesprecher Dix, „das ist absolut akzeptabel.“

Wie geht es nun weiter?

Anfang Dezember seien die lärmintensivsten Arbeiten für dieses Jahr beendet. Ab Mitte Januar bis Ende der Arbeiten sollen nochmals drei Bauabschnitte mit lärmintensivem Betonabtrag und jeweils anschließenden Pausen folgen, heißt es vom Stadtwerk am See.

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Bei den Anwohnern Schappeler und Roes ist die Verärgerung weiter groß. „Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ist, dass die Baustelle noch bis November 2023 gehen soll“, sagt Elisabeth Roes. „Es geht um den Respekt zu den Bürgern“, sagt dagegen Holger Schappeler. „Es muss doch für beide Seiten verträglich sein.“