Eine Beerdigung bringt betroffene Mensche immer in eine Ausnahmesituation. Während der Corona-Krise ist eine Beerdigung für Trauernde besonders schwierig. Denn um die Verbreitung das Virus einzudämmen, gibt es strenge Kontaktsperren – auch für Beerdigungen. Durften vor dem 2. April an einer Bestattung nur zehn Trauernde teilnehmen, wurden diese Regelungen vom Kultusministerium inzwischen etwas gelockert. Dennoch ergibt sich sowohl für Trauernde als auch für Bestatter und Pfarrer eine ganz neue Situation.

Für Geistliche eine ungewöhnliche Situation

„Es fühlt sich ungewöhnlich an“, so beschreibt Peter Nicola, Dekan des Dekanats Linzgau, die derzeitige Situation. 1991 sei er zum Priester geweiht worden und in all dieser Zeit habe er so etwas noch nicht erlebt. Denn nicht nur die Anzahl der Teilnehmer an einer Beerdigung hat sich drastisch verändert, sondern auch der Ablauf.

„Ich finde, das Schwierigste ist, dass die Familien oft deutlich größer sind, als Leute auf dem Friedhof dabei sein dürfen.“Kai Tilgner, evangelischer Stadtpfarrer in Überlingen
„Ich finde, das Schwierigste ist, dass die Familien oft deutlich größer sind, als Leute auf dem Friedhof dabei sein dürfen.“Kai Tilgner, evangelischer Stadtpfarrer in Überlingen | Bild: Winkelmann-Klingsporn, Elisabeth

„Alles findet draußen am Grab statt. Einen Trauergottesdienst in der Kirche gibt es im Moment nicht“, erzählt der Salemer Pfarrer. Auch eine Aufbahrung sei derzeit nicht möglich. Der Priester und die engsten Angehörigen kommen direkt zum Grab, wo der Sarg oder die Urne bereits steht. Der Gottesdienst am Grab findet in verkürzter Form statt. Auch weil die Trauernden während der gesamten Zeremonie stehen müssen.

Viele Trauernde dürfen an der Beerdigung nicht teilnehmen

„Ich finde das Schwierigste ist, dass Familien oft größer sind, als Leute auf dem Friedhof sein dürfen“, sagt der evangelische Stadtpfarrer von Überlingen, Kai Tilgner. Trauernde müssen sich in dieser ohnehin schwierigen Situation Gedanken darüber machen, wer nicht zur Beerdigung kommen darf. Das sei für sie eine große Herausforderung – besonders dann, wenn der Verstorbene mitten aus dem Leben gerissen wurde, resümiert Tilgner.

„Obwohl die Beerdigungen in einem veränderten Rahmen stattfinden, sind sie oft sehr intensiv und persönlich.“Matthias Schneider, Pfarrer in Meersburg
„Obwohl die Beerdigungen in einem veränderten Rahmen stattfinden, sind sie oft sehr intensiv und persönlich.“Matthias Schneider, Pfarrer in Meersburg | Bild: Thissen

Pfarrer Matthias Schneider aus Meersburg kann der Ausnahmesituation auch etwas Positives abgewinnen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Beerdigungen intensiver und persönlicher geworden sind“, verrät er. Es sei nun einmal jetzt alles anders als gewohnt und daraus müsse man das Beste machen. Klar sei es schade, dass oft Freunde oder entfernte Verwandte des Verstorbenen nicht an der Beerdigung teilnehmen könnten. Ihnen rät er jedoch, eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden und so seiner zu gedenken.

Kein Trauergottesdienst

„Dass kein großer Gottesdienst stattfinden kann, ist vor allem in ländlicheren Gegenden ein Problem. Denn dort ist eine Beerdigung oft ein gesellschaftliches Ereignis.“Peter Nicola, Dekan des Dekanats Linzgau
„Dass kein großer Gottesdienst stattfinden kann, ist vor allem in ländlicheren Gegenden ein Problem. Denn dort ist eine Beerdigung oft ein gesellschaftliches Ereignis.“Peter Nicola, Dekan des Dekanats Linzgau | Bild: Timm Lechler

Während sich für Dekan Nicola und die beiden Pfarrer Schneider und Tilgner der Ablauf verändert, ist es für trauernde Familien mehr als nur das. Das weiß auch der Dekan: „Dass kein großer Gottesdienst für den Verstorbenen stattfinden kann, ist vor allem in ländlicheren Gegenden ein Problem. Denn dort ist eine Beerdigung ein gesellschaftliches Ereignis. Es kam vor der Krise oft vor, dass bei einer Beerdigung mehr Menschen in der Kirche zusammen kamen, als beim Sonntagsgottesdienst.“ Deshalb hat er für die Zeit nach der Corona-Krise eine Idee: Nachdem alles wieder seine regulären Bahnen gefunden hat, will er eine Messe für alle in dieser Zeit Verstorbenen abhalten. Auch individuelle Nachhol-Gottesdienste hält er für denkbar. Bisher sind das aber lediglich Ideen. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Erst einmal gelte es, das Ende der Krise abzuwarten.

Urnenbestattungen werden verschoben

Dass den Trauernden ein großer Gottesdienst wichtig ist, ist auch Bestatterin Gisela Hanßler aufgefallen. Vor der Corona-Krise hätten sich 70 bis 80 Prozent der Trauernden für eine öffentliche Feier entschieden – das ist jetzt nicht mehr möglich. Deshalb würden viele ihrer Kunden eine Urnenbestattung derzeit auf die Zeit nach Ostern verschieben, in der Hoffnung, dass die Regulierungen dann wieder aufgehoben würden.

Doch nicht nur der fehlende Trauergottesdienst sei für viele ein Problem, sondern auch, dass sie im Anschluss an die Beerdigung keine Trauerfeier abhalten könnten – weder in einem Gasthaus noch zuhause. Das größte Problem allerdings sei, so nahm es Hanßler wahr, die fehlende Nähe zueinander. Denn der Abstand von 1,5 Metern muss auch während einer Beerdigung eingehalten werden. „Vielen fehlen die Umarmungen, die gerade in der Trauer eine große Stütze sind“, weiß sie aus Gesprächen mit Hinterbliebenen.

Veränderte Bedingungen für Bestatter

Sie selbst versucht, während der Trauergespräche ebenfalls eine Stütze zu sein, auch wenn diese momentan nur per Telefon stattfinden. „Was ich früher mit Gesten gemacht habe, versuche ich nun zu verbalisieren. Ich sage dann beispielsweise: „Fühlen Sie sich umarmt“, erzählt sie. Persönlichen Kontakt vermeidet sie weitestgehend. Dennoch finde sie mit den Hinterbliebenen immer einen Weg, Wichtiges zu klären. Beispielsweise werfe sie Kataloge zur Auswahl in den Briefkasten, alles andere werde dann telefonisch geregelt.

Hanßler arbeitet aber nicht nur mit den Trauernden, sondern muss auch die Verstorbenen versorgen und für das Begräbnis vorbereiten. „Man ist sensibler geworden gegenüber Infektionen“, sagt sie. Deshalb sei eine komplette Schutzausrüstung bei der Versorgung des Leichnams Pflicht.

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Christian Allweier ist Bestattermeister aus Frickingen. Obwohl bei einer Beerdigung gerade vieles nicht möglich ist, sucht er nach Alternativen. „Auch wenn der Erdwurf gerade nicht gemacht werden darf, rate ich den Trauernden, Blumen mitzubringen, damit sie etwas auf das Grab werfen können“, so Allweier. Denn gerade solche symbolischen Gesten würden vielen fehlen.

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Wenngleich Trauernde in der jetzigen Zeit bei einer Beerdigung mit vielen Veränderungen und Abstrichen konfrontiert sind, sind Pfarrer und Bestatter bemüht, das Beste aus der Situation zu machen und trotz allem den Abschied so schön als möglich zu gestalten.