Karen Lambertz-Zalitatsch und Cornelia Lenhardt. Zwei Frauen, die eines verbindet: ihre Leidenschaft für Bücher. Die Erste hat 2016 die „Überlinger Buchlandung„ eröffnet, an der Ecke der Jakob-Kessenring-Straße zum Landungsplatz. Die Zweite war von Anfang an dabei, und hat jetzt das Geschäft übernommen. Die Geschäftsübergabe erfolgte vor wenigen Wochen, am 1. März und schuf so für beide eine weitere Gemeinsamkeit: Geschäftsübernahme und Neustart in Zeiten der Corona-Pandemie.

Geplant war eine ruhige Übergabe mit Abschiedsfest – stattdessen reiste Karen Lambertz-Zalitatsch sprichwörtlich Hals über Kopf aus Überlingen ab, denn ihr neuer Lebensmittelpunkt ist Cannobio am Lago Maggiore, im oberitalienischen Piemont. „Mein Mann war schon dort, und ich musste dorthin, bevor die Grenzen geschlossen wurden“, sagt Karen Lambertz-Zalitatsch.

Einkäufe nur mit Formular möglich

„I Regali di Zali“, Geschenke von Zali(tatsch), so der Name ihres neuen Geschäfts im Herzen der kleinen, gut 5000 Einwohner zählenden Stadt Cannobio, direkt am Ufer des Lag Maggiore. Hier soll es Geschenkartikel, Postkarten und eine Auswahl an Büchern über die Region des Oberitalienischen Sees geben. Nun kann „I Regali die Zali“ erst einmal nicht eröffnen. „Wir sind hier in häuslicher Quarantäne in unserem „Rustico“ in einem kleinen Bergdorf namens Durone, etwa elf Kilometer von Cannobio entfernt. Einkäufe sind möglich, aber man muss ein Formular mit sich tragen, denn es gibt viele Kontrollen. Wann wir eröffnen können weiß derzeit niemand. Ein Teil der Ware liegt auf Eis. Wir sind dennoch guter Dinge, und bereiten jetzt quasi von zuhause aus alles vor“, erzählt Lambertz-Zalitatsch am Telefon.

Karen Lambertz-Zalitatsch und ihr Mann Boris im Garten ihres neuen Zuhauses, in Durone am Lago Maggiore. Sie hat die Überlinger Buchlandung an ihre Nachfolgerin übergeben, um im italienischen Cannobio ein Geschäft für Geschenkartikel zu eröffnen. Wann das sein wird weiß sie aufgrund der Pandemie allerdings noch nicht.
Karen Lambertz-Zalitatsch und ihr Mann Boris im Garten ihres neuen Zuhauses, in Durone am Lago Maggiore. Sie hat die Überlinger Buchlandung an ihre Nachfolgerin übergeben, um im italienischen Cannobio ein Geschäft für Geschenkartikel zu eröffnen. Wann das sein wird weiß sie aufgrund der Pandemie allerdings noch nicht. | Bild: Karen Lambertz-Zalitatsch

Buchlandung wurde Online-Handel

Cornelia Lenhardts neues Geschäft im heimischen Überlingen, die Buchlandung am Landungsplatz, ist während der Corona-Pandemie zu einem Online-Buchhandel geworden. Täglich zwischen 10 Uhr und 15 Uhr sei sie im Laden präsent, beschreibt Lenhardt, die Türen blieben jedoch geschlossen und das Licht aus. „Ich bearbeite so die Bestellungen, die hier über das Telefon oder per Mail eingehen. Beim Ausliefern hilft mir eine Schülerin. Meine Kunden können die Bücher auch selbst abholen, sie klopfen an die Tür und ich gebe sie dann kontaktlos heraus. Das Buch gilt in Baden-Württemberg als Kulturgut, und diese Regelung ist erlaubt“. Die Buchhändlerin mit großen Erfahrungen im Antiquariats- und Verlagswesen, die seit 40 Jahren in ihrem Beruf arbeitet, hofft so mit einem blauen Auge davonzukommen. Es gab auch bereits Hamsterkäufe, denn als die Maßnahmen laut wurden hätten sich einige ihrer Kunden nochmal so richtig eingedeckt und seien mit einem Arm voller Bücher aus dem Geschäft gegangen, um für die kommenden Wochen ausreichend Lesestoff zu Hause zu haben, erzählt Lenhardt.

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Verbindung nach Überlingen bleibt

Karen Lambert-Zalitatsch hatte sich mit ihrem Mann Boris vor zwei Jahren im Osterurlaub am Lago Maggiore in die Gegend verliebt. Dann sei alles ganz schnell gegangen, sie hätten ein entzückendes „Rustico“ gefunden, ein kleines Haus, und die Ideen für das gemeinsame neue Geschäft entwickelt, so die Buchhändlerin. Besonders freue sie sich über eine eigene Kollektion Postkarten. „Die Familie Lauterwasser aus Überlingen fotografiert die Motive hier vor Ort, ich bin ganz glücklich darüber – und dadurch, wie durch vieles andere auch, bin weiterhin mit Überlingen verbunden“, lacht Karen Lambertz-Zalitatsch. Nein, das Lachen sei ihr noch nicht vergangen, obwohl natürlich alles anders geplant gewesen sei, und ihr die Lage in der rund eineinhalb Autostunden entfernten Lombardei durchaus bewusst wäre. „In Cannobio selbst ist es sehr ruhig. Hier in Falmenta im Valle Cannobina, zu dem unser kleiner Ort auch gehört, leben etwa 150 überwiegend ältere Menschen. Es gibt keine neuen Corona-Fälle, soweit ich weiß. Das ist schon verrückt, wir leben im Paradies und in der Lombardei wütet das Virus“.

Dankbar für „sehr treue Kunden“

Cornelia Lenhardt, vielen Überlingern auch bekannt durch ihren Gesang, denn die gebürtige Überlingerin singt seit ihrem zehnten Lebensjahr unter anderem im Münster- und im Kammerchor, behält sich ebenfalls den Optimismus bei. „Natürlich sind das große Einschnitte in unser Geschäftsleben durch Corona, hier für uns in Überlingen fehlen die Touristen zum Saisonstart, aber ich habe sehr treue Kunden, und dafür bin ich dankbar,“ sagt Cornelia Lenhardt. Die Buchhändlerin, die zur Fasten- und Adventszeit im Überlinger Münster bei der Laudes, dem Stundengebet, Psalmen singt, bereitet auch für die Umlandgemeinden Wortgottesdienste vor. Großen Halt finde sie im Glauben, erzählt die Überlingerin.

Karen Lambertz-Zalitatsch und ihr Mann Boris lernen derweil fleißig Italienisch, zwei Kurse hätten sie bereits absolviert, jetzt sei ja auch viel Zeit dafür. „Wir sind beide Optimisten“, sagt sie. „Klar machen wir uns auch Gedanken, und hoffen das bald alles ausgestanden ist mit dem Corona-Virus.“ Momentan bräuchten sie aber nur Lebensmittel zum Essen. „Und wir beackern unseren Garten – wir sind in einer Situation in der wir zurechtkommen. Wir haben eine Herzensentscheidung getroffen, und fühlen uns hier sehr wohl“.

Auch Cornelia Lenhardt ist überzeugt davon, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Ich führe die Buchlandung weiter wie bisher gewohnt, mit viel persönlichem Einsatz für Individualisten, und es wird auch weiterhin wieder Lesungen geben.“

Zwei Frauen in Zeiten der Krise, mit einer dritten Gemeinsamkeit: Optimismus.

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