Aus mehreren Gründen pocht die Stadt auf eine kreative Denkpause beim Überlinger Sommertheater in diesem Jahr. Zum einen seien die betroffenen Mitarbeiter der Verwaltung mit der Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2020 und des in diesem Rahmen geplanten Theaterstückes mehr als ausgelastet, erklärte Oberbürgermeister Jan Zeitler im Ausschuss für Bildung und Kultur. Zum anderen müsse der Zuschussbedarf nachdenklich machen.

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Kulturabteilungsleiter Michael Brunner bezifferte die Gesamtkosten für das Sommertheater 2018 auf mehr als 210 000 Euro. Mit 54 000 Euro seien die Einnahmen aus Kartenerlösen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nur weil Theatermanager Simeon Blaesi sich mit seiner Bühne gGmbH bereit erklärte, 38 000 Euro des Defizits zu übernehmen, lässt sich der erforderliche städtische Zuschuss auf 111 000 Euro begrenzen. „Wir können das einmal verkraften“, sagte Blaesi: „Wir haben dann eben lange ehrenamtlich gearbeitet.“ Zudem darf die Stadt in der kommenden Woche noch mit einer Spende des Fördervereins über 7500 Euro rechnen.

Brunner regt an, ab 2021 ein neues Konzept zu erproben

Die Differenz zu dem vom Gemeinderat bewilligten Zuschuss (30 000 Euro) in Höhe von 81 000 Euro kann Michael Brunner aus dem eigenen Budget kompensieren – durch Mehreinnahmen bei der Dalí-Ausstellung und Minderausgaben beim Wintertheater, wie er sagte. Aus Sicht der Abteilung Kultur sei das Gesamtkonzept allerdings „trotz vieler positiver Effekte aus wirtschaftlicher Sicht leider nicht aufgegangen“ und es erscheine auch für die Zukunft als „finanziell nicht tragfähig“, resümierte Brunner. Deshalb sollte aus seiner Sicht ab 2021 ein neues Konzept erprobt werden. Dazu müsse man sich allerdings frühzeitig verschiedene Alternativen erarbeiten, um im Gemeinderat eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

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Mehrkosten durch Pavillon als Spielstätte

„Das diesjährige Sommertheater war ein Experiment in zweifacher Hinsicht und mit ungewissem Ausgang“, hatte Brunner vorweggeschickt und auf die Kooperation mit den Festspielen Wangen und den Glaspavillon als Spielstätte verwiesen. Die Kooperation mit dem Förderverein, der Bühne gGmbH und Reinhard Weigelt habe gut funktioniert. Den Pavillon habe die Stadt zu einem „besonders günstigen Preis“ anmieten können. In konkreten Zahlen ausgedrückt waren dies jedoch Kosten von 60 000 Euro, die in den Vorjahren nicht angefallen waren.

Die Stadtverwaltung ist noch darum bemüht, Licht ins Dunkel um die Abrechnung zum Sommertheater 2018 zu bringen. Das Bild zeigt den Glaspavillon, der für die Stadt 18 000 Euro Miete kostete, aber Gesamtausgaben von rund 60 000 Euro verursacht habe.
Die Stadtverwaltung ist noch darum bemüht, Licht ins Dunkel um die Abrechnung zum Sommertheater 2018 zu bringen. Das Bild zeigt den Glaspavillon, der für die Stadt 18 000 Euro Miete kostete, aber Gesamtausgaben von rund 60 000 Euro verursacht habe. | Bild: Hilser, Stefan

An der Qualität soll es nicht gelegen haben

Die Qualität des Sommertheaters bewertete Michael Brunner indessen als „professionell, gut bis sehr gut“. Wobei die „flotte, temporeiche und freche Boulevardkomödie“ Volpone nicht unumstritten gewesen sei. Das Familienstück „Aladdin“ sei indessen auf ungeteilte Begeisterung gestoßen und habe einen hohen „pädagogischen Mehrwert“ gehabt. Auf eine „fantastische Resonanz“ bei vollem Haus seien dagegen das Musiktheater „Lola Blau“ und der Abend mit Christine Urspruch gestoßen.

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Klage über Besucherzahlen

Beklagt wurde von Brunner die zu geringe Auslastung der Hauptstücke, insbesondere das eher nachlassende Interesse im Verlauf der 25 Aufführungen. Unerwähnt ließ er allerdings, dass die Besucherkapazität mit 300 Plätzen um 100 Plätze höher gewesen war als bisher. Walter Rapp vom Vorstand des Fördervereins sagte dazu: „Das war ja nicht unser Wunsch.“ Wer die 50-prozentige Auslastung beim Familienstück "Aladdin" von den 300 auf die bisherigen 200 Plätze in der Kapuzinerkirche umrechnet, kommt schon auf eine viel freundlichere Zahl – nämlich eine 75-prozentige Auslastung. Die 44 Prozent bei Volpone werden bei der bisherigen Kapazität zu 66 Prozent. Eingeschlossen sind dabei allerdings rund 750 Freikarten, die an Kinder vergeben worden waren. „Für die Atmosphäre bei den Aufführungen war dies auf jeden Fall besser“, betonte auch Simeon Blaesi, der erklärte, man habe sich dadurch erhofft, einen Werbeeffekt zu erzielen.

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Aus kultureller Sicht ein Erfolg

Vor dem Hintergrund, dass es eine Sitzung des Kulturausschusses war, hatte für Stadtrat Ulf Janicke (LBU/Grüne) die kulturelle Bewertung Vorrang. Aus dieser Perspektive sei das Sommertheater ein Erfolg gewesen, auf den Überlingen stolz sein könne.

Jubel bei den jungen Darstellern am Ende des Sommertheaters. Der Förderverein zog zufrieden Bilanz.
Jubel bei den jungen Darstellern am Ende des Sommertheaters. Der Förderverein zog zufrieden Bilanz. | Bild: Simeon Blaesi

Dies gelte sowohl für die hohe Qualität des Ensembletheaters als auch für „hervorragende Außenwirkung“. Auf der wirtschaftlichen Seite müsse man die erschwerten Bedingungen berücksichtigen und die Grundsatzfrage stellen: „Was ist es der Stadt wert?“ Widerspruch kam von Lothar Thum (ÜfA/FWV). Er sei froh, dass 2019 eine Pause ist, sagte er und erklärte: „Es gibt auch Theater, die brauchen keinen Zuschuss.“