Um Jugendliche vor drohender Obdachlosigkeit zu bewahren, setzt die Stadt auf eine niederschwellige Sozialarbeit der Linzgau Kinder- und Jugendhilfe. Im Fokus sind dabei insbesondere junge unbegleitete Ausländer, die nach Erreichen der Volljährigkeit keinen definierten Aufenthaltsstatus und damit keinen Zugang zu staatlich finanzierten Integrationshilfen haben. „Das ist im Grunde eine Gesetzeslücke, die die Stadt zu schließen versucht“, erklärte der zuständige Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger bei einem Pressegespräch mit Roland Berner, dem Vorsitzenden der Linzgau Kinder- und Jugendhilfe und dessen Mitarbeitern Stefanie Ehrlich und Carlos Goeschel.

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Hilfe soll selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen

Deshalb stelle der Gemeinderat von nun an Mittel in Höhe von 82 000 Euro pro Jahr bereit, um ein bedarfsgerechtes Angebot aufzubauen. Die Stadt betrachte diese freiwillige Maßnahme als wichtigen Unterstützungsschritt für die Betroffenen bei der Suche nach einer dauerhaften Wohnmöglichkeit, betonte Wiedemer-Steidinger. Diese Hilfe bereite gleichzeitig den Weg zu einer selbstbestimmten Lebensführung. Carlos Goeschel fügte hinzu, die Fachleute wollten jedoch nicht nur junge Menschen mit unmittelbarem Migrationshintergrund im Blick haben. Auch andere Jugendliche könnten gegebenenfalls von dem neuen Angebot profitieren.

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Begleitung im Alltag

Beim Aufbau dieser Arbeit setzt Überlingen auf die Expertise der Linzgau Kinder- und Jugendhilfe aus Deisendorf, die in den vergangenen Jahren zwischenzeitlich bis zu 60 sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer stationär betreut hatte. „Derzeit haben wir noch knapp 40 junge Menschen in der Obhut“, sagte Roland Berner. Davon seien acht in einer Wohngruppe in Deisendorf untergebracht, die übrigen in externen Wohngruppen in der Region. Die Mitarbeiter der Linzgau Kinder- und Jugendhilfe hätten daher schon viel Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen. Einige Ehemalige, für die das Kreisjugendamt nicht mehr zuständig ist, seien inzwischen auf die Obdachlosenunterkünfte der Stadt angewiesen und lebten teilweise auf den Reutehöfen, obwohl sie einen einfachen Vollzeitjob hätten. „Es geht hier um eine Begleitung im Alltag“, sagte Stefanie Ehrlich, die einschlägige Erfahrungen aus Konstanz mitbringt.

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Ansprechpartner steht zwei Mal pro Woche am Bahnhof Mitte zur Verfügung

Carlos Goeschel betonte: „Die jungen Menschen brauchen Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung, aber auch im Umgang mit Behörden und der Bürokratie.“ Goeschel, der schon seit 2012 Jugendliche betreut, will daher dorthin gehen, wo die Treffpunkte sind und mit den Betroffenen ins Gespräch kommen. Er möchte ihnen bei Bedarf seine Hilfe anbieten, sie aber auch vor unbedachten Handlungen schützen, führte er aus. Zwei Mal pro Woche werde er sich dazu künftig gezielt am Bahnhof Mitte aufhalten und zur Verfügung stehen. Ein Mal wird er auch im Jugendcafé des Jugendreferats sein. „Man muss erst das Vertrauen der jungen Menschen haben“, sagte Goeschel. „Die tauschen sich über ihre Smartphones schnell aus.“ Aus Mitteln der Integrationsoffensive des Landes will Goeschel auch einen so genannten „Bus Stop“ mit einer mobilen Fahrradreparaturwerkstatt einrichten.

Integration als Grundstein der schulischen und beruflichen Eingliederung

„Wir verstehen dies als kleines Pflänzchen von Streetwork, das wachsen muss“, erklärte Raphael Wiedemer-Steidinger. Neben den Hilfen im Umfeld sollen die Jugendlichen auch bei der schulischen und beruflichen Eingliederung unterstützt werden. Die Förderung einer sozialen Integration in das Gemeinwesen solle dazu den Grundstein legen.

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