Video: Stefan Hilser

Davon träumte der frühere Stadtgärtnerei-Chef Thomas Vogler schon lange, von einer Öffnung der bisher privat genutzten Fläche auf und am Rosenobelturm. Denn er kannte das Kleinod ja und wollte es der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Neue Grünflächen für die Stadt: Die Flächen am Rosenobelturm, zwischen Stadtmauer und Krummebergstraße, werden ab 2020 geöffnet.
Neue Grünflächen für die Stadt: Die Flächen am Rosenobelturm, zwischen Stadtmauer und Krummebergstraße, werden ab 2020 geöffnet. | Bild: Hilser, Stefan

Die Überlinger ahnten bisher gar nicht, welches Kleinod hinter der Mauer an der Krummebergstraße verborgen liegt.

Blick über die alte Stadtmauer auf den Bahnhof.
Blick über die alte Stadtmauer auf den Bahnhof. | Bild: Hilser, Stefan

Im Rahmen der Landesgartenschau 2020 wird dies Wirklichkeit – und soll dauerhaft geöffnet bleiben, wie Edith Heppeler, Geschäftsführerin der LGS GmbH, bei einem Rundgang sagte.

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Von dem Gelände aus eröffnen sich für die Besucher bisher ungeahnte Blicke, auf den Bahnhof, die Dächerlandschaft der Altstadt, in den Stadtgraben, bis rüber zum Gallerturm. Drei Pächter hatten das Grundstück bisher für sich ganz privat nutzen dürfen.

Die Rosenobelschanze von oben.
Die Rosenobelschanze von oben. | Bild: Hilser, Stefan

Die Öffnung der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche ist Teil des Projekts "Grünvernetzung", die wiederum als Inseln zwischen Altstadt und LGS-Gelände verstanden werden.

Die Stadtbefestigung unterhalb des Marienbrunnens wurde erst 2011 aufwändig saniert, ab 2020 soll sie neue Beachtung aus neuer Perspektive finden.
Die Stadtbefestigung unterhalb des Marienbrunnens wurde erst 2011 aufwändig saniert, ab 2020 soll sie neue Beachtung aus neuer Perspektive finden. | Bild: Hilser, Stefan

Den Auftrag zur landschaftsarchitektonischen Gestaltung erhielt nach gewonnenem Wettbewerb das Büro 365 Grad aus Überlingen.

Wie einem Entwurf zu entnehmen ist und Edith Heppeler in den Rosenobelgärten erläuterte, gibt es vier Teilbereiche: 1. Die Rosenobelschanze mit umlaufender Absturzsicherung und spektakulären Aussichtspunkten:

Hier wird es noch eine Absturzsicherung geben, so dass man ohne Schwindelgefühle auf den Bahnhof blicken kann.
Hier wird es noch eine Absturzsicherung geben, so dass man ohne Schwindelgefühle auf den Bahnhof blicken kann. | Bild: Hilser, Stefan

2. Die obere Freifläche mit Obstbäumen und Ausstellungsfläche für den Landesverband Obst- und Gartenbau, sowie Serpentinen, die in den unteren Abschnitt führen:

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3. Untere Freifläche mit Kiosk und Biergarten:

Mit viel Charme versehen: Die Rosenobelgärten.
Mit viel Charme versehen: Die Rosenobelgärten. | Bild: Hilser, Stefan

4. Ausstellungsfläche mit landwirtschaftlichen Themen, einer umlaufenden Wegeführung und Sitzbänken – Edith Heppeler zeigt uns hier den Weg und führt uns auch wieder zurück zur Ausgangstüre:

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Der Rosenobelturm: Eher eine Bastion als ein Turm

 

Der Rosenobelturm ist vom Bahnhof Mitte als halbrundes mächtiges Mauerwerk erkennbar. Eigentlich ist er gar kein Turm, sondern eine massive Bastion, von der aus der Stadtgraben gesichert wurde. Im Innern ist er weitgehend verfüllt und lediglich von Quergängen durchzogen, die die Schießscharten miteinander verbinden.

  • Wie dem Buch „Geheimnisse der Heimat, 2. Band“ (Eva-Maria Bast und Julia Blust, SÜDKURIER-Edition) zu entnehmen ist, wurde der Turm 1657 in seiner heutigen Form fertiggestellt. Zuvor, bereits 1528, ist ein vierkantiger Vorläufer gebaut worden, der Roßnauerturm, der wegen seiner Bauweise aber empfindlicher gegen Beschuss war und nach Belagerungen im 30-jährigen Krieg abgebrochen werden musste.
  • Sein heutiges Aussehen geht laut Überlinger Marketing- und Tourismus GmbH (ÜMT) auf eine tiefgreifende Restaurierung im 20. Jahrhundert zurück. 2011 wurde die Stadtmauer zwischen Marienbrunnen (beziehungsweise oberem Ende der Gradebergstraße) und dem Rosenobelturm, und mit großer finanzieller Förderung der deutschen Stiftung Denkmalschutz von Bewuchs befreit und saniert.
  • Im Buch „Geheimnisse der Heimat“ geht Autorin Julia Blust der Frage nach, warum zum damals freien Feld, nach Norden hin, wo heute der Bahnhof liegt, keine Schießscharten existieren? Mit Berufung auf Heribert Arens, früherer Mitarbeiter im städtischen Tiefbauamt, wird erklärt, dass vom Turm aus keine Angreifer auf dem freien Feld beschossen werden sollten (man hätte ja geradezu über die eigene Verteidigung hinweg schießen müssen). Vielmehr galt die Abwehr Angreifern, die sich in den Stadtgraben gewagt hatten, der in der einen Richtung zum Obertor führt und in der anderen Richtung zum Franziskanertor.
  • Ein als Flaschenzug konstruierter Lastenaufzug existiert bis heute. Über ihn wurden die drei Stockwerke mit Munition und Schießpulver versorgt. Über einen Schacht konnte der Pulverdampf abziehen. Die Einrichtung mit Aufzug und Schacht soll mit der Öffnung des Geländes wieder sichtbar gemacht werden. (shi)