Nachdem Überlingen beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs erneut schelcht abgeschnitten hatte, nahm sich nun Oberbürgermeister Jan Zeitler drei Stunden Zeit für eine Radtour durch Überlingen – auch, um seine bei einer kürzlich geäußerte Bewertung des Testergebnisses (“Das lässt mich kalt“) auszuräumen.

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Begleitet wurde der OB von Irene Alpes, Ortsvorsitzende des ADFC, und Bernhard Glatthaar ADFC-Kreisvorsitzender, sowie seinen zwei Amtsleitern Helmut Köberlein (Tiefbau) und Thomas Kölschbach (Stadtplanung). Die Fahrt ging zu den Brennpunkten im Radwegenetz der Stadt und hier zeigte sich der ADFC sehr gut informiert und sehr kritisch. Zeitler präsentierte aber auch bereits erledigte oder kurz vor der Fertigstellung stehende Maßnahmen und dafür gab es Lob von der Fahrrad-Lobby.

Helmut Köberlein (Leiter, Tiefbau), Bernhard Glatthaar (ADFC-Kreisvorsitzender), Irene Alpes (Ortsvorsitzende des ADFC), Oberbürgermeister Jan Zeitler und Thomas Kölschbach (Leiter, Stadtplanung) bei der gemeinsamen Radtour durch Überlingen.
Helmut Köberlein (Leiter, Tiefbau), Bernhard Glatthaar (ADFC-Kreisvorsitzender), Irene Alpes (Ortsvorsitzende des ADFC), Oberbürgermeister Jan Zeitler und Thomas Kölschbach (Leiter, Stadtplanung) bei der gemeinsamen Radtour durch Überlingen. | Bild: Stef Manzini

Am Ende der Fahrt vereinbarten Zeitler und Glatthaar per Handschlag eine jährlich stattfindende Radtour, um zu überprüfen was erledigt wurde oder noch ansteht. Ende gut, alles gut? Nicht ganz, sagt der ADFC. Überlingen hätte zu viele Gefahrenstellen. Hier müsste die Stadt handeln und zwar schnell. Die stetig steigende Zahl der Radler und die nahende Landesgartenschau würden ein rasches und entschlossenes Eingreifen unabdingbar machen, betonte Glatthaar. Die von der Stadt in Auftrag gegebene „Brenner-Studie“ von 2015 sei erst zu zehn Prozent abgearbeitet, ergänzte der ADFC-Experte.

Per Handschlag versprich Oberbürgermeister Jan Zeitler (rechts) dem ADFC-Kreisvorsitzender Bernhard Glatthaar, dass es jährliche Radtouren geben soll, bei denen Problemstellen festgestellt werden sollen.
Per Handschlag versprich Oberbürgermeister Jan Zeitler (rechts) dem ADFC-Kreisvorsitzender Bernhard Glatthaar, dass es jährliche Radtouren geben soll, bei denen Problemstellen festgestellt werden sollen. | Bild: Stef Manzini

Einige durchaus bedeutende Maßnahmen stünden unmittelbar vor der Fertigstellung, setzte der OB Zeitler dagegen und meinte damit zum Beispiel den Lückenschluss Rengoldshauserstraße und Weierhalde. „Das machen wir noch vor der Landesgartenschau und das ist doch im Hinblick auf die Sportstätten, die Waldorfschüler und den Burgberg sensationell“, so Zeitler. Der OB versprach rasches Handeln an den wichtigsten Gefahrenstellen. Er sei ein „Markierungs-Fan“ und durch rote Streifen signalisiere man den Autofahrern und Radfahrern gleichermaßen „Achtung“. „Radfahren macht mir auch viel Spaß und ich habe sehr genau zugehört und verstanden. Glauben sie mir, wir tun was wir können.“ Das wäre doch jetzt einmal eine wirklich gelungene Initiative, bedankte sich Zeitler beim SÜDKURIER, der diese gemeinsame Fahrt vorgeschlagen hatte.

Reaktionen der Fraktionen

Die im Überlinger Gemeinderat vertretenen Fraktionen lässt der Zustand des Radwegenetzes nicht kalt:

  • Günter Hornstein (CDU): Da ich selbst leidenschaftlicher Radfahrer bin und falls irgendwie möglich meine Dinge in Überlingen mit dem Fahrrad erledige, lassen mich die festgestellten Mängel im ADFC-Bericht nicht kalt. Höchste Priorität hat hierbei die Beseitigung von Gefahrenstellen. Hier ist nach meiner Bewertung angesichts des erfreulichen Trends, dass das Fahrradfahren immer mehr zunimmt, schnelles Handeln aller beteiligten Behörden und Stellen gefordert. Die Stadt sollte hier die Initiative ergreifen. Darüber hinaus sind aber auch Verbesserungen außerhalb von Gefahrenbereichen erforderlich.
  • Udo Pursche (SPD): Die Situation für Radfahrer ist in Überlingen zunächst wegen der Topographie schwierig, aber nicht unlösbar. Die bisherigen Schritte des Gemeinderates und der Verwaltung gehen in die richtige Richtung, zum Beispiel die Hafenstraße demnächst als verkehrsberuhigter Bereich mit gegenläufigem Radverkehr, reichen aber bei weitem nicht aus. Die bisher schleppende Umsetzung verschiedener Maßnahmen für Radfahrer muss vorangetrieben werden. Es muss dringend im Bereich der Einfallstraßen in die Altstadt eine sicherere Wegeführung gefunden werden, unter anderem die Fortsetzung des Radweges beziehungsweise des Schutzstreifens in der Lippertsreuter Straße.
  • Raimund Wilhelmi (FDP): Natürlich lässt mich die Situation der Radfahrer in Überlingen nicht kalt.
    Das Rad ist mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel in Überlingen. Mit ihm im Umland zu fahren, erzeugt unbeschreibliche Glücksgefühle. Mit dem Rad in die Stadt zu fahren ist praktisch, schnell und schont die Umwelt. Ja, und es ist gefährlich. Fahrradfahrer müssen sich mühsam den Weg bahnen und werden von Autofahrern abgedrängt, oft als lästig oder gar feindselig betrachtet. Verkehrsplaner sagen es uns ganz klar: Nur durch großzügige Fahrradstraßen kann der Verkehrskollaps in den Städten verhindert werden! Die vielen Unfälle zeugen davon, dass die Missstände nach einer Verbesserung schreien.
  • Robert Dreher (Freie Wähler): Die Aussagen von OB Zeitler kann und will ich nicht kommentieren, da ich bei der Veranstaltung nicht anwesend war. Grundsätzlich kann einen der Radfahrverkehr in Überlingen nicht kalt lassen und stellt sicherlich ein brennendes Problem dar. Dies ist in Überlingen aufgrund der Altstadt und der Topographie leider nicht leicht zu lösen. Deshalb muss das Problem gemeinsam gelöst werden. Dazu könnten die Radfahrer viel beitragen, indem sie sich an Gesetze und Vorschriften halten und sich so verhalten, wie sie es als Fußgänger von den Radfahrern erwarten. Wie erreichen wir gemeinsam, dass die Radfahrer auf der Promenade promenieren und nicht fahren?
  • Ulf Janicke (LBU/die Grünen): Der ADFC-Fahrradklimatest und die von der Stadt 2015 in Auftrag gegebene Bestandsaufnahme haben gezeigt, dass es in Überlingen erhebliche Gefahrenstellen für Radfahrer gibt. Ein Großteil besteht nach wie vor, insbesondere in den Bereichen Lippertsreuter Straße, Owinger Straße, Rengoldshauser Straße und Goldbach. Die im SÜDKURIER zitierten Aussagen des Oberbürgermeisters haben den Eindruck vermittelt, dies sei nicht so oder nicht so wichtig. Das ist aus Sicht von LBU/Die Grünen das falsche Signal. Es besteht Handlungsbedarf, denn es geht auch um die Sicherheit für radfahrende Kinder und die Attraktivität unserer Stadt.