Der neugegründete Förderverein „Hoorig isch die Katz e.V. Überlingen“ soll die Narrenzunft dabei unterstützen, die Finanzierung der Überlinger Fastnacht und ihres Zunfthauses zu sichern. 35 Gründungsmitglieder, darunter Oberbürgermeister Jan Zeitler, hoben den Verein an historischer Stätte aus der Taufe, im Bräustüble des „Ochsen“. Hier trafen sich einst die Überlinger Narren, bevor sie ins Zeughaus umzogen und danach ins heutige Zunfthaus in der Turmgasse 7, das ehemalige Gefängnis.

Das Vereinslogo zeigt eine Katze in den Farben des Überlinger Hänseles.
Das Vereinslogo zeigt eine Katze in den Farben des Überlinger Hänseles. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Letzteres „soll ein Haus der Begegnung und Organisation insbesondere des Brauchtums und der Fastnacht bleiben“. Das betonte Narrenvater Thomas Pross, der kurz darauf einstimmig zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt wurde, in seiner Begrüßungsansprache. Die Finanzierung der Fasnet laufe bisher vor allem über Spendensammlungen und Plämperle- (Plaketten-)verkauf. Doch beides werde immer schwieriger.

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Der neue Verein steht allen Personen, Gemeinden und Vereinigungen offen, und auch das sei ein Novum in den traditionell nach Geschlechtern getrennten Überlinger Fastnachtsvereinsstrukturen: „Daher der erschte m/w/d-Narrenverein, denn auch die Fasnet kann offen, modern, zeitgemäß sein“, so Pross.

Zunftstube unverzichtbar

Besonders hob er die Wichtigkeit der Turmgasse 7 für die Organisation der Fasnet hervor. So hätten etwa in der Zunftstube allein für den Narrentag 2020 schon über 200 Sitzungen stattgefunden. Seit 45 Jahren ist die Narrenzunft dort ansässig. Die erste Zunftstube war von 1965 bis 1974 im Zeughaus. „Ratzfatz hat die Stadt das Zeughaus damals verkauft und die Narrenzunft musste ausziehen“, rief Pross in Erinnerung. Eine Neuauflage dieses Schicksals will die Zunft vermeiden. Das Anwesen Turmgasse 7, zu dem auch das Rote Haus und seit Kurzem ebenso der Keller darunter, die „Gruft“, gehören, ist im Besitz des Spitals Überlingen.

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Letzteres habe, so Pross, bereits im Januar 2018 der Narrenzunft einen Vorschlag für eine Erbpachtvereinbarung gemacht. Seither verhandle man. So habe man eine Liste, die etwa eine Gebäudeanalyse und Brandschutzfragen sowie, auf Anregung der Narrenzunft, auch die Gründung eines Fördervereins beinhalte, aufgestellt und bereits zu 90 Prozent abgearbeitet.

Suche nach Finanzierung

Ob es aber letztlich einen Erbpachtvertrag oder eine andere Lösung geben werde, um den Erhalt des Hauses für die Zunft zu gewährleisten, stehe noch nicht fest, betonte Pross gegenüber dem SÜDKURIER. „Wir müssen erstmal die Möglichkeiten für eine gesicherte Finanzierung eruieren.“ Dabei solle eben auch der Förderverein helfen. Eigene Aktivitäten habe dieser im Moment nicht vorgesehen, sagte Pross den Mitgliedern. Eine Homepage sei in Planung und soll binnen zwei Wochen zugänglich sei. Auch über einen Flyer will der neugewählte vierköpfige Vorstand in seiner ersten Sitzung nachdenken, ebenso darüber, wie sich der Beirat zusammensetzen soll, der nicht gewählt, sondern vom Vorstand bestellt wird.

Vier Vorstandsmitglieder

Der Beirat kann aus bis zu 19 Personen bestehen und soll möglichst die ganze Vielfalt der Fastnacht und des Brauchtums in Überlingen widerspiegeln. Jede Gruppierung sollte vertreten sein, „aber keiner muss“, sagte Pross. Einen ganz überzeugten Unterstützer hatte der neue Verein bereits im Vorfeld: Marco Keiner reiste eigens aus Genf an, um als Wahlleiter zu fungieren. Alle vier für den Vorstand Vorgeschlagenen wurden ohne Gegenkandidaten und fast durchgehend einstimmig gewählt: Pross als Vorsitzender, als stellvertretender Vorsitzender Volker Nies, der auch Kassierer der Narrenzunft ist, als Schatzmeisterin Beate Braun, Leiterin des Frauenkaffees, und als Schriftführerin Anna-Maria Allweier, die auch dem Vorstand der „Löwen“ angehört.

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