Polizisten, Feuerwehrmänner, ein Tierarzt mit Gewehr: Viel zu sehen gab es für die Besucher der Überlinger Bodensee-Therme, die das Schwimmbecken verlassen hatten, um die Szene zu beobachten und den Blicken der Akteure in den Baum zu folgen: Katzenrettung? Nein. Ein Ameisenbär, hieß es. Wieder Fehlanzeige. Es war ein Nasenbär, der rund fünf Meter hochgeklettert war.

Auf diesem Baum neben der Überlinger Therme hatte es sich der Nasenbär gemütlich gemacht, ehe er mithilfe eines Betäubungsgewehrs eingefangen werden konnte.
Auf diesem Baum neben der Überlinger Therme hatte es sich der Nasenbär gemütlich gemacht, ehe er mithilfe eines Betäubungsgewehrs eingefangen werden konnte. | Bild: Laura Marinovic

Die Polizei hatte kurz zuvor den Anruf eines Jungen ernst genommen. Er hatte mitgeteilt, ihn sehe ein Nasenbär aus einem Baum an, so Oliver Weißflog, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Konstanz. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um den Ausreißer des Haustierhofs Reutemühle handeln könnte, der Mitte Juni während des Hochwassers aus dem umzäunten Gehege entwischt und seit mehreren Wochen immer wieder in der Region und in der Stadt gesichtet worden war.

Das könnte Sie auch interessieren

Da die Tierrettung nicht zum originären Aufgabengebiet der Polizei gehört, wurde die Feuerwehr informiert. Diese stand zunächst vor der Frage, wie sie das zwar nicht gerade menschenscheue, aber dennoch bei zu viel Nähe flüchtende Tier einfangen kann.

Tierarzt und Polizei hinzugerufen

Ein Mann stand mit einem Kescher bereit, doch der Baum, der sich von Boden an mehrfach verzweigt, ist nicht besonders zum Klettern geeignet. So wurde ein Tierarzt gerufen, der den Nasenbär mit einem Luftdruckgewehr und Narkosepfeil für eine kurze Zeit bewusstlos schießen sollte. Damit bei der Aktion niemand gefährdet wurde, wurden dann noch zwei Polizeibeamten dazu gerufen.

Durch die Blätter und Äste schaute der Nasenbär auf die Einsatzkräfte hinab.
Durch die Blätter und Äste schaute der Nasenbär auf die Einsatzkräfte hinab. | Bild: Feuerwehr

Doch die Situation war dann doch verzwickt, der Nasenbär war durch Blätter und Äste und gegen zeitweise blendendes Sonnenlicht nicht leicht ausmachbar. Mehrere Betäubungspfeile musste der Tierarzt abfeuern. Als das gelang, plumpste das Tier Sekunden später vom Baum, hurtig positionierten sich die Beteiligten rund um den Baum, damit der Ausreißer nach der anderthalbstündigen Einfangaktion nicht nochmal entwischen konnte.

Doch die Dosis Betäubungsmittel reichte aus. Die Feuerwehr dokumentierte den Fangerfolg mit einigen Handyfotos und legte das Tier in eine Katzenkiste. Schon eine Viertelstunde später sei der Nasenbär aufgewacht, sagt Friedrich Schuler, Betreiber des Haustierhofs Reutemühle in Bambergen. Und wie geht es ihm jetzt? „Er ist putzmunter“, betont er. Allerdings hat es jetzt Hausarrest und sitzt mit einem anderen Nasenbären in einem gesonderten Gehege: „Er hat Gefallen an der Freiheit gefunden und ich denke, er wird es wieder versuchen“, begründet Friedrich Schuler die Vorsichtsmaßnahme.

Der Nasenbär mitten im Grün.
Der Nasenbär mitten im Grün. | Bild: Feuerwehr

Bei dem Tier handelt sich um ein etwa einjähriges Weibchen, das das Hochwasser vor einigen Monaten ausgenutzt hat und ins Freie gelangt war. Erstaunlich, wie viele Kilometer es zwischenzeitlich zurückgelegt hatte. Es wurde in Owingen gesichtet, in Andelshofen, vor der Suso-Kirche in Überlingen, im Stadtgarten, im Lindenhof und in Bambergen, wo über Tage hinweg versucht wurde, es mit Futter in eine Falle zu locken.

Nasenbär wollte weiterhin Freiheit genießen

Doch vergeblich. Der Nasenbär wollte wohl weiter seine Freiheit genießen. Und bei dem reichhaltigen Angebot während des Sommers und in der Obstregion – Nasenbären ernähren sich hauptsächlich und gern von Obst -, tappte es nicht in die Falle.

Hier wurde der Nasenbär entdeckt.
Hier wurde der Nasenbär entdeckt. | Bild: Feuerwehr

Das in Europa nicht heimische Tier hätte auch den Winter überleben können. Friedrich Schuler sagt dazu: „Er frisst auch Käfer und Würmer. Vielleicht wäre er frecher geworden und hätte in Mülleimern nach Nahrung gesucht.“

Jetzt ist Tier wieder zurück in der Heimat

Er ist froh, dass die Ausreißerin wieder zu Hause ist: „Der Nasenbär macht niemanden etwas, er flüchtet eher, aber er hätte in ein Auto laufen und andere gefährden können.“ So sitzt er wieder sicher in seiner Heimat; hinter Gittern zwar, aber mit garantiertem Mittagstisch – auch in schlechten Zeiten.