Die Metzgerei Manfred Frick hat in der Greth Überlingen ihre Segel gestrichen. Seit Montag morgen gähnen den Kunden dort leere Verkaufstheken an. Fünf Jahre lang hatte die Metzgerei Wurst- und Fleischwaren in dem offenen Verkaufsraum angeboten; eine Fläche in Premiumlage direkt am Seeufer, die sie sich mit einer Bäckerei und einem Weinausschank, einem Gemüsestand sowie einer Lotterieannahmestelle teilte.

Weitere Filiale in Nussdorf

Geschlossen "aus betriebswirtschaftlichen und personellen Gründen" heißt es in dem Anschlag an der Glastür des Verkaufsraumes, Fleisch- und Wurstwaren von Frick gebe es allerdings weiterhin in der Filiale in Nussdorf im Gebäudekomplex von Kaufland. Die Frick-Filiale in der Überlinger Greth zählte zu insgesamt 30 Niederlassungen der in Krauchenwies beheimateten Metzgerei. Sie setzt in ihrem Sortiment auf ein klassisches Wurst- und Fleischangebot.

Wenig Umsatz in den Wintermonaten

"Unser Geschäftskonzept ist in der Greth nicht aufgegangen", erklärte Manfred Frick gegenüber dem SÜDKURIER. Der Umsatz in den Wintermonaten sei im Vergleich zu den Sommermonaten nur ein Viertel von dem Umsatz in den Monaten Juni, Juli und August gewesen. "Das war wie bei einer Eisdiele, aber die machen im Winter zu", so Manfred Frick. Die Kunden kämen nicht mit einer Kühlbox in die Greth, wenn sie anschließend in Überlingen noch flanieren wollten.

Zu wenige Fachkräfte und Nachwuchs im Einzelhandel

Und so waren es in den Sommermonaten wohl vor allem Touristen und Gäste, die durch den Konsum der angebotenen Mahlzeiten den Umsatz der Metzgerei in der Greth anhoben. Nur der Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren reichte alleine offensichtlich nicht. "Dazu fahren zu wenig in die Greth", sagte Frick. Zudem plagen die Metzgerei auch personelle Sorgen, wie fast überall im Einzelhandel. "Es gibt zu wenig Fachkräfte und Nachwuchs fehlt", so Frick.

Am vergangenen Wochenende räumte die Metzgerei Manfred Frick ihre Waren aus der Markthalle in der Greth in Überlingen. Lediglich ein Plakat an der Tür informierte die Kundschaft über den Fortzug.
Am vergangenen Wochenende räumte die Metzgerei Manfred Frick ihre Waren aus der Markthalle in der Greth in Überlingen. Lediglich ein Plakat an der Tür informierte die Kundschaft über den Fortzug. | Bild: Michael Schhnurr

Schon vor fünf Jahren hatte die Metzgerei Johann Scholz den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren in der Greth einstellen müssen. Johann Scholz, der mit zu den ersten Geschäftsleuten in der Greth gehört hatte und 15 Jahre lang dort seine Wurts- und Fleischwaren anbot, machte damals vor allem den Fleischverkauf in den Supermärkten und Discountern auf der grünen Wiese dafür verantwortlich, dass er aufgeben musste.

Mit Manfred Frick rückte eine Metzgerei nach, die mit ihren zahlreichen Filialen so breit aufgestellt ist, dass der Überlinger Bürgerfonds als Gesellschafter der Greth hoffte, für sein Konzept einer Markhalle im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Hauses einen attraktiven Partner gefunden zu haben.

"Es soll in Richtung Konsum gehen"

Nun ist der Bürgerfonds erneut auf Suche. Nachdem andere Metzgereien in Überlingen abgewinkt hatten, zeigte sich Felix Falk, Geschäftsführer des Überlinger Bürgerfonds, dennoch zuversichtlich, schon bald einen anderen Geschäftspartner in der Greth begrüßen zu können: "Wir sind in ganz konkreten Verhandlungen mit einem Interessenten, aber es gibt noch keinen Vertragsabschluss", sagte er dem SÜDKURIER.

Ohne Ross und Reiter zu nennen, bestätigte er, dass sich der Bürgerfonds darum bemühe, einen Delikatessen- und Feinkosthändler in die Markthalle zu holen. "Es soll in Richtung Konsum gehen", sagte Falk, denn offensichtlich seien die Besucher am Verzehr mehr als am Kauf von Speisen interessiert. Dass der Interessent sich schon Angebote von Ladenbaufirmen erstellen lässt, wertete Falk als gutes Omen. Er hofft, dass die Markthalle noch vor Weihnachten im Glanz eines neuen Angebotes erstrahlen wird.