Die Vielfalt in Überlingen hat viele Facetten und birgt viele Herausforderungen. Das macht Elke Dachauer, seit 2016 die Integrationsbeauftragte, in ihrem aktuellen Bericht deutlich. Schon was die Zahlen der Migranten und der Herkunftsländer angeht, muss man ganz genau hinschauen. Der erste Blick täusche hier etwas, betont Dachauer. Zwar hätten die seit 2015 zugewiesenen 278 Personen 17 verschiedene Nationalitäten. „Das hört sich zunächst nach sehr viel an“, sagt Dachauer. Doch auf den zweiten Blick erkenne man, dass von den 278 Personen allein 154 aus Syrien und weitere 51 aus Afghanistan gekommen seien.

„Das ist ganz spannend zu sehen,“ sagt Dachauer. Andere Länder wie die afrikanischen Togo, Marokko oder Kamerun seien nur in viel geringeren Zahlen vertreten. „Uns fallen auf der Straße vielleicht eher dunkelhäutige Menschen auf“, vermutet die Integrationsbeauftragte. Doch in der städtischen Anschlussunterbringung sei dies eine kleine Minderheit. Auch die Gesamtzahl der zugewiesenen Geflüchteten ist mit gut einem Prozent der Einwohner Überlingens recht überschaubar. Gleichzeitig lebten derzeit insgesamt 3708 ausländische Staatsbürger mit anderem Pass fest in der Stadt. Davon stammt rund 2800 aus Europa und der Türkei und 558 aus Asien. Der Rest verteile sich auf kleinere Anteile.

Ein dichtes Netzwerk der Akteure ist entstanden und bemüht sich um eine erfolgreiche Integration.
Ein dichtes Netzwerk der Akteure ist entstanden und bemüht sich um eine erfolgreiche Integration. | Bild: Stadt Überlingen

Ihre Aufgabe sieht Elke Dachauer als „neutrale Stelle“, die sich um Kooperationspartner, neue Projekte und neue Fördermöglichkeiten kümmere. Eine Säule seien die Organisation und Verwaltung der hoheitlichen Aufgaben der Kommune. Die zweite Säule sei die Vernetzung der an der Integration beteiligten Institutionen und Partner. Ihr Sachgebiet sei für die geflüchteten Menschen zuständig, sagt Dachauer. Um die Obdachlosen kümmere sich das Amt für öffentliche Ordnung. „Im Mai waren hier insgesamt 35 Obdachlose registriert“, berichtet sie. Dazu zählten auch Personen, die im Stadtgebiet seit vielen Jahren bekannt seien.

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Gestiegen sei die Zahl der zugewiesenen Personen mit Flüchtlingsstatus von 31 im Jahr 2015, die noch durchweg privat untergebracht werden konnten, ein Jahr später auf 88 Menschen, bei denen dies nicht mehr gelungen sei. Insgesamt wurden vom Bodenseekreis inzwischen 278 Personen zugewiesen. Davon hätten 38 Prozent in privatem Wohnraum eine Bleibe gefunden. 62 Prozent wohnten in städtischen Unterkünfte und hätten dafür eine Einweisung nach dem Polizeigesetz erhalten. Damit habe die Stadt auch eine gewisse Flexibilität und Manövriermasse, was die Größe der Wohnungen angeht, sagt Dachauer. Stünden für Einzelpersonen nur größere Unterkünfte zur Verfügung, könnten einzelne Zimmer von der Nutzung ausgeschlossen werden. Kämen größeren Familien stünden sie wieder zur Verfügung.

Auch wenn bisweilen dezentrale „schöne Wohnungen“ angeboten werden könnten, handle es sich im rechtlichen Sinnen lediglich um „Notunterkünfte, um eine Obdachlosigkeit zu vermeiden“, betont Dachauer. Gedacht sei, dass „die Leute hier einziehen, Fuß fassen und dann wieder ausziehen“. Tatsache sei allerdings, dass diese „Dynamik schon seit 2016 fast völlig zum Erliegen gekommen sei“. Dies sei insbesondere dem schwierigen Wohnungsmarkt geschuldet. „Die Leute finden schlicht keine anderen Wohnungen.“

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In 32 verschiedenen Objekte der Stadt lebten inzwischen 158 Personen. Nach den Prognosen und Auflagen des Bodenseekreises müsse die Stadt im Verlauf des Jahres noch 89 Personen unterbringen, sagt Elke Dachauer. Nur bei fünf sei dies bislang gelungen. Entlastung verspreche sie sich von der Anschlussunterbringung am Schättlisberg für rund 50 Personen. Dennoch rechne Dachauer damit, „dass wir wieder Überträge ins neue Jahr haben“. Der Druck auf die Stadt bestehe weiterhin, denn „die Personen, die wir unterbringen müssen, die sind schon längst da“. Unterdessen gingen die Gemeinschaftsunterkünfte für die vorübergehende Unterbringung drastisch zurück. Goldbach und Ottomühle seien in dieser Form ganz aufgelöst worden, lediglich Deisendorf habe noch den Status einer Gemeinschaftsunterkunft.

Schon seit fast vier Jahren gibt es das „Café International“ regelmäßig freitags ab 15 Uhr im Kolpinghaus. Im Bild Maria-Gratia Rinderer beim Kartenspiel mit Kindern.
Schon seit fast vier Jahren gibt es das „Café International“ regelmäßig freitags ab 15 Uhr im Kolpinghaus. Im Bild Maria-Gratia Rinderer beim Kartenspiel mit Kindern. | Bild: Stadt Überlingen

Sehr wichtig geworden für die Vernetzung der beteiligten Einrichtungen und der ehrenamtlichen Helfer ist der sogenannte „runde Tisch für Vielfalt und Integration“, der unter der Leitung des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) regelmäßig zum Austausch zusammenkommt. Für viele Migranten selbst dagegen ist das „Café International“ zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Es besteht seit 2015 und feiert am 12. Juli seinen vierten Geburtstag. Jeden Freitag öffnet es im Kolpingsaal der Katholischen Kirchengemeinde in der Münsterstraße seine Türen. Sehr angetan von der Arbeit der Integrationsbeauftragten zeigte sich der Gemeinderat. Ihm imponiere die unaufgeregte Atmosphäre, die die Integrationsbeauftragte bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben geschaffen habe, erklärte Oswald Burger (SPD). Dass ihr der „politische Rückhalt“, den sich Dachauer gewünscht hatte, sicher sei, bekräftigten auch mehrere andere Kollegen am Ratstisch.