Wenn erstmals eine Landesgartenschau am See festmacht, dann muss sie auch aufs Wasser. Das war den kreativen Köpfen der Landesgartenschau ebenso klar wie Oberbürgermeister Jan Zeitler, der bei der Vorstellung der „Schwimmenden Gärten“ seiner Begeisterung Ausdruck verlieh. „Das ist schon spektakulär.“ Doch sei es etwas, was „die Menschen von einer Gartenschau am Bodensee auch erwarten“, erklärte Zeitler. Doch sei es ein langer Weg von der ersten Idee bis zu einem Umsetzungskonzept gewesen.

„Alle Menschen streben an den See“

„Alle Menschen streben an den See“, sagt LGS-Geschäftsführerin Edith Heppeler. Doch etwas ganz Besonderes sei es dann, „wenn sie auch noch auf den See dürfen“. Deshalb habe man von Anfang an nach Projekten gesucht, die den Besuchern ermöglichen, „aufs Wasser zu kommen“. Dieses Gefühl werden sie durchaus spüren, wenn sie die schwimmenden Stege betreten und rund 50 Meter hinaus übers Wasser wandeln können, wie Herbert Dreiseitl betonte, der vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) mit einer Konzeption für die schwimmenden Gärten beauftragt worden war.

Bei der aktuellen Bundesgartenschau in Heilbronn geben kleine bepflanzte Inseln der Landschaftsgärtner vom See einen Vorgeschmack und zählen mit dem Hintergrund zu den beliebtesten Fotoobjekten der Besucher.
Bei der aktuellen Bundesgartenschau in Heilbronn geben kleine bepflanzte Inseln der Landschaftsgärtner vom See einen Vorgeschmack und zählen mit dem Hintergrund zu den beliebtesten Fotoobjekten der Besucher. | Bild: Hanspeter Walter

Schwimmende Gärten könnten Dauerattraktion werden

Sechs der Inseln mit einem Durchmesser von 5,5 und 6,5 Meter sind direkt an den Steg angedockt, voraussichtlich weitere sechs flottieren frei auf dem Wasser. Wobei diese durch schwere Gewichte an ihrem Standort gehalten werden. „Die Konstruktionszeichnungen und die Berechnungen liegen vor“, sagt Herbert Dreiseitl. „Das Konzept ist sehr nachhaltig“, betonte Dreiseitl, „alle Materialien sind recycelbar.“ Darauf legt Oberbürgermeister Jan Zeitler gar keinen so großen Wert, da er sich die schwimmenden Gärten auch als Dauerattraktion vorstellen könnte, wie er auf Nachfrage einräumte: „Das wäre schon mein Traum.“

Das könnte Sie auch interessieren

Seepegel ändert sich schnell

Eine technische Herausforderung sei es schon, mit dem Steg auf den sich bisweilen schnell ändernden Seepegel zu reagieren, erklärte Herbert Dreiseitl. Auch die kurzen Wellen bei Stürmen über dem See seien ein ganz spezielles Phänomen, das es zu berücksichtigen gelte. „Der Bodensee ist nicht zu unterschätzen“, das wisse er auch als Ruderer. Doch halte er es mit Hermann Hesse, dem Dichter vom Untersee: „Damit das Mögliche entstehe, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ Rund 300 Quadratmeter groß ist die Fläche auf dem Steg. Mit 600 Menschen müsse man bei einem größeren Ansturm schon rechnen. Doch ist die Anlage auf eine Tragfähigkeit von 500 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt. Ganz vorne auf dem Steg sind Sitzgelegenheiten vorgesehen „zum Chillen und zum Träumen“.

Jeder Garten soll ein Glanzpunkt für sich sein

Neuland betreten auch die Landschaftsgärtner mit den schwimmenden Gärten, wie deren Verbandsvorsitzender Reiner Bierig betonte. Jeder Garten werde ein Glanzpunkt für sich. „Lust auf schöne Gärten machen“ wollten die beteiligten Betriebe, sagte Bierig. Eine Duftmarke hätten sie schon auf der Bundesgartenschau in Heilbronn gesetzt. Ein voller Erfolg und einer der größten Hingucker sei dort der Beitrag vom Bereich Bodensee-Oberschwaben bei den Regionengärten. Der kleine Vorgeschmack bepflanzter Inseln vor einer Bodenseekulisse zähle zu den meist fotografierten Objekten in Heilbronn. Bierig: „Die Leute werden dort echt infiziert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Der technische Aufbau und die Sicherheit

  1. Wie sieht die Technik aus? Als Auftriebskörper für Stege und Inseln wurden Bausteine aus Polyurethan gewählt, wie sie für Pontons eingesetzt werden. Sie können für die Landesgartenschau ausgeliehen und dem Anbieter anschließend zurückgegeben werden. Über Gelenke werden diese Elemente mit einem Leichtmetallgerüst verbunden. Auf dem Gerüst werden die Planken als begehbarer Holzbelag aufgebracht. An Ort und Stelle fixiert wird der halbrunde Steg durch Dalben auf der Innenseite. Die Inseln werden von einer Stahlblechmanschette eingefasst. Sie werden mit einer zentralen Fixierung, die sich mit einem Halteseil und einem Gegengewicht den Wellen und den Seewasserständen anpasst, am Seegrund verankert.
  2. Wie steht es mit der Sicherheit? Dem schwimmenden Steg gilt ein besonderes Augenmerk. Ein massives Geländer habe er sich allerdings nie vorstellen können, betonte Herbert Dreiseitl. Eventuell werde man mit flexiblen Halteseilen arbeiten. Auf jeden Fall würden am Steg auch flexible Leitern angebracht. Auch Schwimmringe sollen für Notfälle verfügbar sein. Bei offizieller Sturmwarnung werde man den Steg absperren.
  3. Wer ist beteiligt? Schwimmende Gärten werden gebaut von Paul Saum (Hohenfels), Grimm Gartengestaltung (Hilzingen), Van den Elzen Gartendesign (Überlingen) und Gartengestaltung Gropper (Waldburg). Villengärten werden gebaut von Bagger & Stein Riegger (Hohenfels), Kähler (Eigeltingen), R. Denzel (Singen), Gartenforum Eisenbarth (Konstanz), Widenhorn (Sipplingen), Siegwarth (Singen), Schellhorn (Horgenzell), Hainmüller (Steißlingen) und Klaus Negrassus (Immenstaad). (hpw)